Öffentlich nicht existent

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In diesen Tagen sammeln sich anlässlich des Altstadtfestes in Saarbrücken ganze Menschenmassen, um gemeinsam zu feiern und eine schöne Zeit zu erleben. Sie trinken Bier, Wein, Bowle oder Cocktails und schlemmen an den verschiedenen Ständen wahlweise Dibbelabbes, Crêpes oder einen Schwenker im halben Weck. Saarländische Kultur wird gelebt. Zu dieser Kultur gehört dem eigenen Anspruch nach auch der 1. FC Saarbrücken, für viele der Fußballverein im Saarland, zumindest aber in der Stadt Saarbrücken. Doch seit Jahren wird in Sachen Außendarstellung kaum ein Finger gekrümmt, um das eigene Bild positiver zu machen. Stattdessen werden abgedroschene Phrasen bemüht: „Entweder man liebt oder man hasst den FCS“ oder „Das Saarland ist voller FC-Hasser“ beschreiben für viele ausreichend das Verhältnis des traditionsreichen Fußballvereins aus Malstatt zu seiner geographischen Heimat.

Es mag etwas dran sein an den genannten Phrasen, doch dann ist es umso schlimmer, dass von Seiten des Vereins so gut wie nichts dafür getan wird, die eigenen Beliebtheitswerte zu steigern. Das Problem ist nicht neu, es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder angeprangert. Kleine Schritte nach vorne sind durchaus geschehen, beispielsweise kleine Plakataktionen oder die in dieser Vorbereitung praktizierte Idee, Vorbereitungsspiele vor allem auf kleinen Sportplätzen in der saarländischen Peripherie auszutragen. Dass das längst nicht reicht, zeigt eindrucksvoll ein Blick auf den verhassten Konkurrenten 1. FC Kaiserslautern aus der Pfalz: Dort ist der Saarländer Stefan Kuntz Vorstandsvorsitzender, und er hat dafür gesorgt, dass der FCK selbst im eigentlich tiefsten FCS-Land, im Zentrum Saarbrückens, allgegenwärtig ist. Ein kleiner Fanshop in der Katholisch-Kirch-Straße, dazu eine Kooperation mit dem Sportbekleidungshändler Sport Fleck, damit ist die Präsenz des FCS in der Heimat auch schon aufgezählt.

Und damit sind wir wieder beim gerade laufenden Altstadtfest. Dort ist der SV Saar 05, mittlerweile Ligakonkurrent des FCS, regelmäßig mit einem Getränkestand, dieses Jahr sogar mit einem kleinen Soccerfeld, am Start. Der FCS, keine Überraschung, nicht. Es wäre so einfach: Einen Stand anmelden und eröffnen, fleißig Getränke verkaufen, vielleicht durch Präsenz des ein oder anderen Spielers ergänzt. Der Andrang wäre groß, die Einnahmen könnten in den Ausbau der Jugendabteilung fließen. Die Katholisch-Kirch-Straße könnte in Umgebung des Fanshops einen blau-schwarzen Touch erhalten. Es bliebe in Erinnerung, auch bei dem Fußball nicht unbedingt zugewandten Passanten. Fröhliche Teilnahme an einem der größten Stadtfeste des Jahres würde unmittelbar einen beträchtlichen Imagegewinn bedeuten. Es wäre ein großer Schritt auf dem beschwerlichen Weg, den Ruf des Proletenvereins loszuwerden.

Besonders ärgerlich ist das nun schon Jahre andauernde Vakuum, wenn man in die Vergangenheit blickt: Zu früheren Zeiten war beispielsweise in der fünften Jahreszeit, dem Fasching, die blau-schwarze Nacht als großes Event etabliert, Fußballinteressierte aus der Stadt und Umgebung feierten gemeinsam und unter blau-schwarzen Farben die närrische Zeit. Heute muss der geneigte Fußballfreund schon suchen, um innerhalb Saarbrückens überhaupt etwas vom ansässigen Fußballverein mitzubekommen. Das ist ein Problem, und es müsste schnellstens etwas passieren. Die Zeit wartet nicht auf einen angestaubten Traditionsverein, der sich allein auf seine erfolgreiche Vergangenheit verlässt und in der Gegenwart nicht agiert. Junge Fußballfans zieht es zwangsläufig zur Konkurrenz, wenn der rote Teufel in Saarbrückens Einkaufsmöglichkeiten präsenter ist als der blau-schwarze Löwe. Und dafür ist kein Einzelhändler, kein regionales Medium verantwortlich. Das muss sich der FCS selbst zuschreiben.

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