Wenn Kritik zu Hetze wird

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Der FCS steckt in der Krise. Sportlich ist man nur noch vorderes Mittelmaß in der Regionalliga, zu wenig für die eigenen Ansprüche. Trainer Falko Götz steht mit seinem Trainerteam genauso in der Kritik wie die Mannschaft um Kapitän Jan Fießer. Besondere Zielscheibe: Sportvorstand Milan Sasic. Auch Präsident Hartmut Ostermann rückt nach relativ ruhigen Vorwochen wieder mehr in den Fokus. Die Stimmen mehren sich, die seine Ablösung fordern. Und damit gewinnt auch der Ultras-Protest gegen Präsidium und Hauptsponsor neuen Aufwind.

Im Zentrum der Kritik standen in den letzten Wochen aber eindeutig die sportlichen Verantwortungsträger. Falko Götz wurde Arroganz und Uneinsichtigkeit vorgeworfen, gewisse Spieler würden von ihm bevorzugt werden. Milan Sasic ist ohnehin ein Hassobjekt in den Augen vieler FCS-Fans. Und auch die Mannschaft bekam ihr Fett weg.

Vor allem eigentlich verdiente Spieler wie Sven Sökler oder Matthew Taylor wurden mitunter hart angegangen. Zu alt sei die Mannschaft, und satt. Zu üppige Gehälter würde der Verein zahlen, außerdem seien die Fußballer ohnehin mehr an ihrer Freizeit als am Sport interessiert. Vorwürfe, die beim FCS in sportlichen Krisen regelmäßig auftauchen. Sobald es sportlich nicht läuft, tauchen Beobachter auf, die angebliche exzessive Partynächte der Spieler ans Licht bringen wollen. Die FCS-Fanpage ludwigspark.de berichtete kürzlich von Konzertbesuchen und Kneipengängen am Vorabend von Ligaspielen.

Kritik an der sportlichen Leistung ist nicht nur erlaubt, sie ist absolut notwendig. Auch Fans dürfen und müssen sich in dieser Richtung äußern. Das tun sie auch. Allerdings gibt es Grenzen. Das Privatleben der einzelnen Sportler geht niemanden etwas an.

Fußball ist ein Mannschaftssport, und zwar in jeder Facette. In Krisen zeigen sich oftmals ähnliche Symptome: Pässe kommen nicht an, ein Plan fehlt, die zündenden Ideen werden nicht entwickelt. Beim FCS wirkt das Spiel deshalb statisch, belanglos, ungefährlich. Das hat aber nichts mit einem etwaigen Konzertbesuch einzelner Spieler am Vorabend zu tun. Und mal ehrlich: Samstags werden Regionalliga-Spiele um 14 Uhr angepfiffen. Erwartet wirklich jemand, dass die Spieler deshalb spätestens um 21 Uhr am Vorabend das Licht ausknipsen?

Es ist ein Unding, dass in jeder sportlichen Krise vermeidliche Investigativjournalisten an die Oberfläche kommen, die in ihrer Freizeit anscheinend Privatdetektiv spielen. Auch Fußballer sollten ein Privatleben haben, erst recht in der Regionalliga. Wenn selbst dort jeder Schritt öffentlich verfolgt wird, braucht sich niemand zu wundern, wenn Spieler abheben. Für einige Fans ist die Freizeitbeschäftigung der Fußballer ja ganz offensichtlich äußerst relevant.

Also: Kritik gerne, aber auf Fakten beruhend. Wenn der Hass auf die eigene Mannschaft so weit geht, dass es Pfiffe gibt, wenn das Team nach dem Führungstreffer gegen Saar 05 gemeinsam jubelt, läuft definitiv etwas verkehrt. Nicht nur auf dem Platz.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Spirit sagt:

    Lukas, Du sprichst mir mit jedem Wort aus der Seele. Ich kann zwar auch verstehen, wenn Fans enttäuscht sind, da insbesondere in den letzten Wochen die Ergebnisse bescheiden waren. Und teilweise auch unser Spiel. Das rechtfertigt aber keineswegs den Shitstorm im Netz und im Stadion. Wenn dann sogar der SR sich nicht zu schade ist Rouge in Großaufnahme zu bringen, als er „Sasic verpiss dich“ ruft, oder andere Blogger entsetzt sind dass ein Sasic sich wehrt, wenn er in diesem Tonfall saublöd angemacht wird, ja dann läuft einiges gewaltig aus dem Ruder. Das gleiche gilt für die Attacken gegen HO. Eine Diskussionskultur – wie bei Dir – ist eher die Ausnahme. Carsten Pilger hat es zu recht als einen wichtigen Grund für seinen zeitweisen Rückzug aus der Blogging Szene genannt. Es wird nur noch polarisiert. User gehen direkt andere User an, wenn diese nicht am Bashing teilnehmen wollen, sondern auch mal kritischer die eigen Fan Szene hinterfragen. Und dies trägt viel mehr zum schlechten Image bei, wie alle „Skandale“ zusammen. Bei den Fans macht sich in der Folge bei manchen Luslosigkeit am FCS breit, andere lassen nur noch Dampf ab. Spieler werden während dem Spiel als Stricher beschimpft. Wer sich dagegen wehrt, wird selbst Ziel der Attacken. Umso wichtiger sind solche Blogs wie Deiner. Nur durch solche selbstkritischen Reflektionen aus der Mitte der Fans kann die Eskalation des Bashings eingedämmt werden. Stay rebel, stay rude.

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