Ein Unikat, dass fehlen wird

Was er dieser Stadt gab ist mehr als das, was sie von Politikern bekam.“ – Brendan Rogers

Die Stadt, sie heißt Liverpool. Eine Hafenstadt im Nordwesten Englands, fast 500000 Einwohner. Liverpool ist mit vielen bedeutenden Menschen verknüpft, die Beatles beispielsweise starteten von dort aus ihre unbeschreibliche Karriere. Und dann ist da noch Steven Gerrard, Sohn der Stadt und mit ihr verbunden wie nur wenige vor ihm.

Gerrard ist Fußballer, englischer Fußballer. Er gehörte im ersten Jahrzehnt der Zweitausender zu den prägenden Gestalten auf den Fußballplätzen der Welt. Nicht sein fehlendes Talent, eher seine Nation verhinderten einen Welt- oder Europameistertitel. Nun tritt er nach der Saison ab. Wobei: Eigentlich hängt er noch ein Jahr dran. Sein Weg führt ihn in die USA, wo er die Karriere ausklingen lassen will. Nach 26 Jahren in Liverpool.

Es ist eine im heutigen Fußball fast einzigartige Geschichte: Ein Spieler tritt im jungen Kindesalter in einen Fußballverein ein und verlässt ihn dann bis zum anstehenden Karriereende nicht mehr. Der FC Liverpool ist sein Verein, seit 12 Jahren ist er Kapitän der Reds. Kein anderer Spieler ist so sehr mit einem Verein verknüpft wie Steven Gerrard. Das liegt auch an einer Tragödie, die ihn wie die ganze Stadt mächtig erschütterte. Hillsborough.

Im Jahr 1989, dem Jahr des Mauerfalls, erlitt der Fußball in England seine vielleicht schwerste Verletzung. Er hat sie überlebt, Narben blieben. FA-Cup-Halbfinale, Liverpool tritt an gegen Nottingham Forrest. Fatale Fehler der Polizei führen zu einer Massenpanik, 96 Menschen im Fanblock Liverpools sterben. Darunter der gerade einmal zehnjährige Cousin Gerrards, Jon-Paul Gilhooley.

Es hat sein Verhältnis zur Stadt beeinflusst. In seiner Biographie erklärte er, vor jedem Heimspiel Halt zu machen vor der im Stadion angebrachten Gedenktafel für die Opfer der damaligen Katastrophe. Er spiele auch für seinen Cousin, der heute noch enthusiastisch im Fanblock stehen würde. Dann hätte er die Karriere von Steven miterleben können, nun ist sie ihm gewidmet.

In seiner Karriere durfte Gerrard fantastische Erfolge feiern. Die Champions League hat er gewonnen, genauso wie den FA-Cup. An beiden Siegen hatte er einen überragenden Anteil. Er ging immer voraus, impfte seinen Mitspielern von Spiel zu Spiel den absoluten Siegeswillen ein. Was er den Menschen Liverpools, diesem Volk von fanatischen Fußballfans, gab, ist nicht in Worte zu fassen.

Natürlich wird er wiederkommen. Knapp zwei Jahre Abenteuer in den Staaten stehen bevor, dann führt ihn sein Weg zurück in den Nordwesten Englands. Er wird in den Verein eingebunden werden, weiterhin eine tragende Rolle spielen. Sportlich, vermutlich im Trainerstab, und als Identifikationsfigur. Ihn wird man nicht vergessen. Und dank ihm auch die Opfer von 1989 nicht.

You’ll never walk alone, Stevie!

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