Kick it like Leicester

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In der englischen Premier League steht die Welt seit Beginn dieser Saison auf dem Kopf. Die vermeidlichen Spitzenteams Chelsea, Manchester United und Liverpool versinken im Tabellenmittelfeld, Chelsea steckte lange Zeit sogar faustdick im Aufstiegskampf. Und ganz vorne mischt ein Team mit, dass vor einem Jahr noch mit einem Bein in der zweiten englischen Liga steckte: Leicester City.

Schon seit Monaten regiert Leicester die Premier League vom Spitzenplatz aus, hat die Tabellenführung inne. Die ärgsten Verfolger heißen Tottenham, Arsenal und Manchester City. Allesamt große Namen der Insel, allesamt mit nur noch geringen Aussichten auf die Meisterschaft. Denn Leicester setzte sich am vergangenen Wochenende auf sieben Punkte vor Tottenham ab, nur noch fünf Spiele sind zu absolvieren in der teuersten Liga der Welt. Es scheint, als würde aus einem schönen Fußballmärchen tatsächlich Realität.

Leicester City nämlich ist neben den drei letztjährigen Aufsteigern Bournemouth, Watford und Norwich der Verein mit dem geringsten Gehalt in Englands Eliteklasse. Kaum zu glauben , wenn man die Transfers des letzten Sommers betrachtet. Ein Shinji Okazaki von Mainz 05 war den Foxes, wie man sie auf der Insel nennt, elf Millionen Euro wert. Für den Schweizer Gökhan Inler legten sie sieben Millionen auf den Tisch. Viel Geld für Fußballer, die man in Deutschland allenfalls zum oberen Durchschnitt der Bundesliga zählen würde.

In England sitzt aber nun einmal das Geld. Auch Leicester hat einen ausländischen Investor, er kommt aus Thailand und sein Reichtum entstand durch Duty-Free-Handel. Doch im Vergleich zu den anderen Teams der Premier League ist er ein vermeidlich kleiner Geldgeber. Trotzdem ist Leicester City auf Meisterschaftskurs. Es klingt unglaublich.

Nur zwei Spieler ragen aus dem Team wirklich hervor. Die Offensivkräfte Ryiad Mahrez und Jamie Vardy verzaubern seit Monaten mit tollem Fußball die Liga. Beide werden mit den großen Klubs Europas in Verbindung gebracht. Vardy war es, der Deutschland im Länderspiel Ende März mit einem traumhaften Hackentor schockte und den Sieg der Engländer einleitete. Doch der Rest der Mannschaft besteht aus Mittelmaß.

Somit ist Leicester einerseits ein Beleg dafür, dass Fußball eben doch noch ein Mannschaftssport ist, in dem Teamgeist und der unbedingte Wille auf Erfolg ganze Berge versetzen können. Andererseits ist die Erfolgsstory Leicester City auch ein Beleg für den schleichenden Abstieg des englischen Fußballs.

Die Premier League hinkt ihren Ansprüchen längst hinterher. Die von TV-Rechten ermöglichte Geldflut der vergangenen Jahre hat nicht zu einer Qualitätssteigerung geführt. Stattdessen werden mittelmäßige Fußballer mit viel Geld auf die Insel gelockt, wo sie ihren Stiefel runterspielen und ohne große Ambitionen das ausgehandelte Gehalt einsacken. Geld ist eben nicht immer nur Motor, manchmal ist Geld auch ein schwer zu umgehender Bremsklotz. Das muss Englands Fußball gerade leidvoll erfahren, zur großen Freude aller Fußballverrückten im beschaulichen Leicester.

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