Gewalt im Fußball: Radikalismus

Politik hat im Stadion nichts verloren. Dieser Leitsatz hat über viele Jahre hinweg das Selbstverständnis vieler Fußballfans in der gesamten Bundesrepublik dominiert. Auch heute noch folgen ihm viele, doch er hat seine Unschuldigkeit verloren. Denn längst ist klar, dass sich hinter diesem Satz viele Radikale ganz leicht verstecken.

Das Wort „Radikalismus“ per se ist schon sehr schwammig. Wann ein politisch aktiver Bürger als radikal gilt, ist nicht klar festgelegt. Denn grundsätzlich schwimmt mit der Einschätzung als radikal immer auch mit, dass der Betroffene gewaltbereit ist. Der Wortstamm allerdings entstand im 19. Jahrhundert mit der liberalen Demokratiebewegung, die zunächst einmal nur liberale Grundrechte und demokratische Strukturen forderte. Radikalismus war eine oppositionelle, moderne Bewegung, die der Regierung entgegenstand.

Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich der Radikalismus-Begriff dahingehend, dass er nun auch auf andere politische Spektren angewendet wurde. Nun unterschied man zwischen Links- und Rechtsradikalen. Immer häufiger kam dabei dann auch Gewalt ins Spiel.

Heutzutage ist politischer Radikalismus Alltag in Stadien, auch im Ludwigsparkstadion des 1. FC Saarbrücken. Öffentliche Aufmerksamkeit generierte da ein Fall aus den letzten Monaten des Jahres 2013, als der FCS-Fanclub „Saarlandbrigade“ als Fanclub des Monats ausgezeichnet wurde – vom FCS-Fanbeauftragten Peter Thielges. Sofort meldeten sich Kritiker, die in den Geehrten Rechtsradikale sahen. Besonders brisant: Die Ehrung fand am 09.November statt, dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht.

Letzten Endes gab der Fanclub die Ehrung von sich aus zurück, einen Tag später entzog sie ihm der FCS zusätzlich noch. Kein gutes Bild in der Öffentlichkeit. Und die Kuh war auf dem Eis. Immer wieder kommt es seither vor allem im Netz zu Kontroversen. Im Stadion bekennen sich verschiedene Fangruppierungen zur Antifa, werden daraufhin von rechts gesinnten Fans bedroht. Gerade in solchen Fällen kommt dann der Leitsatz „Politik hat im Stadion nichts verloren“ wieder ins Spiel. Wenn ein Rechter einen Linken in Bezug auf diesen Satz nämlich bedroht, wird er ins Absurde geführt. Andersherum ist das genauso. Im Netz wiederum werden vermeindliche oder tatsächliche Nazis von antifaschistischen Bewegungen offengelegt und gekennzeichnet.

Nächstes Beispiel: Das Auswärtsspiel des FCS in Offenbach vor einigen Wochen. Im Offenbacher Block wird eine Reichsflagge gehisst, aus Gründen der Provokation. Während der Großteil der Saarbrücker lautstark protestiert, fühlen sich einige Blau-Schwarze dem Offenbacher Fahnenschwenker offensichtlich verbunden.

Die folgenden Reaktionen sind dann wiederum im Netz zu beobachten. Die Facebook-Seite „1. FC Saarbrücken Fans gegen Rechts“ wird gegründet und generiert bis heute über 200 Likes. Rechtsgesinnte wiederum melden sich vehement über andere Fanseiten und zeigen sich verärgert über das allgemeine Stimmungsbild. Sie kritisieren eine Politisierung der Fankurve.

Nächster Streich: Im Saarland wird eine Bürgerwehr gegründet, um die Bürger vor gewaltbereiten Flüchtlingen zu schützen. Unter den Mitgliedern der ominösen Bürgerwehr befindet sich eine große Anzahl an FCS-Fans. Deren Äußeres jagt allerdings vielen saarländischen Bürgern mehr Angst ein als jeder Migrant.

Zurück zu unserem Leitsatz: Politik hat im Stadion nichts verloren. Leider ist dieser Leitsatz nicht mehr zeitgemäß. Nun müsste es eher lauten: Gewalt, Fremdenhass und Rassissmus haben im Stadion nichts verloren.Wenn das einmal erreicht ist, wird auch die Politik wieder aus dem Stadion verschwinden.

 

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