Irgendwo zwischen Himmel und Hölle

Für den 1. FC Saarbrücken war die ordentliche Mitgliederversammlung am 12.12. der Abschluss eines ereignisreichen Jahres 2016. Neben sportlichen Enttäuschungen, einem neuen Stadion und großem Unmut mit der Führungsebene erlebten Freunde des FCS auch eine gewichtige Umstrukturierung. Während in der ersten Jahreshälfte Resignation, Enttäuschung und Wut ständige Begleiter des FCS waren, wuchs mit Beginn der neuen Saison ein zartes Pflänzchen des Glaubens an bessere Zeiten.

Der Start ins Jahr 2016 hätte schlechter nicht laufen können. Der FCS absolvierte eine lange Vorbereitung, flog in die Türkei ins Trainingslager. Das erfahrene Trainerteam um Falko Götz bereitete die Mannschaft unter teuren Bedingungen auf die Rückrunde in der von Amateurplätzen geprägten Regionalliga Südwest vor. In der Tabelle lief man einem gewaltigen Rückstand hinterher, ein Sieg zum Jahresauftakt in Worms war Pflicht. Doch die Mannschaft zeigte sich lethargisch, ideenlos und uninspiriert und verlor verdient gegen die Wormatia. Das war das jähe Ende des Kapitels Falko Götz in Saarbrücken. Götz hatte sich nie auf seine Mannschaft eingelassen, wollte seine Idee von ballbesitzgeprägtem Fußball auch in der Regionalliga umsetzen. Dass der Mannschaft dazu die Qualität fehlte, wollte er nicht einsehen. Am Ende war Götz ein weiterer großer Trainerfehlgriff in der jüngeren Geschichte des 1. FC Saarbrücken.

Was danach folgte, war ein einziger Offenbarungseid. Der neue Trainer Taifour Diane hatte keine Chance mehr auf den Aufstieg, innerhalb der Mannschaft glaubte niemand an ihn oder den unwahrscheinlichen Erfolg. Spieler wie Felix Luz oder Patrick Zoundi verabschiedeten sich in den vorzeitigen Ruhestand und kehrten dem Verein trotz laufender Gehaltszahlungen den Rücken. Auch Matthew Taylor und David Hohs hielten in der Endphase der Saison nicht mehr die Knochen für ihren Arbeitgeber hin sondern verabschiedeten sich mit leichten Verletzungen in lange Ausfallphasen. Die teuren Neuzugänge aus dem Sommer, Filip Luksik und Solomon Okoronkwo, zeigten sich arrogant und schwach, ihre Leistung auf dem Platz war von einfachen Fehlern und fehlendem Spielverständnis geprägt. Sie alle mussten im Sommer ihre Koffer packen, niemand im Verein weinte ihnen nach.

Zu Jahresbeginn war der FCS nach Völklingen gezogen, weil der Umbau des heimischen Ludwigsparkstadions begonnen hatte. Völklingen bedeutete für den Verein einen drastischen Einbruch der Zuschauerzahlen – auch den desaströsen sportlichen Leistungen geschuldet. Das ungeliebte Stadion in Kombination mit sportlicher Tristesse und der fehlenden Attraktivität der Regionalliga führt aktuell dazu, dass der FCS mittlerweile schon um die 3000er-Marke im Zuschauerbereich kämpfen muss. Dabei wurde in Völklingen alles aus dem Hermann-Neuberger-Stadion herausgeholt: Die Parksituation ist ordentlich, die Fans stehen besser zusammen als im weitläufigen Ludwigspark und Businesscard-Inhaber bekommen deutlich attraktivere Bedingungen geboten als in Saarbrücken.

Dass die Stimmung im Verein trotz all der Missstände aktuell sehr ruhig und positiv ist, liegt vor allem an einem Namen: Seit einem halben Jahr ist Dieter Ferner zurück in leitender Position beim FCS. Er ist Vizepräsident, außerdem wurden die Positionen von Milan Sasic und Thomas Heil durch Marcus Mann und David Fischer ersetzt. Während Mann ruhig, seriös und mit der helfenden Unterstützung Ferners den sportlichen Bereich bearbeitet, hat sich Fischer als zunächst unbeschriebenes Blatt in Saarbrücken schnell einen Namen gemacht. Er geht offensiv auf Fans und potentielle Sponsoren zu und sorgt aktiv dafür, dass sich der Ruf des Vereins in der Öffentlichkeit bessert. Alle drei Neubesetzungen auf der Führungsebene waren bislang Volltreffer. Präsident Hartmut Ostermann hat es im Sommer geschafft, das Schicksal des 1. FC Saarbrücken in verantwortungsvolle Hände zu legen. Dafür hat er sich nach Jahren der Schelte ein Lob verdient.

Auf dem Platz wird der FCS nun endlich wieder von einer Mannschaft vertreten, die sich mit den Farben ihrer Trikots identifiziert und in jedem Spiel an ihre Grenzen geht. Trainer Dirk Lottner und Co-Trainer Robert Roelofsen bilden ein gutes Team, die Mannschaft zeigt Zusammenhalt und Kampfgeist. Erstmals seit vielen Monaten können Fans beruhigt in die Winterpause gehen, und das trotz einigen Rückstands in der Tabelle auf die Relegationsränge. Es macht wieder Spaß, den FCS anzufeuern. Und wenn der Aufstieg in dieser Saison nicht gelingt, sind alle Beteiligten bereit, in der kommenden Saison einen neuen Anlauf zu wagen. Nur so ist sportlicher Erfolg möglich. Der 1. FC Saarbrücken befindet sich nach all den Skandalen und Misserfolgen der Vorjahre endlich auf dem richtigen Weg.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Roman Burg sagt:

    Leider ist die Abwehr seit den Vorbereitungsspielen zu schwach um an Aufstieg zu denken. Daran hat Lottner leider nichts ändern können.
    Und nächstes Jahr ist Schmidt weg…Leichter wirds dann auch nicht.

  2. Lukas sagt:

    Das liegt aber nicht nur an der Abwehr, sondern generell an unserer Spielweise. Die Schwachstelle sind nicht unsere einzelnen Verteidiger. Wenn unser Spiel aufgeht, beschäftigen wir die Gegner so sehr in dessen eigener Hälfte, dass überhaupt keine Gelegenheiten für Gegenangriffe aufkommen. Wenn es allerdings nicht aufgeht, zu sehen in den beiden letzten Spielen des Jahres, stehen wir durch die vorgezogenen Außenverteidiger zu offen.

    Aber warum sollte Schmidt weg sein? Er hat Vertrag bis 2018 und fühlt sich hier wohl. Der Verein hat also erst einmal alles in der eigenen Hand und bekommt im Falle eines Abgangs zumindest eine Ablöse.

    1. Roman sagt:

      Schmidt wird wahrscheinlich gegen Ablöse wechseln, weil er einfach zu gut für die Liga ist und bestimmt höherklassige Angebote bekommt.
      Aber das sind nur Annahmen von mir.
      Hoffen wir, dass die zwei Ersten, Elversberg und Mannheim od. Steinbach, aufsteigen. Ansonsten wird es auch nächstes Jahr ganz, ganz schwierig. Steinbach hat einen finanzkräftigen Sponsor und wird mit uns mithalten können.
      Politisch muss einfach erreicht werden, dass der Erste der Regionalliga aufsteigt. Alles andere ergibt einfach keinen Sinn!

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