Eigeninteressen im Vordergrund

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Es hätte das große Comeback werden sollen, am Ende bleibt ein nicht zufrieden stellendes Resultat mit äußerst fadem Beigeschmack. Der FCS hat am heutigen Ostersamstag im Duell mit dem Tabellenführer der Regionalliga Südwest, Waldhof Mannheim, ein Untentschieden geholt. Am Ende hieß es 1:1 in einem Duell zweier gleichwertiger Mannschaften, die beide mit dem Ergebnis zufrieden schienen.

An dieser Stelle kommt das erste große Fragezeichen des Nachmittags ins Spiel. Der FCS hatte mit dem Duell gegen Mannheim die Chance, sich zurückzumelden im Kampf um die Relegationsplätze. Allen war klar, dass ein schweres Spiel bevorstehen würde. Doch trotz des unglücklichen Mannheimer Führungstreffers nach etwas mehr als einer halben Stunde schlug der FCS gedankenschnell in Form von Sven Sökler zurück und schien die Partie im Griff zu haben. Mehrere gute Torchancen wurden vergeben, dennoch ging es hoffnungsfroh in die Pause. Und auch nach dem Wiederanpfiff war zunächst Saarbrücken die dominierende Mannschaft. Die größte Chance vergab Matthew Taylor, als er frei vorm Tor einen Abpraller direkt nahm, den Ball mit dem linken Fuß nicht richtig traf und dem Mannheimer Torwart Markus Scholz so die Parade ermöglichte. Eine Situation stellvertretend für die derzeit regelmäßig unglücklichen Auftritte Taylors. Ein Stürmer seines Anspruchs muss in einer solchen Situation zwingend abgeklärter agieren und den Treffer erzielen.

Dann aber verflachte das Spiel und Mannheim übernahm die Kontrolle. Der FCS rückte immer tiefer in die eigene Hälfte, war von seiner Grundordnung her nur noch im Verteidigungsmodus. In der Saarbrücker Situation mit einem enormen Rückstand auf das Saisonziel ist diese taktische Vorgabe nicht nachvollziehbar. Statt auf die Führung zu drängen, wurde der Ball nur noch nach vorne geklärt, wo dann aber wegen der defensiven Grundordnung kein Abnehmer mehr stand. Grundlos gab man das Spiel gegen keinesfalls überlegene Mannheimer so aus der Hand und ermöglichte Waldhof beinahe sogar den Auswärtssieg. Mehrfach rettete Torhüter David Hohs mit starken Paraden.

Nun muss die Frage erlaubt sein, was Trainer Taifour Diane dazu veranlasst hat, sich ganze zwanzig Minuten vor Schlusspfiff offensichtlich mit einem Punkt zufrieden zu geben. Mehr denn je ist man jetzt auf die Resultate der Konkurrenz angewiesen, die Chancen auf den Aufstieg sind zumindest nicht größer geworden. Fehlte das Zutrauen in die eigene Stärke? Fehlten die nötige Kraft und Fitness, um weiterhin offensiv gegenzuhalten? Am Ende muss man sich in Saarbrücken über zwei nicht gewonnene Punkte ärgern.

Einen faden Beigeschmack bekam dieses Derby am heutigen Tage vor allem durch die nicht vorhandene Unterstützung der Heimfans. Die Ultras boykottierten das ganze Spiel über wegen im Vorfeld ausgesprochener Betretungsverbote im Völkliner Raum. Gerüchten zufolge wurden diese Betretungsverbote gegen Personen ausgesprochen, gegen die kein Stadionverbot vorliegt. Die restlichen Anwesenden vermochten es nicht, ohne die selbsternannten Supporter lautstarke Unterstützung zustande zu bringen. Gerade in einem solch wichtigen Spiel muss an dieser Stelle deutliche Kritik erlaubt sein. Der 1. FC Saarbrücken in Form der auf dem Platz stehenden Mannschaft kämpfte um den Anschluss an die Tabellenspitze und damit auch um die Zukunft des gesamten Vereins. Über kurz oder lang geht die Regionalliga Südwest nämlich an die Substanz, ob mit oder ohne Ostermann, Sasic oder wen auch immer. Gerade in der Schlussphase hat für jeden im Stadion und vor dem Fernseher erkennbar die Unterstützung der Fans enorm gefehlt, hätte diese vielleicht den Unterschied ausmachen und die Spieler noch einmal in die Offensive treiben können. Alle im Stadion, die es als ihre Aufgabe betrachten, den Jungs auf dem Platz unterstützend zur Seite zu stehen, müssen sich am heutigen Tage also ein Stück weit an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob es mit der bedingungslosen Vereinsliebe wirklich so weit her ist, wie immer nach außen hin behauptet wird.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Spirit sagt:

    Die Engländer haben gestern abend gezeigt, was für ein Unterschied Support macht. Gerade gegen Ende eines Spieles mobilisiert es die letzten Kräfte.
    Das Bild von Sökler nach dem 1:1 als er geradezu wütend und trotzig in Richtung der VE die Fäuste schwang geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das hieß doch „Wir sind keine Looser. Was ist los mit euch, wann hört ihr endlich mit eurem Widerstand auf? Ihr helft uns nicht!“

    Generell ist die Regionalliga eine Kämpferliga, spielerische Klasse erwarte ich dort nicht, denn solche Spieler gehen in die 3. Liga. Trier, der SVW und der OFC sind aktuell dafür ein gutes Beispiel, Fans und Mannschaft geben alles und erzwingen damit den Erfolg, nur über den Kampf. Und wenn es dann mal 2:0 steht gelingt auch mal ein schöner Spielzug, aber zuallerst steht der Kampf, der Wille Schmerzen auszuhalten und dem Gegner weh zu tun und damit das Spiel an sich zu reißen, so wie in Teilen gegen die SVE zu sehen. Das hat mir gestern gefehlt. Von uns Fans und Mannschaft.

    1. Lukas sagt:

      Ich muss sagen, dass ich der Mannschaft gestern den Kampf gar nicht mal abspreche. Über 70 Minuten hat sie dem Gegner Paroli geboten, keinen Zweikampf gescheut und auch den schnellen Weg nach vorne gesucht. Das Gegentor fiel unglücklich, war aber nicht unverdient, wenn man sich die Chancen der Mannheimer ansieht. Am Schluss aber haben beim FCS die Köpfe gehangen, von der Trainerbank aus wollte man scheinbar den Punkt sichern – was sich vielleicht noch auszahlen könnte am Ende der Saison, wenn nach Trier heute morgen auch Elversberg nicht gewinnt – und das auch, weil das Zutrauen in die eigene Stärke fehlte. Wenn in dieser Situation die Unterstützung da ist, setzt das riesige Kräfte frei und der FCS hätte die Schlussphase völlig anders gestalten können (wie du sagst: siehe England). Und da wäre auch, aber nicht nur die Virage Est in der Bringschuld gewesen. Klar, die Ultras definieren sich als die Stimmungsmacher im Verein und werden dieser Selbstdefinition seit Monaten nur noch unzureichend gerecht, aber gerade das stößt doch vielen anderen übel auf. Gestern wäre die Chance gewesen, die Verhältnisse zu verschieben. Man kann sich nicht immer darüber beschweren, die VE würde das Stimmungsmonopol an sich reißen, wenn in den entscheidenden Situationen dann überhaupt nichts kommt.
      Letztenendes war die Leistung auf den Rängen gestern wirklich ein Offenbarungseid, die Mannschaft sollte man ausnahmsweise mal aus der Kritik raushalten. Sie hat sich gegen eine unglaublich erfahrene und stark besetzte Mannheimer Mannschaft gut verkauft, ein leistungsgerechtes Remis geholt.

  2. Anonymous sagt:

    Nur zur Info, die VE hat keinen StimmungsBOYKOTT durchgeführt, sondern lediglich auf ihrerseits organisierte Stimmung verzichtet – das heißt, dass beispielsweise kein Vorsänger aktiv war.
    Mir wäre es zum einen neu, dass die VE zum Stimmung machen verpflichtet ist, und zum anderen, dass die VE sich als „Stimmungsmacher im Stadion definiert“. Wo steht das, wer sagt das, wie kommen sie darauf? Die VE macht Stimmung – durchaus. Auf ihre Art und Weise, doch wurde jemals behauptet „Wir machen die Stimmung im Stadion, niemand anders“? Ich habe nie mitbekommen, dass andere Fans nicht nach ihrem Gusto Stimmung machen konnten und die VE dies dann kritisiert hat.

    Generell sollte man sich mal fragen, ob dieses gebetsmühlenartige „schadet der Mannschaft“-Gespräch so sinnig ist. Ein hochgradig unprofessionell geführter Verein, welcher durch sein Handeln jeglichen anhaltenden sportlichen Erfolg verhindert – schadet der Mannschaft! Eine Kurve, die gegen genau diese Führung protestiert – schadet der Mannschaft. Logik, nein danke?!

    Witzig dass genau die Personen, welche im Stadion den Mund nicht aufbekommen, ständig kritisieren, dass die Mannschaft im Stich gelassen wird. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Allein die Anzahl der Spiele freitags in Rostock, Dresden, Unterhaching und sonst wo, bei denen außer die VE fast niemand vor Ort war, kompensieren diesen Boykott ohne Probleme. Der Großteil der VE verfolgt den Verein seit vielen Jahren, manche sogar seit 20 Jahren, Spiel für Spiel. So alt sind manche Spieler der Mannschaft noch nicht einmal. Spieler, welche in 3 Jahren größtenteils vergessen sind und an einem anderen Ort überbezahlt gegen den Ball treten. Ich kann mir vorstellen, dass es nach Jahren Wichtigeres geben wird, als manche dieser Herren zu unterstützen. Zum Beispiel Solidarität mit grundlos und willkürlich verurteilten Fans. Aber Kritik äußern ist bekanntlich bequemer als nachzudenken.

    Kleiner Denkanstoß eines Nicht-VE-Kritikers

    1. Lukas sagt:

      Ich sehe das doch in vielen Punkten ähnlich. Aber da sind wir schon wieder beim Hauptproblem: Du bezeichnest mich jetzt als Virage-Kritiker. In der Vergangenheit wurde ich nach mehreren Artikeln von anderen Stellen als ausgemachter Virage-Freund betitelt. Dieses Schwarz-Weiß-denken führt nicht zu mehr Verständnis untereinander.

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