Vereinsunkultur

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Es hätte ein denkwürdiger Abend werden sollen: Der 1. FC Saarbrücken ludt zur Mitgliederversammlung, dabei war die Spannung seit Wochen hoch. Zwei Aufsichtsratsmitglieder sollten nachgewählt werden, zwischenzeitlich spekulierten die Medien über mehr als 15 Bewerber. Denkwürdig wurde der Abend dann auch in vielerlei Hinsicht, leider überwiegend negativ.

Das lag vor allem am Verhalten vieler Anwesender. Zunächst einmal war die Versammlung mit mehr als 700 Mitgliedern außerordentlich gut besucht. Das ist durchaus als Beleg für die besondere Brisanz der MGV an sich, aber auch der generellen derzeitigen Lage des Vereins zu deuten. Bis zum Ende gelang es nicht, genügend Stühle für alle Anwesenden aufzutreiben.

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Die Halle während der Stimmauszählung

Zu Beginn schien noch alles in Ordnung. Inbrünstig ertönte das Vereinslied aus den Kehlen der Anwesenden, ein gewisses Gemeinschaftsgefühl breitete sich aus. Das verflog aber quasi mit dem letzten Ton schon wieder. Präsident Hartmut Ostermann übernahm das Wort und hatte noch keine fünf Minuten gesprochen, als gellende Pfiffe und „Buh“-Rufe ertönten. Ostermann hatte gerade Sportvorstand Milan Sasic begrüßt.

Und auch auf dem Podium bekleckerte sich niemand mit Ruhm. Franz-Josef Abel strotzte nur so vor Arroganz und äußerte sich ein ums andere mal beträchtlich weit unter der Gürtellinie. Dieter Weller geriet während seines Berichts, der keiner war, völlig außer Kontrolle und offenbahrte sein dünnes Nervenkostüm. Persönliche Anfeindungen gehen auch an ihm offensichtlich nicht spurlos vorüber.

Als Präsident Hartmut Ostermann erneut das Wort ergriff, reihte sich auch Aufsichtsratsmitglied Claude Burgard in die Reihe der Kontrollverluste ein. Ostermann warf ihm vor, er würde die Mitglieder zu Unterbrechungen anstacheln, woraufhin Burgard aufsprang und die Fassung verlor. Erneut wurde er vom Präsidenten gemaßregelt.

Besonders unangebracht waren weiterhin die Zwischenrufe und Unterbrechungen, die mit fortlaufender Dauer aus immer mehr Richtungen zu kommen schienen. Florian Kern, der eine gute Rede hielt und als einziger wirklich etwas vorzuweisen hatte, wurde ausgebuht. Jean-Olivier Boghossian, der einen seriösen Eindruck hinterließ und den Verein in der Zukunft sicherlich voranbringen könnte, wurde ausgebuht. Über Statements von Petra Münz, Leiterin der FCS-Geschäftsstelle, und Cheftrainer Falko Götz wurde während Kerns Präsentation verächtlich gelacht.

Es sind nur exemplarisch ausgewählte Beispiele, längst noch keine vollzählige Aufzählung der Peinlichkeiten des gestrigen Abends. Gestärkt geht weder der Verein noch irgendeine Einzelperson aus der Versammlung hervor. Fast ausnahmslos alle Beteiligten mussten viel Kredit einbüßen. Gegenseitigen Respekt oder wenigstens ein Verhalten, das auf das Wohl des Vereins konzentriert ist, suchte man vergebens. Selbst Altpräsident Paul Borgard ließ sich mehrfach zu Zwischenrufen hinreißen.

Somit geht die Selbstzerfleischung des 1. FC Saarbrücken weiter. In vielerlei Hinsicht abgehängt, wie Rolf Gerben es in seiner Rede gestenreich formulierte, tut man derzeit rein gar nichts dafür, den Rückstand aufzuholen. Stattdessen befindet sich der FCS in einem äußerst ungesunden Schwebezustand, der nach dem gestrigen Abend mindestens ein weiteres Jahr anhalten wird.

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