Der neue Ludwigspark

Es wird viel geredet dieser Tage rund um das Heimatstadion des 1. FC Saarbrücken, den altehrwürdigen Ludwigspark. Es ist das größte Stadion im Saarland, das geschichtsträchtigste und für viele auch das schönste. Leider hat es seinen Zenit überschritten und muss grundlegend erneuert werden. Nicht zuletzt strenge Auflagen des DFB sorgen dafür, dass professioneller Fußball im Saarland mit den momentanen Gegebenheiten fast nicht mehr möglich, zumindest aber erheblich verkompliziert ist.

Die Stadtratsfraktion der SPD lud am heutigen Nachmittag zu einer Begehung des Ludwigsparks. Dabei informierten Jens Düwel von der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) und Tony Bender, Leiter des Sport- und Bäderamtes der Stadt Saarbrücken, die Anwesenden ausführlich über den aktuellen Stand der Planungen.

In den im Umfeld regelmäßig geführten Diskussionen geht es zum Beispiel um den Baubeginn. Die vorherrschende Meinung im FCS-Umfeld ist nach wie vor, dass nach der laufenden Saison die Umbauten beginnen. Der D-Block wurde bereits offiziell verabschiedet, nicht wenige sprechen vor dem morgigen Relegationsspiel gegen Würzburg vom letzten Heimspiel im Park. Doch das ist definitiv falsch, und laut Verantwortlichen auch nie so kommuniziert worden.

Blick durch das bald nicht mehr vorhandene Marathontor ins Stadion hinein.
Blick durch das bald nicht mehr vorhandene Marathontor ins Stadion hinein.

Der Plan sieht vor, zuerst das Marathontor von den Blöcken A2 und F2 an abzureißen. Bei idealem Planungsverlauf soll das auch noch in diesem Jahr beginnen, allerdings während dem laufenden Spielbetrieb. Dieser muss erst eingestellt werden, wenn es an den Neubau beziehungsweise Abriss der Haupttribüne geht.

Die alte Haupttribüne
Die alte Haupttribüne

Weil Funktionsräume fehlen, ist ein Umzug unausweichlich.

Umkleidekabine mit nur durch Fenster getrennter Verbindung zum Fanbereich.
Umkleidekabine mit nur durch Fenster getrennter Verbindung zum Fanbereich.
Technische Ausstattung des Presseraums
Technische Ausstattung des Presseraums

Dahingehende Gerüchte, der Verein würde sich an den Mehrkosten beteiligen und deshalb über die komplette Umbauzeit hinweg im Ludwigspark spielen können, entspringen dem Land der Fantasie. Von Seiten der Stadt ist eine solche Lösung nicht angedacht.

Noch einmal zu den bekannten Fakten der Planung: Drei neue Tribünen sollen her, nur die Gegengerade bleibt weitestgehend erhalten.

Die Gegengerade, die größtenteils erhalten bleiben wird.
Die Gegengerade, die größtenteils erhalten bleiben wird.
Gerümpel unter der Victor's Tribüne, unter anderem zwei Strandkörbe.
Gerümpel unter der Victor’s Tribüne, unter anderem zwei Strandkörbe.

Die neue Haupttribüne wird etwa 10 Meter vom Feld entfernt stehen, die beiden Hintertortribünen zwischen sieben und zehn Metern. Es gilt abzuwägen, wie viel Platz vor allem in höheren Ligen Planen, Banden und Fotographen einnehmen werden. Dabei wird die Tribüne in Richtung der Saarlandhalle eine reine Stehplatztribüne für die FCS-Fans. Das Ziel ist, dort alle Fangruppierungen, derzeit noch überall im Stadion verstreut, zu vereinen und eine möglichst gute Stimmung entstehen zu lassen. Peter Bauer, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und Projektleiter der städtischen Projektgesellschaft zum Stadionumbau, spricht in diesem Zusammenhang von einer blau-schwarzen Wand nach Dortmunder Vorbild.

Ein Ausblick, der erhalten bleiben soll: über die neue Tribüne hinweg soll der Platz weiterhin zu sehen sein.
Ein Ausblick, der erhalten bleiben soll: über die neue Tribüne hinweg soll der Platz weiterhin zu sehen sein.

Die gegenüberliegende Hintertortribüne wird größtenteils den Gästefans vorbehalten bleiben. Ein Stehplatzbereich und daneben ein Block mit Sitzplätzen für die Gästefans, die über einen separaten Eingang besetzt werden, sind geplant.

Ehemaliges VIP-Zelt an der Stelle, die in Zukunft als Zugangsfläche zur Hintertortribüne genutzt werden soll.
Ehemaliges VIP-Zelt an der Stelle, die in Zukunft als Zugangsfläche zur Hintertortribüne genutzt werden soll.

Außerdem soll ein kleiner Teil der Tribüne FCS-Fans beheimaten. Ob dieser allerdings bei Risikospielen besetzt wird, ist eher fraglich.

Die altehrwürdige Anzeigetafel, Vereinseigentum und damit hoffentlich auch in Zukunft weiter dabei.
Die altehrwürdige Anzeigetafel, Vereinseigentum und damit hoffentlich auch in Zukunft weiter dabei.

Gewichtigster Teil der Planungen stellt die neue Haupttribüne und deren Inneres dar. Spielerkabinen, die vom Fanbereich aus durch Fenster eingesehen werden können, sollen bald der Vergangenheit angehören. Zehn Logen sind geplant, um den Ludwigspark auch für finanziell potentere Gäste attraktiver machen sollen. Der Zugang zum neuen VIP-Bereich soll weiterhin über eine Brücke geregelt sein, Alle anderen Bereiche der Haupttribüne werden über seitliche Eingänge bedient.

So soll auch gewährleistet sein, dass das Stadion komplett umfahrbar ist. Das ist sicherheitstechnisch notwendig. Die Ränge werden in Zukunft auf das Höhenniveau von D- und F-Block abgesenkt, die Eingänge zu den Blöcken bleiben grundsätzlich bestehen. Die neue Fantribüne des FCS wird von oben betreten, die Gästetribüne von unten.

Ob sich an der Gegengeraden besonders viel ändern wird, ist derzeit mehr als fraglich. Die Victor’s Tribüne ist der modernste Part des Ludwigspark und soll weitestgehend erhalten bleiben. Der finanzielle Spielraum lässt schlicht keine Änderungen zu. Sollte letzten Endes tatsächlich noch ein Teil des Budgets übrigbleiben, würde der in die Gegentribüne investiert. Doch wer an aktuelle Beispiele saarländischer Bauprojekte denkt, wird wenig Hoffnung haben, dass von einem so geringen Etat wirklich etwas übrig bleibt.

Blick vom Gästebereich ins Stadion hinein
Blick vom Gästebereich ins Stadion hinein

Einzige größere Änderung wird damit in diesem Bereich die Vortribüne sein. Hier sollen die Sitzbänke entfernt und ein neuer Stehplatzbereich geschaffen werden. Grund laut Jens Düwel, dass dort der einzige unüberdachte Bereich im neuen Ludwigspark sei. Stehplätze sind unter dieser Prämisse eher zu vermarkten als Sitzplätze.

Die Blöcke D1, C1, F1 und A1 werden erhalten bleiben, vorerst aber nicht genutzt werden. Sie stellen die erste Ausbaustufe von 18000 auf 22000 Zuschauer dar, die das umgebaute Stadion fassen soll. Akut werden Gedanken um eine Ausweitung aber erst bei nachhaltigem sportlichen Erfolg und damit einhergehend regerem Zuschauerinteresse.

Der Einbau einer Rasenheizung soll vorerst vorbereitet, aber erst bei unmittelbarem Zwang durch die Statuten des DFB umgesetzt werden. Noch ist in der 3. Liga eine solche Vorrichtung keine Pflicht, und weil der Betrieb einer Rasenheizung viel Geld verschlingt, möchte man den Einbau so lange wie möglich hinauszögern. Auch das ist eine unmittelbare Folge des äußerst knapp bemessenen Budgets für die Sanierung. Die Flutlichtmasten sollen erhalten bleiben, durch die neuen Tribünen entstehende Schattenflächen mit zusätzlichen Strahlern an den Tribünendächern ausgeglichen werden.

Die Voraussetzungen sind stramm, sowohl aus finanzieller als auch aus zeitlicher Sicht. Ob Finanzierungs- und Zeitplan eingehalten werden, ist völlig offen. Die Planungen laufen, die Gegebenheiten werfen immer wieder neue Herausforderungen auf. So verläuft beispielsweise ein natürlicher Bach unter dem Stadion hindurch, der bei neuen Planungen bedacht werden muss. Die FCS-Fans dürfen sich aber zumindest in einem Punkt sicher sein: Es bewegt sich etwas rund um unser in die Jahre gekommenes Stadion und die kommende Hinrunde wird in jedem Fall noch im Ludwigspark gespielt werden. Noch muss sich also niemand vom D-Block oder anderen Bereichen im Stadion verabschieden.

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