Das „Saar-Derby“ und seine Berechtigung

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Der 1. FC Saarbrücken trifft am kommenden Wochenende auf die SV Elversberg. Das Spiel ist von höchster sportlicher Brisanz, ist es für den FCS doch von entscheidender Bedeutung für die Chancen auf einen Aufstieg noch in dieser Saison. Elversberg hingegen hat mit einem Punktgewinn in Völklingen die große Chance, den Relegationsplatz fast schon sicherzustellen. Und auch abseits des Sportlichen hat das Duell mittlerweile eine gewisse Brisanz – heraufbeschworen von regionalen Medien und online aktiven FCS-Fans.

Noch vor wenigen Jahren war an genau dieser Stelle im Blog zu lesen, warum das Spiel Saarbrücken gegen Elversberg niemals das Zeug zu einem Derby hat. Das Duell ist nicht historisch verwurzelt, das Fanpotential beider Vereine sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite steht der Traditionsverein mit großer Vergangenheit, auf der anderen Seite der Dorfklub, dessen Geschichte in Amateurgefilden geschrieben wurde. Kein Wunder also, dass der 1. FC Saarbrücken mehr Fans und Interessenten aufweist als die SV Elversberg. Für die Fans des FCS ist die SVE kein Rivale auf Augenhöhe. Und doch sind sich beide Vereine in den vergangenen Jahren rasant näher gekommen.

Sportlich gesehen ist Saarbrücken gegen Elversberg längst das Nonplusultra des Saar-Fußballs. Während Homburg in den vergangenen Jahren eher vergeblich versuchte, auf das Niveau der beiden Spitzenteams zu kommen, sind Neunkirchen, Völklingen und Saar 05 abgeschlagen. Echte Spannung verspricht da nur das Aufeinandertreffen zwischen FCS und SVE. In Sachen Infrastruktur ist Elversberg dem FCS aktuell sogar voraus: Die SVE spielt im eigenen Stadion, auch wenn die Kaiserlinde so manche Problematik aufwirft und ihr Ausbau nicht reibungslos vonstatten ging. Saarbrücken hingegen kickt seit über einem Jahr in einem Ausweichstadion in Völklingen, das Amateurfußball-Atmosphäre ausstrahlt. Der altehrwürdige Ludwigspark ist abgerissen, seine Zukunft ungewiss. Es ist nicht klar, wann der FCS endlich wieder in die Heimat zurückkehren kann. Klar ist nur, dass bis dahin noch einige Saisons ins Land ziehen könnten.

Und auch in Sachen Zuschauerzahlen hat die SVE aufgeholt. Der aktuelle Schnitt zeigt: In dieser Saison kommen nach Elversberg pro Spieltag noch etwa 800 Zuschauer weniger als nach Völklingen. Natürlich muss beachtet werden, dass Elversberg dabei vom hohen Besuch beim Hinspiel gegen den FCS und vom Umzug der Saarbrücker nach Völklingen profitierte – trotzdem trennen beide Vereine in dieser Hinsicht längst keine Welten mehr. Fakt ist aber auch, dass das Potential des FCS weiterhin in einer ganz anderen Liga spielt als das der SVE – Saarbrücken ist und bleibt der unbestrittene Traditionsverein, der die Menschen im Land mehr bewegt.

Das wird von einigen FCS-Fans in den sozialen Netzwerken allerdings regelmäßig konterkariert. Wer auf der Facebook-Seite der SVE Häme und Spott zurücklässt, wer andauernd betonen muss, dass der FCS der SVE in Sachen Zuschauerzahlen meilenweit überlegen ist, der gibt dem Spiel beider Mannschaften ungewollt die Bedeutung, die er eigentlich ablehnt. Ein Spiel gewinnt an Brisanz, wenn vorher übermäßig viel darüber geschrieben wird. Wer also über die Auswärtsmitreisenden Elversbergs spottet, schafft damit vor allem eines: Die Berechtigung des Begriffs „Saar-Derby“.

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