Die völlige Leere

‚Es hat nicht sollen sein.‘ 

Keine der geläufigen Phrasen nach einer Niederlage trifft wohl besser den Kern dessen, was sich vorgestern in der Flyeralarm-Arena am Dallenberg zu Würzburg abgespielt hat. Eine Tragödie besonders großen Ausmaßes, die eine desillusionierte, ratlose Fangemeinde zurücklässt. Leere Blicke im Fanblock, Tränen auf dem Rasen. Das war das Bild, dass sich jedem bot, der gestern gegen 16:30 Uhr den Blick auf den Gästebereich im Stadion richtete. Dort wurde nach Schlusspfiff gemeinsam getrauert, aber auch gemeinsam Hoffnung geschöpft. Es waren Momente, die in Erinnerung bleiben werden.

Doch nicht nur diese Bilder haben sich eingebrannt. Es sind zu diesem Zeitpunkt vor allem Szenen aus dem vorangegangenen Spiel, die im Kopf vieler herumspuken. Felix Luz, der zum Fallrückzieher ansetzt. Knapp übers Tor. Dennis Wegner, nach einem Eckstoß zieht er von der Strafraumkante aus ab. Robert Wulnikowski hält. Alexandre Mendy, schon im Strafraum, schießt. Übers Tor. Das Spiel hätte entschieden sein können, schon vor dem Elfmeterschießen. Es hat nicht sollen sein.

Doch wer ehrlich ist, muss anerkennen, dass auch Würzburg in diesem Spiel seine Chancen hatte. Kurz nach der Halbzeit trifft ein Distanzschuss der Franken nur den Innenpfosten und springt von dort aus am Tor vorbei ins Seitenaus. Später liegt der Ball im Tor, doch das Schiedsrichtergespann gibt den Treffer nicht. Der Grund: Eine Abseitsstellung des vermeidlichen Torschützen.

Und beim Thema aberkannte Treffer klingelt es in Saarbrücker Ohren: Im Hinspiel hatte Peter Chrappan kurz vor Schluss den Ausgleich für den FCS erzielt, Schiedsrichter Sven Jablonski gab den Treffer auf Geheiß seines Linienrichters nicht. Ein Tor, das am Ende zum Aufstieg gefehlt hat.

So kam es zum Elfmeterschießen. Es sollte das Ende eines an Dramatik nicht zu überbietenden Relegationsduells werden. Und Saarbrücken schien die Nase vorn zu haben. Den zweiten Würzburger Schuss pariert Torhüter David Hohs, der FCS damit mit den besseren Karten. Bis zum vierten Schuss. Felix Luz läuft an, will Robert Wulnikowski ausgucken, zögert einen Tick zu lange, steht dann schlecht zum Ball. Ein Aufprall, es ist der Pfosten. Der Ball springt zurück ins Feld. Würzburg kann ausgleichen. Und damit liegen die Nerven endgültig flach. Fünf Schüsse bringen keine Entscheidung, von nun an entscheidet jeder Antritt über Sieg oder Niederlage, über grenzenlosen Jubel oder heillose Enttäuschung, über Profifußball oder Amateursportplätze. Der FCS muss dabei jedes Mal nachziehen, spürt also bei jedem Antritt den im Fußball größtmöglichen Druck auf den eigenen Schultern. Christian Sauter hält dem noch stand, wenn auch Wulnikowski die Ecke bereits ahnt. Die Würzburger unterdessen scheinen mit jedem Schuss sicherer zu werden. Und dann tritt Daniel Döringer an. Er nimmt seinen linken Fuß. Zielt ins rechte untere Eck. Und der großgewachsene Torhüter des FWK riecht den Braten. Er taucht ab, verhindert das Tor, entscheidet das Spiel. Und reißt Saarbrücken auf die denkbar brutalste aller Art und Weisen ins Nichts.

‚Scheiß egal, denn wir kommen wieder.‘

Es ist ein Bild mit Symbolcharakter: Aus dem Würzburger Fanblock steigt roter Nebel, der sich über dem Platz ausbreitet. Eine riesige Kette voller Polizisten reiht sich vor dem Saarbrücker Bereich auf. Und einzeln treten die FCS-Spieler mit Tränen in den Augen durch dieses Spalier hindurch, tauchen auf aus dem roten Nebel. Vereint applaudieren die Anhänger, spenden Trost im bittersten Moment dieser Saison. Denn alle wissen: Dieses Scheitern hat niemand der Anwesenden verdient. Es sind Bilder, die Hoffnung versprühen: Dennis Wegner schnappt sich mit beinahe trotzigem Blick einen FCS-Schal, die übrigen Spieler erheben sich auf Geheiß der Anhänger vom Rasen.

‚Steht auf, wenn ihr Saarbrücker seid.‘

Es wird weitergehen. Die Regionalliga schmerzt, der Aufstiegsmodus noch mehr. Selbst eine famose nächste Saison würde den Aufstieg nicht garantieren, wieder müsste man in diesen vermaledeiten Aufstiegsspielen ran. Zuvor warten Mannschaften aus Spielberg oder Steinbach. Doch daran sollte nun zumindest die Anhängerschaft keine Gedanken verschwenden. Der FCS kann sich erhobenen Hauptes in die Sommerpause verabschieden, auch wenn sportlich am Ende nichts übrig bleibt aus diesem Jahr mit vielen Höhepunkten. Da waren Auswärtsspiele in Pirmasens oder Mannheim, die Spaß gemacht haben. Ein Heimsieg gegen Homburg, fast die komplette Spielzeit über in Unterzahl. Jetzt heißt es erst einmal: durchatmen. Den Fußball hintenan stellen. Kraft tanken für eine neue Saison in der es wieder heißt: Raus aus dieser Liga!

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