Im Rückstand

am

Genau eine Woche alt ist die Vorbereitung auf die neue Saison beim 1. FC Saarbrücken nun, und weiterhin ist großes Rätselraten angesagt: Wer wird neuer Trainer des Vereins, welche neuen Spieler werden die Mannschaft mit Blick auf die anstehende Saison verstärken? Ein buntes Portfolio an Namen bezüglich der zu besetzenden Trainerstelle kursiert im Umfeld, immer wieder scheinen sich Gerüchte auf einzelne Personen zu verdichten. Beim Verein jedoch hält man dicht und äußert sich nicht zu Personalspekulationen – ein Fortschritt im Hinblick auf vergangene Trainerwechsel. Dass unter der laufenden Woche der neue starke Mann an der Seitenlinie vorgestellt wird gilt als sicher und ist auch absolut notwendig: Zeit zu verlieren hat der FCS nämlich definitiv nicht. 

Sollte wie prognostiziert am 1. Juli der neue Trainer vorgestellt werden, bleibt nicht einmal ein Monat bis zum Startschuss der neuen Saison. Notwendige Neuverpflichtungen müssen dann zunächst gefunden und dann in die Mannschaft integriert werden – ein schwieriges Unterfangen. Denn der große Pluspunkt, den man aus der vergangenen Saison hätte mitnehmen können, hat sich mit dem Abgang Fuat Kilics verflüchtigt: Die Eingespieltheit der Mannschaft. Sie hatte Kickers Offenbach im vergangenen Jahr ganz nach oben geführt. Nach einem eher nüchtern verlaufenen ersten Regionalligajahr mit Rang neun in der Endplatzierung setzte der OFC auch im Folgejahr auf Mannschaft und Trainer und wurde überlegener Meister der Regionalliga Südwest. Zum Aufstieg reichte es trotzdem nicht.

Der FCS also wird sich neu finden müssen, und das in Rekordtempo. Zahlreiche Spieler fehlen verletzt, mitunter auch über den Saisonstart hinaus. Der Rest wird sich an ein neues Spielsystem gewöhnen müssen. Denn genau das wird von allen Seiten gefordert: Endlich wieder attraktiveren Fußball. Und wie schnell die Eingewöhnung vonstatten gehen muss, zeigt ein Blick auf die Konkurrenz. Dort wird heftig aufgerüstet, mehrere Mannschaften bringen sich in Stellung und haben sich bereits einen nicht zu verachtenden Vorsprung gegenüber dem FCS erarbeitet.

Offenbach konnte den ganz großen Aderlass vermeiden und setzt nun zur erneuten Qualifikation für die Relegation an, Elversberg will nach dem enttäuschend abgeschlossenen Vorjahr nun mit noch mehr Einsatz den Sprung nach oben schaffen. Neutrainer Michael Wiesinger gilt als talentierter, junger Coach, der auf zielstrebige Offensivaktionen ohne viel Schnörkel setzt. Gemeinsam mit dem Ex-Saarbrücker Benedikt Fernandez im Tor wird er den Kampf um die ersten beiden Tabellenplätze angehen. Hinzu kommt der FC Homburg, der seine  wichtigsten Leistungsträger, allen voran Patrick Schmidt, halten konnte und noch dazu drei der talentiertesten Saarbrücker A-Jugendlichen des letzten Jahres verpflichten konnte. Punktuell verstärkt und dank starkem Mannschaftsgefüge könnte der FCH in der kommenden Saison eine entscheidende Rolle in der Regionalliga Südwest spielen.

Und mit diesen drei ambitionierten Konkurrenten ist es für den FCS noch nicht getan. Waldhof Mannheim könnte zum großen Geheimfavoriten werden, wenn sich die Wünsche der sportlich Verantwortlichen in die Tat umsetzen. Mit Michael Fink und Hanno Balitsch wurden zwei aus oberen Ligen bekannte Mittelfeldspieler an den Neckar gelotzt, die vor allem dank ihrer Erfahrung das Mannheimer Spiel enorm prägen könnten. Dazu hat sicherlich auch Jannik Sommer das Potential, vor kurzem aus Pirmasens verpflichtet. Auch der FCS war am Flügelspieler interessiert, Sommer entschied sich für Mannheim.

Und auch andere Mannschaften könnten mit einer außerordentlich guten Saison in Spitzenbereiche der Liga vorstoßen – trotz der finanziellen Vormachtstellung Saarbrückens, Elversbergs, Offenbachs und auch Homburgs. Immer für eine Überraschung gut sind die Zweitvertretungen der höherklassig spielenden Teams, in der nächsten Saison wohl vor allem die der TSG Hoffenheim. Und auch Mannschaften wie Kassel oder Worms sind zumindest in der Lage, dem 1. FC Saarbrücken ein Bein zu stellen.

Was heißt das also für den FCS? Nun, er hat Rückstand. Im kommenden Monat muss mit neuem Trainer und möglichst bald auch mit neuen Spielern unter Hochdruck gearbeitet werden, um zum Saisonstart einigermaßen bereit zu sein. Bereit für Duelle auf Augenhöhe mit direkten Konkurrenten, aus denen erheblich mehr Punkte geholt werden müssen als im vergangenen Jahr. Und bereit für Spiele gegen unterlegene Gegner, die entsprechend deutlich gewonnen werden müssen. Es geht um die Zukunft, es geht um das Gesamtbild 1. FC Saarbrücken. Der Umzug nach Elversberg wird Zuschauer kosten, einzig überzeugende sportliche Leistungen werden die Besuchszahlen in einem einigermaßen erträglichen Rahmen halten. Ein Aufstieg ist beinahe alternativlos, denn mehrere Jahre Regionalliga in der ungeliebten Ursapharm-Arena zu Elversberg könnten dem FCS tatsächlich das Genick brechen. Selten war die Zahl ungünstiger Umstände so hoch wie derzeit.

Was denkst Du? Lass es uns wissen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.