Kernig ins Präsidium

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Florian Kern, 25-jähriger Lehramtsstudent aus Saarbrücken, ist neuer Vizepräsident des 1. FC Saarbrücken. Die für viele überraschende Nachricht verbreitete sich am frühen gestrigen Abend wie ein Lauffeuer durch die Fangemeinde des FCS. Das FCSBlog 2.0, in enger Verbindung zu Kern stehend, veröffentlichte die Meldung exklusiv. Überraschung wich schnell Unmutsäußerungen, Kern hatte schon länger die Rolle des vom Präsidium handzahm gemachten Fanvertreters inne.

Die Geschichte von Kerns Imageverlust beginnt lange vor der gestrigen Aufsichtsratssitzung, der auch das Präsidium beiwohnte. Den ersten wirklichen Aufschrei hatte es bereits Ende des vergangenen Jahres gegeben. Kern warb für eine Fan- und Förderabteilung im Verein, wollte in diesem Zusammenhang die Satzung insofern demokratisieren, dass in Zukunft nicht mehr allein dem Präsidium das Recht erliegt, Abteilungen innerhalb des 1. FC Saarbrücken zu eröffnen. Diese Satzungsänderung zog er jedoch zurück, weil er sich mit dem damaligen Vizepräsidenten Sebastian Pini und Vereinsboss Hartmut Ostermann im konstruktiven Gespräch schon im Vorhinein auf die Fan- und Förderabteilung geeinigt habe. Das stieß einigen übel auf, wäre die Satzungsänderung doch ganz unabhängig von Kerns Vorhaben eine zumindest abstimmenswerte Option für mehr Demokratie in der Zukunft gewesen.

Doch ein anderer Zusammenhang erregte die Fangemüter in noch größerem Maße. Kern, als Hoffnungsträger der Fans 2013 in den Aufsichtsrat gewählt, bis dahin aber noch nicht wirklich in Erscheinung getreten, hatte für die Ernennung Sebastian Pinis zum Vizepräsidenten gestimmt. Pini war schon damals höchst umstritten und sorgte dann mit dem Pini-Gate für einen der größten FCS-Skandale in der jüngeren Vergangenheit. Von einem faulen Kuhhandel war die Rede.

Der Wahl ins Kontrollgremium des Vereins ging eine groß angelegte Werbekampagne voraus. Florian Kern trat mit dem Slogan „Kernig in den Aufsichtsrat“ in Erscheinung, ließ Flyer drucken und inszenierte sich auf mehreren öffentlichen Plattformen als ambitionierter Reformer. Viel erreicht hat er bisher nicht, seinen Ankündigungen sind wenig Resultate gefolgt. Eigenen Aussagen zufolge hat er nun als Vizepräsident die Möglichkeit, das zu ändern. Über Zweifel darf er sich dabei aber nicht beschweren, Kern ist spätestens jetzt in der Bringschuld. Seine Position hat sich in der Realität allerdings nur marginal verbessert. Er ist weiterhin auf die Zustimmung Hartmut Ostermanns oder Dieter Wellers angewiesen, um seine Ideen umsetzen zu können. Alleine hat seine Stimme im dreiköpfigen Gremium keinerlei Bedeutung.

Bleibt die Frage, was FCS-Präsident Hartmut Ostermann mit der Berufung Kerns bezweckt. Er war auf den 25-jährigen zugegangen und hatte ihm das Amt Kern zufolge angeboten. Dass der angehende Lehrer aufgrund wirtschaftlicher oder sportlicher Beziehungen ins Amt rückte, ist auszuschließen. Eigentlich bietet sich vor allem eine plausible Lösung an, nämlich die Beruhigung der aufgewühlten Fanszene. Nach dem Schuss in den Ofen mit dem zu Ostermanns Umfeld zählenden Sebastian Pini ist Kern nun jemand, der bislang eher dem gegenteiligen Lager zugeordnet wurde. Mit Kern bekommt ein Mann aus dem Fanvolk vermeidlich (faktisch wie oben beschrieben nur bedingt) mehr Einfluss im Verein. Ostermann könnte in Zeiten sich positionierender „Oppositionen“ das Ziel gehabt haben, ein Zeichen für seine Reformwilligkeit zu setzen. Inwieweit diese tatsächlich vorhanden ist, bleibt aber weiter offen. Die große Revolution ist ein Fanvertreter im Präsidium, der dort alleine rein gar nichts durchsetzen kann, nicht. Die Situation verdeutlicht eher, wie wenig ein Vizepräsident beim 1. FC Saarbrücken zu entscheiden hat.

Sollte es der Plan Ostermanns gewesen sein, die Fanszene zu beruhigen, dann ist sein Vorhaben bereits jetzt grandios gescheitert. Stattdessen hat er eher Florian Kern den Haien zum Fraß vorgeworfen, seine Anerkennung innerhalb des Umfelds ist an einem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Vorwürfe der Selbstdarstellung, der Käuflichkeit werden laut. Mit 3:2 Stimmen war Florian Kern vom Aufsichtsrat zum Vizepräsidenten gewählt worden. Der FCS kommt weiter nicht zur Ruhe.

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