Die MGV 2016: Harmonie und Frieden

Jahr für Jahr ist es ein mit Spannung erwarteter Termin: Die ordentliche Mitgliederversammlung des 1. FC Saarbrücken. Vor allem nach den turbulenten Versammlungen der jüngeren Vergangenheit wartet im Vorfeld gefühlt das gesamte Saarland auf neue Skandale und Eklats beim größten Fußballverein des Landes. Gestern stand die MGV des Jahres 2016 an, und von Skandalen war in diesem Jahr nicht viel zu spüren.

Frieden, Ruhe, Besinnlichkeit. Beim FCS scheint derzeit alles im Lot. Zumindest auf der gestrigen Mitgliederversammlung gab es kaum Reibung und viel Konsens. Lediglich zwei Momente ließen so etwas wie Spannung im Saal aufkommen: Gleich zu Beginn echauffierte sich der zu 70 Jahren Mitgliedschaft geehrte Paul Heinen darüber, dass die blau-schwarze Legende Herbert Binkert zu seiner 70-jährigen Mitgliedschaft trotz mehrerer Hinweise an die Vereinsführung bislang nicht geehrt wurde. Zwar kein Skandal, aber doch ein gegenüber Binkert respektloses und unwürdiges Verhalten.

Die zweite Auseinandersetzung des Abends fand zwischen Horst Hinschberger und Franz-Josel Abel statt. Hinschberger wollte die Nicht-Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden erzwingen und erzählte deshalb von fehlenden Informationen, nicht stattfindenden Treffen und einer Ignoranz ihm gegenüber. Mit seiner Beschwerde, das neue Trainerteam hätte sich nicht bei ihm vorgestellt, schoss er sich selbst ins Abseits. Präsident Hartmut Ostermann stellte dann auch klar, dass Hinschberger sehr wohl zu Treffen eingeladen wurde, dort aber nicht erschienen sei. Franz-Josef Abel nahm ebenfalls kurz Stellung und röstete Hinschberger anschließend mit beinahe tödlichen Blicken. Ein trauriger Abgang von der FCS-Bühne für Horst Hinschberger, den er sich vor allem selbst zuzuschreiben hat.

Ansonsten waren alle Beteiligten äußerst bemüht, die Veranstaltung zu einem möglichst schnellen Ende zu bringen. Dabei zeigte Hartmut Ostermann als Versammlungsleiter einmal mehr, dass er kein geborener Entertainer ist. Dieter Weller erklärte einen knappen Gewinn von 186.000 Euro in der vergangenen Saison trotz erheblichem Wegfall von Zuschauereinnahmen. Dieter Ferner schoss einige Spitzen in Richtung Elversberg und erntete dafür mehrfach Szenenapplaus. Franz-Josel Abel zeigte sich in seiner Abschiedsrede versöhnlich, womit ihm nach einer langen Amtszeit ein ordentlicher Abgang gelang. Abel hat zweifelsfrei seine Verdienste im Verein, wurde aber gerade in der jüngeren Vergangenheit nur noch mit unglücklichen und teilweise auch unangebrachten Äußerungen in Verbindung gebracht.

Auch Werner Cartarius, selbst ernannter „Demokrat vom Scheitel bis zur Sohle“, legte ein Mordstempo an den Tag. Die Entlastung aller zu entlastenden Gremien und Personen war dank seiner speziellen Art reine Formsache. Nach langem Applaus standen dann die Wahlen des Abends an. Den unglücklichsten Auftritt legte Rolf Gergen hin. Der trat zunächst zur Wahl des 1. Vorsitzenden an, wobei er dort dank der Verbindungen seines Gegenübers Jörg Alt zu Dieter Ferner und zahlreichen anwesenden Mitgliedern kaum eine Chance hatte. Er redete viel, um im letzten Satz dann doch seinen Rücktritt von der Wahl zu erklären. Hätte er nun seine Redezeit vor seiner Kandidatenvorstellung zum Aufsichtsrat entsprechend kürzer gehalten, wäre das verschmerzbar und er wählbar gewesen. Tat er nicht, stattdessen präsentierte er den Mitgliedern stolz seinen Unterarm mit blau-schwarzem Blut in seinen Adern. Mit Gelächter wurde er von der Bühne verabschiedet, mit nur 43 Stimmen später bei der Wahl regelrecht abgestraft.

Gewählt wurden letzten Endes Jörg Alt zum 1. Vorsitzenden, Helmut Schwan zum 2. Vorsitzenden, Winfried Klein zum Abteilungsleiter Frauenfußball, Nico Weißmann zum Abteilungsleiter Jugendfußball, Markus Hoffmann zum Abteilungsleiter Handball (ohne Mannschaft, aber mit Schiedsrichter) und Dieter Ferner zum Abteilungsleiter AH. In der Wahl zum Aufsichtsrat sicherten sich Wolfgang Seel, Michael Haubrich, Frank Hälsig, Egon Schmitt, Meiko Palm und Aron Zimmer eine direkte Mehrheit. Mit einfacher Mehrheit wurde in einem zweiten Wahlgang dann noch Eugen Hach gewählt. Der bewies bei seiner Rede vor allem, wie angeschlagen er nach seinem Schlaganfall noch ist. Trotzdem sieht es auf den ersten Blick nach einer interessanten Zusammensetzung für das Gremium Aufsichtsrat aus, das den FCS nach vorne bringen könnte. Das allerdings ist nach dem absolut zerstrittenen Hühnerhaufen der jüngeren Vergangenheit auch keine große Herausforderung.

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