Ein Offenbarungseid

Beim 1. FC Saarbrücken gibt es in den vergangenen 20 Jahren nahezu ununterbrochen nur eine große Konstante: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen Welten. Einzige Ausnahme bilden drei Jahre mit Dieter Ferner an Bord, als man von der Oberliga bis in die dritte Liga marschierte und dort unter dem neuen Trainer Jürgen Luginger mit einer Erfolgsserie gegen Ende der Saison überraschte. Ferner ging, und mit ihm der kurzfristige Erfolg. Derzeit hat der FCS den vorläufigen Tiefpunkt der Nach-Ferner-Ära erreicht. Ein Ende der Negativspirale ist nicht in Sicht.

Sportdirektor beim FCS ist seit knapp zwei Jahren nun mehr oder weniger offiziell Milan Sasic. Er genießt das Vertrauen des Vereinspräsidenten Hartmut Ostermann und ist derzeit laut eigener Aussage dabei, die kommende Saison zu planen. Sasics Bilanz beim FCS könnte verheerender nicht sein. Als Trainer besiegelte er den Abstieg, als Sportdirektor scheiterte er zweimal trotz großen finanziellen Aufwands am Wiederaufstieg. Im ersten Jahr knapp in der Relegation, dieses Jahr auf peinliche und arrogante Art und Weise schon frühzeitig.

Die deftige Niederlage in Hoffenheim fasst zusammen, was in dieser Saison beim FCS alles schief gelaufen ist. Fußballerisch läuft wenig zusammen, ein Großteil der Zuspiele kommen viel zu ungenau, um schnelles Spiel zu ermöglichen. Der Kader ist stellenweise zu alt und lässt an entscheidenden Stellen Tempo vermissen. Spieler verdienen viel Geld, ruhen sich aber auf ihren Verträgen aus. Drei Namen sind dafür Paradebeispiele. Patrick Zoundi konnte sich schon nach Vertragsabschluss die Hände reiben. Als vermeidlicher Schlüsselspieler geholt, konnte er nie überzeugen und landete früh auf der Ersatzbank. Über diesen Status kam er zu keinem Zeitpunkt hinaus, wollte er vielleicht auch gar nicht. Stattdessen bereitet er sich mit einem Individualtrainer mittlerweile von der Mannschaft unabhängig auf sein Karriereende vor und lässt sich das vom 1. FC Saarbrücken finanzieren. Felix Luz gehörte zwar öfter zum Kader als Zoundi, konnte sich den Status des Stammspielers aber trotz im Spitzenbereich angesiedelten Gehalts nie erkämpfen. Mittlerweile weilt auch er nur noch äußerst selten im Kreise der Mannschaft, das Karriereende im Sommer ist fest anvisiert. Dasselbe gilt auch für Stefan Reisinger, der zur aktuellen Mannschaft überhaupt keinen Kontakt hat. Von Sasic mit hohem Gehalt und hoher Vertragslaufzeit nach Saarbrücken gelockt, geriet er bald auf die Abschussliste. Ein peinlicher Rechtsstreit resultierte, der Verein blamierte sich, Reisinger kassiert munter weiter.

600.000 Euro verschlingt der Kader des 1. FC Saarbrücken laut Schatzmeister Dieter Weller jeden Monat. Das sind aufs Jahr hochgerechnet 7,2 Millionen Euro. Mit diesem Etat wäre der FCS auch in der dritten Liga kein finanzschwacher Klub. Sportlich reicht es trotzdem nur für Regionalliga-Mittelmaß. Präsident Ostermann, seines Zeichens auch Hauptsponsor des Vereins, kümmert sich um diese Geldverschwendung offenbar nicht weiter. Seit Monaten äußert er sich nur noch sehr unregelmäßig zum Verein, lässt Mitglieder und Fans oft wochenlang im Dunkeln tappen. Dank der Vereinspolitik der letzten Jahre hat er den FCS indes fest in seiner Hand. Ohne sein Wohlwollen, was Marketingrechte betrifft, die er hält, könnten in Saarbrücken ganz schnell die Lichter ausgehen.

Über seinen Abschied im nächster Zeit wird trotzdem spekuliert. Im sei die Lust vergangen nach massiver Kritik in den vergangenen Monaten. Viele Fans hoffen mittlerweile darauf, dass diese Gerüchte sich als glaubhaft erweisen. Bei der kommenden Mitgliederversammlung wird der Aufsichtsrat komplett neu gewählt, dann könnte Ostermann wichtigen Rückhalt im Verein verlieren. Mit ihm auch sein Vertrauter Milan Sasic, der ohne Ostermann wohl längst Geschichte wäre.

Noch einmal zurück zum von Sasic zusammengestellten Kader. Mit Spielern wie Dennis Wegner, David Hohs, Alex Hahn oder Marco Meyerhöfer, auch mit Matthew Taylor und Sven Sökler hat Sasic sicher gute Fußballer verpflichtet. Doch sein Kader hat es nicht geschafft, sich zu einer zusammenstehenden Mannschaft zu entwickeln. Bemühen ist zwar stets erkennbar, bei Rückschlägen aber ist das Kollektiv trotz individueller Klasse nicht im Ansatz dazu in der Lage, zusammenzustehen. Das Spiel in Hoffenheim war nur der vorläufige Gipfel einer verkorksten Saison. Ähnlich abschlachten ließ sich das Team schon in Walldorf. Das ganze Spiel über zeigte man sich nicht auf der Höhe, nach dem dritten Hoffenheimer Treffer stellte man das Bemühen dann gänzlich ein. Antreiber und Spielgestalter Sökler war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Platz. Die Defensive vor allem in Person von Filip Luksik schenkte Hoffenheim den letzten Treffer. Der Mittelfeldspieler Lukas Kiefer riskierte mit einem überflüssigen wie brutalen Foul aus Frust lieber die Gesundheit seines Gegenspielers, statt die eigene Mannschaft noch einmal aufrütteln zu wollen und flog folgerichtig vom Platz. So ist der 1. FC Saarbrücken nicht nur schlecht, er ist auch noch unsympathisch. Und er hat auch in Zukunft wenig Aussicht auf Erfolg.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. michael sagt:

    schlecht, unsympathisch und viertklassig – und trotzdem bekommt dieser verein ein stadion hingestellt, das mit der realität nichts zu tun hat. und das ganze ohne eigenleistung

    1. Lukas sagt:

      Wenn ein Bauherr sein Eigentum aufgrund von Baufälligkeit erneuert, hat das nichts mit dem Mieter zu tun.

  2. Spirit sagt:

    Michael, immer mit der Ruhe. Saar05 wird auch dort spielen dürfen, oder Neunkirchen, wenn ihr Stadion saniert wird. Auch werden Open Air Konzerte wieder möglich. Da wird für dich doch sicherlich was dabei sein?

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