Die Essenz des Fußballs

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Tempofußball, verhängnisvolle Ballverluste, Drama, unbändige Freude: Der gestrige Fußballabend bot alles, was das allgemeine Fanherz begehrt. Und das nicht im Camp Nou, sondern auf der Husterhöhe. Dort ist „die Klub“ beheimatet, die FK Pirmasens. Gut 2000 Saarbrücker entschieden sich gegen das Champions League-Halbfinale und für ein auf den ersten Blick trist anmutendes Regionalligaspiel. Doch der erste Blick täuscht eben.

Für den Favoriten aus Saarbrücken ging es um viel: Es ging um die erst wenige Tage zuvor herausgespielte Ausgangsposition im Kampf um einen Platz in der Aufstiegsrelegation. Es ging um die gute Stimmung im Umfeld, die bei einer Niederlage wie eine Seifenblase zerplatzt wäre. Es ging um das eigene Selbstverständnis, das Pirmasens bei allem Respekt nicht als Gegner auf Augenhöhe betrachtet. Es ging darum, den anwesenden Fans zu beweisen, dass sie mit der Entscheidung für Pirmasens und gegen Barcelona alles richtig gemacht haben. All das hat die Mannschaft mehr als erreicht.

Auch für Pirmasens ging es um viel. Die FKP steckt noch tief im Abstiegskampf, muss auf Mainz II und Großaspach in der dritten Liga schauen. Steigen die ab, steigt auch Pirmasens Stand jetzt ab. Trotz einer bis dato ganz starken Rückrunde droht der bittere Gang in die Oberliga. Dementsprechend trat das Team dann an. Mutig, offensiv, stellenweise begeisternd. Sommer, Auer und Gerlinger spielten den FCS ein ums andere Mal schwindlig und scheiterten nur denkbar knapp. Zuerst war der Pfosten zur Stelle, dann David Hohs. Wenn man Spitzenreiter Offenbach mal ausnimmt, zeigte Pirmasens gestern von allen Gegnern dieser Regionalliga offensiv die beste Leistung gegen den FCS.

Folgerichtig trafen die Pfälzer dann auch irgendwann das Tor. Zwar hatte Kapitän Jan Fiesser Saarbrücken schon früh in Führung gebracht, doch Pirmasens konnte das Spiel drehen und scheinbar für sich entscheiden. In der 87. Minute stand es 2:1 für die Heimmannschaft, unter den FCS-Fans machte sich Angst breit. Wird es jetzt doch nochmal spannend? Elversberg wird doch wohl die ausstehenden drei Spiele gewinnen. Ist der FCS damit schon wieder raus aus dem Aufstiegsrennen?

Nein, ist er nicht. Er ist voll dabei, mehr als je zuvor in dieser Saison. Denn er zeigte eine außergewöhnliche Moral, wollte diesen Sieg unbedingt. Angepeitscht von immer euphorischeren Fans erzielten die Helden des 6. Mai 2015 drei Tore in fünf Minuten, stießen die Tür zur Relegation damit noch weiter auf. Angetrieben vom einmal mehr überragenden Marco Meyerhöfer, vom unermüdlich rackernden Sven Sökler, vom alles reinwerfenden Matthew Taylor. Sie stehen stellvertretend für eine Mannschaft, die gestern nicht nur überzeugte, sie elektrisierte. Sie sorgte für ein lange nicht mehr gespürtes Glücksgefühl bei FCS-Spielen.

Gestern hat jeder Anwesende gespürt, was Fußball ausmacht. Warum Millionen Menschen Woche für Woche ins Stadion pilgern, um ihre Mannschaft anzufeuern. Dafür nehmen wir Auswärtsfahrten auf uns, dafür leben wir diesen Sport. Danke Jungs!

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