Der große Schatten

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Es war ein sonniger Tag im Mai, eigentlich war alles gerichtet für ein riesiges blau-schwarzes Fußballfest. Doch mehr als 120 Minuten voller dramatischer Entwicklungen später lag die Welt des 1. FC Saarbrücken am Boden. Eine ganze Saison war umsonst, zerschellt, am Pfosten abgeprallt und ins Aus getrudelt. Erfolg und Misserfolg lassen in der Relegation keinen Platz für Zwischenräume: Würzburg war aufgestiegen, der FCS nicht.Ein ganzes Wochenende lang erstrahlte die bayrische Stadt in Würzburg in blau-schwarzen Farben, erstmals bekam gelebte Fußballkultur ein Gesicht dort, wo sonst vor allem für Basketball Euphorie entwickelt wird. Dort, wo Fußball in der Regionalliga nur wenige interessierte. Es war das Wochenende des DFB-Pokalfinals, die Polizei war in Aufruhr wegen der zahlreich erschienenen Saarbrücker. Würzburger Kneipen wurden blau-schwarz gefärbt, die Vorfreude auf das anstehende Rückspiel der Aufstiegsspiele zur dritten Liga war riesig. Überall war zu spüren: Diese Kickers aus Würzburg, die sind unterlegen. Unterlegen in jeglicher Hinsicht.

Der Folgetag: Das Stadion bis zum Anschlag gefüllt, die Sonne unerbittlich am Himmel. Fast fehlt in der Enge der Blöcke die Kraft zu lautem Support. Doch die Leistung der Mannschaft belebt die Fans. Felix Luz und Jan Fießer machen ihr bestes Spiel für den FCS, alle Mann auf dem Feld zerreißen sich für den Traum vom direkten Wiederaufstieg. Trainer Fuat Kilic ist getrieben von Nervosität, lässt Matthew Taylor zu Beginn des Spiels auf der Bank. Dem amerikanischen Stürmer schmeckt das ganz und gar nicht. Das Spiel nimmt seinen Lauf, Saarbrücken kann die Würzburger Führung aus dem Hinspiel egalisieren. Das zu Unrecht nicht gegebene Tor von Peter Chrappan im Ludwigspark ist fast vergessen, die Gerechtigkeit scheint zu siegen. Doch ein weiteres Tor will in 120 Minuten leidenschaftlichem Fußball nicht fallen. Es kommt zum Elfmeterschießen. Das Ende ist bekannt, Tränen fließen. Eine ganze Welt liegt am Boden. Weiter geht es in der Regionalliga.

Fast genau ein Jahr nun liegt das Drama von Würzburg in der Vergangenheit, aus Drama wurde Trauma. Die tragischen Figuren der Relegation, allen voran der Fehlschütze Daniel Döringer, suchen seither nach ihrer Form. Fahrten in die Provinz von Neckarelz, Walldorf oder Bahlingen schmerzen noch mehr als zuvor. Der Neuanfang mit Startrainer und vermeidlichen Verstärkungen aus höheren Ligen scheitert grandios. Am Ende ist der FCS nur noch Mittelmaß, ohne Stadion und Zuschauer. Die Saison endet und zurück bleibt ein Trümmerhaufen. Es scheint, als habe der 1. FC Saarbrücken immer noch an diesem verhängnisvollen Elfmeterschießen zu knabbern.

Besonders deutlich wird das beim Blick auf die aktuell anstehende Relegation zum Aufstieg in die zweite Bundesliga. Einer der Teilnehmer? Würzburg. Als FCS-Fan möchte man den Fußballgott verfluchen. Im kommenden Jahr könnte es gegen Stuttgart, Hannover, München oder Kaiserslautern gehen. Stattdessen heißen die Gegner immer noch Walldorf und Steinbach.

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