Tausend Lichter, eine Stimme

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Es sind Zeiten, in denen einem jeden von uns immer wieder schmerzlich bewusst gemacht wird, wie unwichtig und irrelevant der Fußball eigentlich ist. In Berlin starben am vergangenen Montag elf Besucher eines Weihnachtsmarkts und ein polnischer LKW-Fahrer aufgrund des Willens eines einzelnen Menschen. Trotzdem spielte einen Tag später die Bundesliga, mittwochs trafen sich Berliner im Olympiastadion, die Hertha hatte Heimspiel. Nochmal zwei Tage später füllte sich das zweitgrößte Berliner Stadion, die alte Försterei im Osten der Stadt. Ausverkauft hieß es da. Nicht aber, weil der dort heimische Verein Union Berlin ein Spiel austrug. Die Fans trafen sich, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen.

Und genau an dieser Stelle wird dann wiederum deutlich, welche Kraft der Fußball eigentlich hat. Attentate wie der jüngste Massenmord am Breitscheidplatz haben immer auch das übergeordnete Ziel, uns in unserer Gesellschaft und Kultur zu verunsichern. Kultur, das ist ein großes Wort. Was gehört eigentlich zu unserer Kultur? Während manche Deutsche auf der Straße dafür demonstrieren, unsere Kultur vor Fremden zu schützen, wissen sie in der Regel gar nicht, was das eigentlich ist, Kultur. An dieser Stelle könnten große Namen fallen. Goethe, Schiller, Mann. Aber wer kennt denn heute noch den Inhalt der Glocke oder des Untertanen, außer vielleicht einigen Deutschlehrern und vor Prüfungen auch einigen Abiturienten?

Die Fans der Eisernen zeigen mit ihrem jährlichen Weihnachtssingen par excellence, auf was wir stolz sein können: Allen traurigen Widerständen zum Trotz strömen sie gemeinsam ins Stadion, um zu singen. Sie heben die Köpfe, richten ihre Lichter gen Himmel und gedenken denen, die Opfer wurden von Hass und Gewalt. Manche kommen auch nur, um gemeinsam mit Freunden einen Glühwein zu trinken. Fakt ist aber: Sie alle kommen. Sie verbinden sich mit Gleichgesinnten. Damit schaffen sie ein kulturelles Highlight, das niemanden ausschließt. Sie singen, lachen, gedenken und trauern gemeinschaftlich.

In diesem Sinne wünsche ich allen Saarbrückern, allen Eisernen, allen Fußballfans, allen Nicht-Fußballfans, allen Friedlichen und Fröhlichen, allen Trauernden, allen Mitfühlenden eine besinnliche Zeit mit der Familie, friedliche Tage und einen Teil vom eisernen Spirit: Gemeinsam ist das alles einfach leichter. Fröhliche Weihnachten!

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