Der Saarland-Tag

Auf Plakaten wird es als die „Letschd Schicht“ angekündigt: Die SV 07 Elversberg feiert bei ihrem letzten Heimspiel dieses Jahres den Saarland-Tag. Das bedeutet: Erhebliche Vergünstigungen für alle nachweislich im Saarland lebenden Menschen auf die Eintrittspreise. Die Tickets für den Stehplatzbereich kosten 4 Euro, was eine Erleichterung von 50% darstellt. Auf die Haupttribüne gelangen Saarländer für nur 9 Euro, was sogar 60% weniger Eintritt bedeutet als an regulären Spieltagen. Außerdem kosten Lyoner und Bier jeweils nur einen Euro. 

Aufregung sorgte das vor einigen Tagen bereits bei Anhängern von Waldhof Mannheim, dem Gegner der Elversberger. Der Fanverband „Pro Waldhof“ äußerte sich in einem offenen Brief folgendermaßen:

„Allem Anschein nach versucht man hier, die Durchführungsbestimmungen zur Spielordnung der Regionalliga Südwest, nach der Zuschauer der Gastmannschaft bei der Preisgestaltung nicht schlechter gestellt werden dürfen als Zuschauer der Heimmannschaft, auszuhebeln: Alle Nicht-Saarländer, und damit wohl fast ausschließlich alle Gästefans, sollen an diesem Tag mindestens das Doppelte (Stehplatz) bezahlen als der überwiegende Teil der restlichen Besucher. Für einen Sitzplatz fällt sogar fast das 2,5-fache des „Saarländer-Preises“ an. Dies können wir so nicht akzeptieren.“

Zwar seien Rabattaktionen auf Eintrittskarten durchaus üblich, allerdings in der Regel an kleinere Gruppen wie Studenten oder Schüler gerichtet. In den Statuten der Regionalliga Südwest ist festgehalten, dass Ermäßigungsaktionen der Zustimmung der Geschäftsstelle der Liga bedürfen. Eine solche Zustimmung wurde also offensichtlich im Vorhinein ausgesprochen. Die Aktion bevorzugt allerdings klar die Heimfans gegenüber den Gästefans. Damit wird der Wettbewerbsnachteil der Mannheimer, der durch das Auswärtsspiel sowieso schon gegeben ist, definitiv verschärft.

Die SVE lenkte umgehend ein und erklärte sich bereit, auch im Gästeblock Lyoner und Bier für einen Euro anzubieten. Das war zuvor ebenfalls nicht geplant gewesen. Die Ungleichbehandlung in Sachen Wohnort bleibt aber bestehen. Im Internet kamen umgehend Gerüchte auf, das würde gegen eine Richtlinie der Europäischen Union verstoßen. Das ist allerdings etwas hoch gegriffen. Gemeint ist die Richtlinie 2000/43/EG zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft. Diese Richtlinie bezieht sich aber erstens nur auf In- und Ausländer, also nicht auf Diskriminierung innerhalb eines Landes (das bedarf dann dem jeweiligen Staatsrecht). Außerdem ist sie ohnehin nur unter bestimmten Bedingungen anwendbar, nämlich dann, wenn auch eine andere Richtlinie der EU greift. Das klingt kompliziert, ist aber in der Konsequenz ganz einfach: Die SVE nun vor dem Europäischen Gerichtshof anzuklagen, hat nur äußerst geringe Erfolgsaussichten.

Die Mannheimer Fans konnten sich mit dem Kompromiss durch die SVE halbwegs anfreunden und der Verband meldete sich nicht zu Wort. Der Saarland-Tag kann also stattfinden und beschert den Elversbergern vermutlich eine hohe Zuschauerzahl. Aus Marketingsicht ist die „Letschd Schicht“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein großer Erfolg. Aus Sicht von Kritikern des Procederes lässt sich zumindest prognostizieren, dass verstärkt auf den Platz fliegende Lyoner und Bierbecher für eine gewisse Heiterkeit sorgen könnten.

 

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