Am seidenen Faden

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Die Stimmung im Umfeld ist negativ wie selten zuvor in dieser Saison. Zwei Punkte aus den letzten drei Spielen holte das Team von Trainer Fuat Kilic, seit Wochen bekommen die Zuschauer nur noch Holperfußball bestehend aus hohen Bällen, ungenauen Kombinationen, Missverständnissen und Fehlpässen zu sehen. Dass der FCS weiterhin auf Rang zwei der Tabelle steht, liegt weniger an den gezeigten Leistungen als vielmehr an den schwachen Gegnern, die die Regionalliga Südwest bietet, und an den ebenfalls durch die letzten Spiele holpernden Verfolger aus Elversberg. Die SVE konnte am vergangenen Samstag das Saarbrücker Geschenk der Niederlage gegen Trier nicht nutzen und holte selbst nur einen Punkt in Homburg.

Trotzdem hängt beim FCS die gesamte Saison am seidenen Faden. Verliert man in Offenbach, und mit den zuletzt gezeigten Leistungen wäre alles andere eine Überraschung, rückt der Relegationsplatz in weite Ferne. Die dann immer noch anhaltende Krise und ein schweres Restprogramm lassen die zu erwartenden zwei Punkte Rückstand auf Elversberg noch einmal deutlich an Volumen hinzugewinnen. Während Saarbrücken mit Kassel und Worms zwei Gegner zu bespielen hat, die der Mannschaft alles abverlangen werden, kommen auf Elversberg mit Baunatal und Zweibrücken vermeidlich sichere Punkte zu.

Doch nicht nur die aktuelle Saison hängt damit am seidenen Faden. Die Niederlage in Trier hat die derzeitigen Probleme des FCS auf den Punkt gebracht: Konzeptlosigkeit, Ideenlosigkeit, Formschwächen und hängende Köpfe. Das zieht sich nun schon durch das gesamte Jahr 2015, obwohl im Winter in einem kostenintensiven Trainingslager eigentlich ideale Bedingungen geschaffen werden sollten. Der FCS steht derzeit einem weiteren Jahr in der Regionalliga deutlich näher als einem Wiederaufstieg.

Ein weiteres Jahr Regionalliga könnte den Verein indes sehr hart treffen. Durch den geplanten Stadionumbau steht ein Umzug nach Elversberg bevor. Zahlreiche Fans und Mitglieder werden nicht alle zwei Wochen in die ungeliebte Ursapharmarena reisen, um dort Duelle mit Neckarelz oder Walldorf zu sehen. Drittligaspiele in Elversberg sind notfalls zu verkraften, Regionalligaspiele eher nicht. Der 1. FC Saarbrücken stünde vor dem Schicksal, das vor ihm andere saarländische Traditionsvereine wie Borussia Neunkirchen oder den FC Homburg ereilten: Der Abfall in die völlige Bedeutungslosigkeit.

Die einzige kleine Chance läge in einer kompletten Neustrukturierung des Vereins, auf allen Ebenen. Neues Präsidium, neuer Aufsichtsrat, neues Trainerteam, neue Mannschaft. Ein solcher Kurswechsel würde weitere Jahre in der Regionalliga bedeuten, Zuschauerschwund mit inbegriffen.

In unserer derzeitigen Situation würde ein Scheitern der Aufstiegsbemühungen den Verein härter sogar treffen als 2008, als man in der Oberliga bei dem Versuch scheiterte, direkt wieder in die Regionalliga aufzusteigen. Damals konnte in der Folge mit einem neu formierten, jungen Team unter Trainer und Vereinsidol Dieter Ferner neue Aufbruchstimmung erzeugt werden. Hartmut Ostermann zog sich scheinbar zurück und die verletzte Fanseele ließ sich auf einen Neuanfang ein. Doch wohin der Neuanfang führte, zeigt sich derzeit: In die erneute Abhängigkeit von Hartmut Ostermann. Und zurück in die sportlichen Niederungen der Regionalliga. Deshalb würde im Falle eines weiteren Regionalligajahres ein Neuanfang mit erheblich mehr Skepsis gesehen werden, als noch vor sieben Jahren. Wer sich darauf einlassen würde, ist ungewiss. Heimspiele in Elversberg könnten einen rasanten Einbruch der Zuschauerzahlen mit sich bringen, von den Zahlen, die die SVE ins Stadion lockt, wäre man vermutlich nicht mehr weit entfernt.

Es ist die Angst, die aus den bisher geschriebenen Zeilen heraussticht. Die Angst vor dem, was ich bis zum vergangenen Samstag erfolgreich verdrängt habe: Dass ein Scheitern im Kampf um den Aufstieg möglich ist. Das Spiel gegen Trier hat endgültig gezeigt, wie realistisch diese Angst derzeit ist. Mag sein, dass der 1. FC Saarbrücken auch einen weiteren Nackenschlag verkraften würde. Doch die Anzahl der Nackenschläge in den vergangenen zwanzig Jahren wird immer bedenklicher. Darum mein Appell:

Lieber Trainer, liebe Mannschaft!

Am kommenden Samstag in Offenbach steht ein entscheidendes Spiel dieser Saison an. Ihr trefft auf den unangefochtenen Tabellenführer, die beste Mannschaft dieser Liga. Es wird eines der wenigen echten Auswärtsspiele dieser Saison werden, trotzdem könnt ihr auf zahlreiche Unterstützung bauen. Was ihr in den letzten Wochen geliefert habt, war nicht genug. Ich hoffe, das ist euch bewusst. Trotzdem ist die Saison noch nicht gelaufen. Ihr bekommt am Samstag eine weitere, vermutlich die letzte Chance, das Ruder herumzureißen. Ein Sieg, und die schwachen Leistungen zuvor sind vergessen. Eigentlich habt ihr nichts zu verlieren, an den Aufstieg glauben derzeit sowieso nur noch die gröbsten Optimisten. Also zeigt endlich wieder, was in euch steckt und kämpft für die Zukunft dieses Vereins! Nicht weniger steht auf dem Spiel. Um es pathetisch auszudrücken: Das Schicksal des 1. FC Saarbrücken liegt in eurer Hand.

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