liberté, egalité, fraternité

Wieder ist es Frankreich. Wieder schaut die Welt auf Paris. Wieder herrscht Fassungslosigkeit. Der Terror hat zugeschlagen, vor unserer Haustür. Die Menschen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Die Suche nach Schuldigen beginnt. Angst greift um. Sind wir nun auch gefährdet? Paris, das ist gar nicht weit weg. Was, wenn ich im Bataclan gewesen wäre? Kann man jetzt noch U-Bahn fahren?

Es ist ein Angriff auf unser aller Freiheit. Einer dieser Angriffe, die mittlerweile fast schon alltäglich geworden sind. Die Welt ist voll von Krieg, Terror, Verzweiflung und Leid. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo auf unserem Planeten Menschen fremdverschuldet ihr Leben lassen müssen. Der Terror ist die große Hypothek unserer Zeit. 

Für uns alle ist das Geschehene von besonderer Tragik. In direkter Nachbarschaft, in einem zivilisierten Land der westlichen Welt, in der Stadt der Liebe ist das Böse allgegenwärtig geworden. In Bars wurden Menschen willkürlich ermordet, in Restaurants und auf offener Straße. Es ist die vielleicht brutalste Art des Mordens überhaupt: Völlig sinnlos und ohne jeglichen Grund mussten Menschen ihr Leben lassen. Warum? Weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Wahrscheinlich gehörte es zum Plan der Attentäter: Die ganze Welt sollte bei dem brutalen Irrsinn zuschauen. Deshalb wählte man Paris, deshalb wählte man den 13. November 2015. Ein Fußballspiel sollte Garant dafür sein, dass die Menschheit live am Fernseher Augenzeuge war. Und der Plan ging auf. Mehrere Detonationen waren live zu hören, während auf dem grünen Rasen Fußball gespielt wurde. Weinende Menschen wurden von Kameras festgehalten, als sie im Stadioninneren Sicherheit und Schutz suchten.

Es ist nicht der Zeitpunkt, Schuldige zu suchen. Es ist nicht der Zeitpunkt, Forderungen zu stellen. Es ist absolut nicht der Zeitpunkt, Tote für die eigene Sache zu instrumentalisieren. Natürlich geschieht all das trotzdem. Man kann das verabscheuen, verhindern kann man es nicht. Rechte Politiker werden die Situation ausnutzen wollen, die Gewalt gegenüber muslimischen Flüchtlingen wird weiter steigen. Und der nächste Terrorakt kommt bestimmt. Es ist keine schöne Zukunft, der wir entgegenblicken.

Was uns bleibt, sind unsere selbstgeschaffenen, hart erkämpften und teuer bezahlten Werte. Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit. Im Herzen sind wir vereint. Wir verabscheuen Gewalt und Terror. Wir wollen leben. Wir wollen andere leben lassen. Wir, das sind Deutsche, Franzosen, Syrer, Ägypter oder Spanier. Wir, das sind die Menschen dieses Planeten. Wir, das sind Flüchtlinge genauso wie Angehörige der Toten von Paris. Menschen, die vor Krieg flüchten genauso wie Menschen, deren Leben gerade erst von unbeschreiblichem Terror zerstört wurde. Wir sind frei. Wir sind aus demselben Holz geschnitzt. Und wir sind untrennbar miteinander verbunden. Wir sollten uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen, indem wir uns verurteilen, beschuldigen, ausgrenzen.

Wir sind nicht der Terror. Wir sind keine Monster, keine abgerichteten Killermaschinen. Wir sind keine Attentäter, wir Hoffnungwerden es niemals sein. Und wir sind in der Überzahl. Wir müssen schreckliche Verluste hinnehmen, doch wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken. Dafür steht zu viel auf dem Spiel.

In Frankreich sind unsere Werte groß geworden, in Frankreich stehen sie im Jahr 2015 gleich zweimal vor einer großen Zerreißprobe. Und nun sind wir gefordert. 135 Menschen sind für unsere Werte gestorben. Sie haben ihre Freiheit gelebt und mussten dafür bezahlen. Das dürfen wir nicht ungestraft lassen. Wir dürfen uns nicht einschränken lassen. Unsere Freiheit ist das, was uns mit den Toten verbindet. Nur indem wir weiter für unsere Werte kämpfen, können wir den Opfern den nötigen Respekt zollen. Dazu reicht es nicht, sein Facebook-Profilbild blau-weiß-rot zu färben. Charlie Hebdo hat nicht damit aufgehört, Karikaturen zu zeichnen. Wir dürfen nicht damit aufhören, unser Leben uneingeschränkt zu leben. Für die Toten von Paris. Für die Toten von Mumbai. Für die Toten von Beirut. Für die Toten von Damaskus. Für alle Toten dieser Welt. Wenn die Angst erst einmal unser Handeln bestimmt, hat der Terror gesiegt.

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