Spiel mit verdeckten Karten

Vor zwei Tagen hat in Saarbrücken offiziell der Umbau des städtischen Ludwigsparkstadions begonnen. Baudezernent Harald Schindel setzte den obligatorischen ersten Spatenstich und leitete damit die längst überfälligen Umbaumaßnahmen des sanierungsbedürftigen Stadions ein. Gleichzeitig hatte die Stadt für alle Saarländer im Allgemeinen und die Fans des 1. FC Saarbrücken im Besonderen noch zwei unliebsame Überraschungen im Petto.

Die bisher veranschlagten 16 Millionen Euro Kosten werden nicht ausreichen. Mindestens vier Millionen Euro Mehrkosten muss die Stadt noch vor Baubeginn einkalkulieren. Das teilte sie am Mittwoch öffentlich mit. Eher versteckt übermittelt wurde zeitgleich auch die Information, dass die Umbaumaßnahmen ein ganzes Jahr länger dauern werden. Statt im Sommer 2017 kann der FCS nun erst im Sommer 2018 in seine Heimat zurückkehren und muss für ganze 30 Monate ein Ausweichstadion finden.

Fadenscheinig erscheint dabei vor allem die städtische Begründung für Mehrkosten und längere Bauphase. Es fielen Kanalarbeiten an, die zuvor nicht eingeplant waren, heißt es. Außerdem sei auf Anraten der Polizei das Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet und dementsprechend teurer geworden. Nun plane man mit in Deutschland im Spitzenbereich befindlichen Sicherheitsvorkehrungen wie hochmodernen Kameras im Stadion. Beide Argumente lassen sich an dieser Stelle widerlegen.

Bereits am 26.05.2015 berichtete der Blau-Schwarze Blog von einer Stadionbegehung, bei der die detaillierte Stadionplanung unter anderem von Jens Düwel, Ansprechpartner der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU), vorgestellt wurde. Auf dieser Stadionbegehung kamen die angeblich jetzt erst entdeckten Kanäle und entsprechende vorzunehmende Arbeiten bereits zur Sprache. Schon damals waren sie Teil der Kalkulation.

Ähnlich liegen die Fakten bei den angeblich teureren Sicherheitsvorkehrungen. In der Saarbrücker Zeitung zeigten sich Ansprechpartner der Polizei äußerst verwundert über entsprechende Aussagen der Stadt. Von derlei Mehrkosten wussten sie nichts.

Die Stadt Saarbrücken will also Mehrkosten und eine längere Bauphase rechtfertigen, klärt aber nicht über die wahren Gründe dafür auf. Eine entsprechende Anfrage des Blau-Schwarzen Blogs blieb bislang unbeantwortet.

So bleibt Raum für Spekulationen. Es ist zu vermuten, dass die Gründe in einem der bereits abgeschlossenen Arbeitsschritte liegen. Die Geheimhaltungstaktik vonseiten der Stadt lässt weiter auf einen vermeidbaren Fehler schließen, etwa bei der Planung oder der Ausschreibung. Fest steht nur, dass kräftig gemauschelt wird. Leidtragender ist letzten Endes vor allem der Steuerzahler, aber eben auch der 1. FC Saarbrücken, der seine Spiele ein ganzes Jahr länger als geplant in einem Ausweichquartier austragen muss.

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