EM 2016: Erstaunlich ausgeglichen

Die Europameisterschaft des Jahres 2016 ist in vollem Gange, Tag für Tag erfreut sich Frankreich an interessanten und bisher äußerst ausgeglichenen Fußballspielen. Ungarn schlägt Österreich, Island holt einen Punkt gegen Portugal, Frankreich hat seine liebe Mühe mit Rumänien: Die vermeidlich kleinen Mannschaften zeigen sich bisher alles andere als chancenlos und strafen damit alle Kritiker des vergrößerten Teilnehmerfelds Lügen.

Die Diskussionen vor dem Turnier waren laut und einstimmig: Bei einer Europameisterschaft sind 24 Teilnehmer zu viel. Die von Michel Platini durchgesetzte Reform galt als weiterer Beweis der Kommerzialisierung: Mehr Mannschaften bedeuten höhere Einschaltquoten und größere Werbereichweite und damit noch mehr Geld. Einzig die kleinen Nationen, denen nun erstmals die Teilnahme an einer EM ermöglicht wird, freuen sich über die Neuerungen.

Doch die beinahe beendete erste Woche des Turniers hat eindrucksvoll gezeigt, dass trotz der Vielzahl an Teilnehmer kein Kanonenfutter die Gruppenphase der EM auffüllt. Ausnahmslos alle Spiele waren von Ausgeglichenheit und knappen Resultaten geprägt, selbst Gastgeber Frankreich oder die Favoriten Deutschland und Spanien hatten große Mühe mit den Gegnern Rumänien, Ukraine und Tschechien. Das Turnier beweist: Schlechte Nationalmannschaften sind rar geworden auf dem Kontinent, bis auf einige Zwergennationen ist das Leistungsspektrum sehr viel enger geworden.

Das liegt an einem simplen Prinzip: Es braucht keine Fußballer von Weltklasseformat, um zu verteidigen und zu kämpfen. Dafür reichen taktische Disziplin, der unbedingte Wille und ein Trainer, der etwas vom Handwerk versteht. Die Leistung Albaniens gegen den Turnierfavoriten Frankreich war ein Musterbeispiel. Kollektive Defensive brachte die französischen Offensivkünstler schnell aus dem Tritt, in der Folge kam Albanien über schnelles Konterspiel oder Standards selbst zu Chancen. Am Ende fehlten nur wenige Minuten, um die Überraschung perfekt zu machen. Neben der taktischen Disziplin muss auch eine große Leidenschaft in der Mannschaft vorhanden sein. Doch wer Nationen wie Albanien bei einem solch großen Turnier vertreten darf, brennt automatisch für seine Aufgabe. Deshalb könnten bislang leidenschaftslos aufspielende Nationen wie Belgien oder Österreich, zuvor hoch gehandelt, zu den großen Verlierern dieser EM werden.

 

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