Auf dem richtigen Weg?

Der 1. FC Saarbrücken ist erfolgreich in die Saison 2015/2016 gestartet. Sieben Spiele sind absolviert, der FCS konnte 17 Punkte erspielen. Mit fünf Siegen, zwei Unentschieden und noch ohne Niederlage sieht die Bilanz positiv aus. Lediglich ein einziges Gegentor fing man sich in den bisherigen Auftritten, und das war auch noch irregulär. Zwar ist die Ausbeute von lediglich zehn eigenen Toren noch ausbaufähig, trotzdem zeigt der FCS große Fortschritte gegenüber der vergangenen Saison. Da wäre zum Beispiel das Spiel in Elversberg, eine der wenigen Begegnungen, die man nicht gewinnen konnte. Gegen den Angstgegner der vergangenen Jahre zeigte sich Saarbrücken über weite Strecken feldüberlegen und ließ sich von gewohnt physisch starken Elversbergern nicht erneut den Schneid abkaufen. Dass es am Ende nicht zu drei Punkten reichte, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Zumindest dann, wenn in den kommenden Spitzenspielen regelmäßig gepunktet wird.

Die sportlich verbesserte Situation gibt auch Präsident Hartmut Ostermann Rückenwind. Der hatte großen Anteil daran, den Kader zusammenhalten zu können und Falko Götz nach Saarbrücken zu locken. Ohne das Geld der Victor’s Unternehmensgruppe wäre das nicht möglich gewesen. So sind Verfehlungen der Vergangenheit (vorerst) in den Hintergrund gerückt. Vor der anstehenden Mitgliederversammlung gegen Ende des Jahres hat sich das Verhältnis zwischen Ostermann und dem Großteil der Anhänger entspannt. Das bietet Chancen: Wenn der Präsident endlich auch langfristig zeigt, dass er etwas an seiner Führung zum Positiven verändern will, geht der FCS gestärkt aus dem Chaos-Jahr 2015 hervor. Es bietet aber auch Gefahren: Sollten in der Zukunft weitere Skandale folgen, könnte das den Verein enorm treffen. Die Pläne des Präsidiums sind undurchsichtig, eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung könnte die Verhältnisse komplett über den Haufen werfen. Nun müssen unbedingt die richtigen Schlüsse gezogen werden. Mit einem Veränderungen aufgeschlossen gegenüber stehenden Präsidenten müssen die Vorschläge von UnserFC umgesetzt werden: Der FCS braucht eine breitere Finanzierungsbasis, muss unabhängiger von Ostermanns Victor’s Unternehmensgruppe werden, sich weiter professionalisieren. Transparenz und ein verbessertes Miteinander müssen angestrebt werden. Kleine Schritte sind bereits getan, größere müssen folgen. Dann könnte der FCS in eine bessere Zukunft blicken. Dazu braucht es aber eben auch den Willen aller Beteiligter, von den unterstützenden Fans über die Reformer von UnserFC bis zum vielleicht wichtigsten Puzzleteil: Hartmut Ostermann. Zum wiederholten Mal hat der Verein die Möglichkeit, seine Zukunft positiv zu gestalten. Leider sind in der jüngeren Vergangenheit alle derartigen Möglichkeiten in den Wind geschossen worden.

Doch zumindest der sportliche Aufwärtstrend ist unabstreitbar. Das lässt sich an verschiedenen Aspekten festmachen:

Die Spielweise

Zurecht wird derzeit die Abschlussschwäche des FCS vor des Gegners Tor kritisiert. Zehn Tore aus sieben Spielen mit vielen hochkarätigen, aber vergebenen Chancen sind zu wenig. Doch wie der FCS sich diese Chancen erspielt, ist vielversprechend. Das Mittelfeld mit Sven Sökler und David Puclin sprüht vor Kreativität, ist ballsicher und vor allem durch Sökler gut organisiert. Jan Fießer absolviert die Rolle des Ausputzers hinter der offensiven Reihe souverän. Matthew Taylor ist in guter Form und geht weite Wege. Wenn diese Spieler fit sind, ist der FCS in der Offensive nur schwer zu stoppen. Gegenüber dem oft unkreativen Spiel aus der Vorsaison ist das ein großer Fortschritt. Und auch die defensive Stabilität ist eindrucksvoll: Der Gegner kommt gegen den FCS bisher kaum zu Chancen.

Das Auftreten im Saarlandpokal

Das FCS-Tor in Saarwellingen: Völlig verwaist
Das FCS-Tor in Saarwellingen: Völlig verwaist

Absolut souverän und unaufgeregt absolvierte der FCS sein Auftaktspiel der diesjährigen Runde im Saarlandpokal. 8:0 gewann man gegen Saarwellingen, ließ in keinster Weise Zweifel am Erfolg aufkommen. Der Auftritt wirkte sehr abgeklärt. Hier muss man aber einschränken: Auch unter Fuat Kilic gewann man im Vorjahr die ersten Runden souverän. Ausgeschieden ist man trotzdem vorzeitig. Der Anfang ist aber gemacht und lässt auf eine erfolgreiche Pokalsaison hoffen.

Die Kaderbreite

Der FCS hat sich im Sommer nochmals verstärkt und nun einen unglaublich breiten Kader zur Verfügung

. Unter der Voraussetzung, dass die verletzten Spieler bald zurückkommen, ist jede Position mindestens doppelt besetzt, und das auf einem für diese Liga unglaublich hohem Niveau. Einzige Schwachstelle: Der Sturm. Zumindest dann, wenn Felix Luz seine Formschwäche nicht bald ablegen kann. Gespannt darf man sein, wie der derzeit verletzte und aus der Jugend nach oben strebende Jens Meyer sich gegenüber den Haudegen Taylor, Okoronkwo und Luz behaupten wird. Potential hat er in jedem Fall.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Spirit sagt:

    Gute Analyse Lukas,
    wobei ich meine, dass HO sich bereits verändert. Er redet u.a. mit der Opposition und ist offen für Vorschläge, auch von anderen im Verein (z.B. Peter Thielges). Er will ja auch selbst die Abhängigkeit von Victors reduzieren. Leider sind die diesbezüglichen Pläne von UnserFC eher Wunschdenken und nicht belastbar, siehe Adidas. Auch sind es mir zu viele Selbstdarsteller (Hinschi, CB, Hach, Pitino) die in meine Augen den FCS benutzen um sich selbst zu präsentieren und beruflich mehr Erfolg zu haben. Oder auch um alte Rechnungen zu begleichen. Ist mir zu egomanisch. HO hat das nicht nötig und ist deshalb auch glaubwürdiger in seinem Engagement für den FC. Aber Du kritisierst ja auch eher seinen Stil. Sicherlich nicht zu unrecht. Die Gruppierung UnserFC sehe ich jedenfalls mit etwas distanziertem Mißtrauen und gerade bei Reformern und Heilsbringern ist erhöhte Vorsicht angesagt. HO ist deshalb gut beraten noch einige Zeit an seinem Führungsanspruch als Präsident fest zu halten und gleichzeitig gute Ideen anderer Gruppierungen aufzugreifen. Und dabei meine ich alle, die einen Weg im Konsens suchen. Wenn dann mal Ruhe eingekehrt ist und alle an einem Strang ziehen, kann er auch wieder ins zweite Glied. Ich schätze ihn so ein, das er das dann auch so will.
    An der Ausgliederung werden wir wohl nicht vorbei kommen und dabei kommt es enorm auf Vertrauen und Transparenz an. Falls Kern diese Aufgabe der Kommunikation offensiv angeht, wäre dies auch auf einem guten Weg. Da bin ich mal gespannt, ob Florian sich profiliert. Als AR war er gut beraten die Dinge ausschließlich intern zu klären, als Vize sollte er Farbe bekennen und Tacheles reden. Natürlich im Konsens mit HO, Weller, Vorstand und AR. Und der AR darf nicht als Gegner von HO auftreten, dann wäre das Chaos total.
    Dann wäre da noch die Baustelle VE. Laut Nussi muss HO vollständig entfernt werden. Das wird noch ne harte Nuss ;), allerdings eher für die VE. Bin mal gespannt, wie sie dir Kurve kriegen. Falls nicht, wird die Kurve zersplittern.
    Sicherich könnte ich jetzt noch Fankultur, PR und Außendarstellung anführen, doch diese Sekundärprobleme lassen sich erst lösen, wenn die primären gelöst sind und Ruhe einkehrt.

    Ach ja, wär schön, wenn auch mal andere mit diskutieren würden. Das Niveau hier hätte es verdient.

    1. Lukas sagt:

      Vielen Dank für die Lorbeeren!

      Klar, extreme Positionen sind in den seltensten Fällen zielführend. „HO muss komplett verschwinden“ ist Unsinn, genauso wie „die Franzosen im E-Block sollen in Forbach bleiben“. Ich will da weder UnserFC noch HO noch Virage bewerten, ich warte einfach auf die Mitgliederversammlung. Wenn dann Karten auf den Tisch gelegt werden, wird man mehr sagen können. Dass bei UnserFC angesichts der Handlungsträger Skepsis angebracht ist, sehe ich grundsätzlich ähnlich. Die Forderungen aber, so allgemein und unkonkret sie sein mögen, sei es ein breiteres Finanzierungsmodell oder mehr Transparenz, sollten unabhängig von Einzelpersonen angegangen werden. Aber andere Forderungen, wie die Wiedereinführung einer U23, halte ich für Quatsch. Wie dem auch sei, in naher Zukunft stehen Entscheidungen an, aber zum derzeitigen Stand ist es vielleicht wirklich am besten, sich als Außenstehender aufs Sportliche zu konzentrieren. Der Rest raubt vor allem Nerven und kommt noch früh genug. Schade nur, dass man Woche für Woche durch den Protest und die folgenden Pfiffe wieder daran erinnert wird.

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