Es könnte so einfach sein

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Tristesse, Enttäuschung, Uneinigkeit. Wann immer man sich in der letzten Zeit Gedanken um den Zustand des 1. FC Saarbrücken gemacht hat, kam man an diesen oder an ähnlichen Worten nicht vorbei. Ein Verein am Abgrund, und das nun schon seit vielen Jahren. Sportlich werden Ziele verfehlt, infrastrukturell wartet man seit Jahrzehnten vergeblich auf die Stadt Saarbrücken und auf die Führungsebene blickt man nur noch mit unverhohlenem Misstrauen. Der FCS hat den Anschluss an Deutschlands Profifußball schon lange verpasst.

Dabei könnte es so einfach sein. Eine große Tradition, ordentliches Fanpotential und ein einzigartiges Stadion sind schon da. Was fehlt, ist eigentlich nur ein Konzept. Eine Ausrichtung. Eine Identität. Was will man gerne sein in Saarbrücken? Schaut man auf die Schlagzeilen der vergangenen Jahre, kann einem eigentlich nur ein passendes Image in den Sinn kommen. Das des miserabel geführten Chaosklubs. Bis in die Fünftklassigkeit ging es bergab. Dann sah es so aus, als könnte man den Absturz stoppen. Mit Vereinsikone Dieter Ferner am Steuer ging es wieder bergauf. Und dann? Beging man die gleichen Fehler wie Jahre zuvor, wieder ging es bergab. Aktueller Tiefpunkt: Mittelmaß in der Regionalliga Südwest, trotz eines sehr komfortablen Etats, eines Startrainers und einer sehr erfahrenen Mannschaft.

Bleiben wir beim Image des Vereins: Der FCS hat eine bewegte Vergangenheit. Schon immer ist der Klub in der Grenzregion zu Frankreich verwurzelt. Seine Geschichte ist von vielen Auf und Abs geprägt, sogar in der französischen Liga musste man zeitweise antreten. Irgendwie war der Verein immer fremd im eigenen Land. In Deutschland der Franzosenverein, war man in Frankreich der deutsche Vertreter. Und trotzdem biss man sich durch, feierte Erfolge in Frankreich und Deutschland.

Das gute Auftreten im Nachbarland führte dazu, dass die Franzosen den FCS schon bald nicht mehr wollten. In Deutschland wiederum spielte man sich immer wieder hinauf in die Bundesliga und sorgte dort für Furore, das Paradebeispiel ist der 6:1-Sieg gegen die Bayern im Jahr 1977. Von den anderen Vereinen als ungewollter Teil Ostfrankreichs belächelt, führten die Blau-Schwarzen ihren Weg unbeirrt fort. Und das, obwohl die größten Zeiten des Vereins schon damals in der Vergangenheit lagen. Es war Mitte des vergangenen Jahrhunderts, als der FCS ganz Europa aufmischte. FIFA-Präsident Jules Rimet adelte die Molschder gar als „interessanteste Mannschaft Europas“.

So viele Bausteine, die prädestiniert erscheinen für ein außergewöhnliches Image. Der etwas andere Außenseiterklub, der allen Widerständen trotzende Verein aus der Grenzregion. Deutsche Wurzeln, französische Vergangenheit, europäische Erfolge. Der FCS hätte längst zu einem Kultklub wie St. Pauli oder Union Berlin werden können, wenn er die Zeichen der Zeit erkannt hätte. Doch damit wären wir wieder bei einem Grundproblem des Vereins: Gespür für die Zeiten der Zeit wurde in der 112-jährigen Geschichte des 1. FC Saarbrücken viel zu selten gezeigt.
Wieder kann der Verein von seinen Fans lernen. Das Bild des Rucksackfranzosen in der Kurve ist präsent, mit dem AS Nancy führt man eine enge Fanfreundschaft. Es böte sich also an: Das Image des kultigen Grenzklubs. Statt den französischen Einfluss kleinzureden, könnte man ihn einfach zelebrieren. Und schon würde man sich von der Konkurrenz im Südwesten abgrenzen. Das Potential in Saarbrücken ist da, und zwar in allen Bereichen. Es zu nutzen, ist Aufgabe der Vereinsführung. Auf eine baldige Besserung besteht aber leider wenig Hoffnung, zumindest gibt die Vergangenheit keinen großen Anlass. Deshalb werden wir wohl weiter träumen müssen von einem im Aufwind befindlichen 1. FC Saarbrücken.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Carsten sagt:

    Ehrliche Meinung: Ich würde mir auch wünschen, es wäre so einfach. Die Geschichte unseres Vereins ist was ganz tolles, aber leider ist der französische Einfluss auch eine zweischneidige Sache:

    1. Geschichtlich: Es war die französische Regierung im Saarland, die dem 1. FC Saarbrücken nach Ende des Krieges Spiele gegen deutsche Mannschaften verboten hat, während gleichzeitig die französischen Vereine keine deutsche Mannschaft in der ersten Liga wollte. Unabhängig von der absolut kreativen Art, wie der FCS das gelöst hat: Sportpolitisch war die Beziehung zu Frankreich nicht zwiespältig.

    2. Aktuell: Das „Französische“ wurde schon vor Jahren von Gegnerfans aufgegriffen (Aachen mit ‚Rucksackfranzosen‘-Gesängen), die Boys und andere Ultras haben es selbstironisch aufgegriffen und in der Virage Est fest integriert. Leider können sich damit Teile der Fanszene, ob nun die Älteren und vielleicht auch (leider) die rechts Angehauchten, nicht identifizieren. Und die Vereinsführung (und auch bei der Oppsition sehe ich das nicht) erkennt wohl auch wenig Potenzial darin.

    1. Lukas sagt:

      Klar, einfach ist sowas nicht im Sinne von schnell gemacht. Aber bei dem, was der FCS bisher an Imagebildung erreicht hat, müsste man ja meinen, sowas sei ein Ding der Unmöglichkeit. Darauf spielt die Überschrift an.
      Man müsste den französischen Einfluss ja gar nicht idealisieren. Aber geographisch ist der FCS nunmal ein Verein der Grenzregion. Das Bild vom nirgendwo gewollten Saarverein, der sich trotzdem immer seinen Weg gesucht hat, wäre doch eine klasse Möglichkeit der Außendarstellung. Diejenigen Fans, die salopp gesagt mit Franzosen nichts zu tun haben wollen, dürfen sich von mir da auch ruhig kritisiert fühlen. Ebenso wie die Vereinsführung, die Außendarstellung scheinbar sowieso für eher semiwichtig hält.

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