Offener Brief bezüglich des Ludwigspark-Baustopps

Seit ungefähr zwei Monaten nun ist bekannt, dass der Umbau des Saarbrücker Ludwigsparkstadions vorerst gestoppt ist. Mehrkosten hatten die politischen Verantwortlichen in den Wochen vor der Landtagswahl dazu veranlasst, das komplette Projekt zu stoppen – mit ungewisser Zukunft. Die einzelnen Bauabschnitte sollten neu ausgeschrieben werden, um Kosten zu sparen. Ob das gelingt, steht in den Sternen.

Derzeit ist es völlig ungewiss, ob und wann der 1. FC Saarbrücken wieder in seiner sportlichen Heimat antreten darf. Deshalb habe ich mich in einem Brief direkt an die Oberbürgermeisterin der Stadt Saarbrücken, Charlotte Britz, gewandt. Diesen Brief möchte ich an dieser Stelle veröffentlichen, um dem Thema neue Aufmerksamkeit zu schenken. Die Diskussion rund um den Ludwigspark darf nicht abebben!

 

Sehr geehrte Frau Britz,

  

Mein Name ist Lukas Waschbüsch, ich bin Fan des 1. FC Saarbrücken. Mit wachsender Sorge habe ich im März diesen Jahres die Entwicklungen rund um den Umbau des Ludwigspark-Stadions verfolgt. Der dann leider noch nicht mal mehr überraschende Baustopp hat mich wie viele andere fußballbegeisterte Saarbrücker erzürnt.

Ursprünglich wurden die Kosten des anstehenden Umbaus auf 16 Millionen Euro beziffert – schon damals war jedem halbwegs Politikinteressierten klar, dass die Summe höchstwahrscheinlich nicht würde eingehalten werden können. Die Praxis, große Projekte auf einen Ideal-, um nicht zu sagen Utopie-Preis herunterzurechnen, um das Projekt des Umbaus überhaupt an den Start bringen zu können, ist schließlich gängige Praxis, wie ein Blick auf vergleichbare Um- und Neubauten in der jüngeren Vergangenheit zeigt.

Relativ zügig wurde dann die Kostensteigerung auf knapp 20 Millionen Euro bekanntgegeben – auch diesen Preis hielten viele Außenstehende nicht für realistisch. Mit Recht: Anfang diesen Jahres dann der Anstieg auf (vorläufig) 28 Millionen Euro – erstmals eine realisierbar klingende Summe. Und eine Summe die für scharfe Kritik in der Öffentlichkeit sorgte, beispielsweise in Leserbriefen der Saarbrücker Zeitung. Ein hausgemachtes Problem: Wäre von Beginn an ehrlich kalkuliert worden, hätte man allen Kritikern die spätere Argumentationsgrundlage des „neuen Millionengrabs“ entzogen. Dann wäre es zwar vermutlich ein größerer Kraftakt geworden, das Projekt „Sanierung Ludwigsparkstadion“ überhaupt realisiert zu bekommen, doch es wäre ein ehrlicher Kraftakt gewesen – der im Übrigen letzten Endes auch in politisches Kapital hätte umgewandelt werden können: Ein Großprojekt, das reibungslos und im veranschlagten Kostenrahmen über die Bühne geht, ist heutzutage zur Seltenheit verkommen.

Stattdessen entstand ein wahlpolitisches Theaterspiel auf öffentlicher Bühne: 28 Millionen Euro seien zu teuer, der Bau müsse neu ausgeschrieben werden. Das bedeutet Zusatzkosten, ohne die geringste Sicherheit, dass die Neuausschreibung tatsächlich zu einer Kostensenkung führt. Dem potentiellen Wähler konnten Landespolitiker aber beteuern, sich an die zuvor gesetzten Vorgaben zu halten. Vorgaben, die – wie oben aufgeführt – einer realistischen Überprüfung schon vor Baubeginn nicht standgehalten hätten.

Der große Leidtragende ist der saarländische Fußballfan: Im gesamten Land gibt es kein zeitgemäßes Stadion, die einzige ansehnliche, wenn auch veraltete Alternative ist abgerissen. Übrig geblieben ist eine Tribüne, der Rest des ehemaligen Ludwigsparkstadions gleicht einem Krater. Wie es weitergeht, ist aktuell zumindest in der Öffentlichkeit völlig ungewiss. Der 1. FC Saarbrücken ist in seiner Existenz gefährdet, weil er keine langfristige Perspektive bieten kann: In Völklingen muss er aktuell auf wenig mehr als einem Dorfsportplatz seine Heimspiele austragen. Das kostet Fans, Einnahmen, Attraktivität. Sogar Spieler erklären nun schon öffentlich, das fehlende Stadion sei ein Grund, nicht beim FCS zu unterschreiben (Marco Meyerhöfer in der SZ vom 11.05.17).

Blicken wir einmal in die Zukunft: Der FCS könnte am 25.05. den Saarlandpokal gewinnen und in den DFB-Pokal einziehen. Dann wartet vielleicht ein attraktiver Gegner auf den FCS – möglicherweise sogar der FC Bayern oder Borussia Dortmund. Aber auch gegen Mainz, Köln, Kaiserslautern, Hamburg, Bremen, Schalke oder verschiedene andere attraktive Gegner wären die Zuschauerkapazitäten in Völklingen nicht ausreichend. Und dann? Auch in der noch im Umbau befindlichen Arena in Elversberg sind die Zuschauerkapazitäten arg begrenzt. Ein Umzug nach Kaiserslautern oder gar noch weiter nach Mainz? Schwer vorstellbar und traurig zugleich.

Deshalb appelliere ich hiermit im Namen vieler FCS-Fans an Ihre Verantwortung: Sollte sich nicht bald wieder eine Perspektive für den Ludwigspark eröffnen, steht der 1. FC Saarbrücken vor einer ungewissen Zukunft. Mittlerweile haben sich die Zuschauerzahlen bei knapp 3000 eingependelt, ein Wert, der sicher nicht nur mit der sportlichen Situation zusammenhängt. Ganz im Gegenteil: Seit dem vergangenen Sommer geht es beim FCS bergauf, es könnte endlich die für sportlichen Erfolg notwendige Kontinuität Einzug halten. Doch ohne das Ludwigsparkstadion hat der Verein keine Perspektive.

Und ein sportlich erfolgreicher FCS wäre für die Stadt Saarbrücken und das gesamte Saarland von großer Bedeutung. Das beweist ein Blick nach Mainz: Der dort ansässige FSV war vor gut 10 Jahren noch auf Augenhöhe mit dem FCS. Doch dort wurde hervorragend gearbeitet, kontinuierlich ging es nach oben. Für die Stadt Mainz entwickelten sich riesige Gewinne, die Infrastruktur verbesserte sich enorm, Mainz war auf einmal in ganz Europa ein positiv verbundener Name: Die fröhlichen Karnevalskicker aus Rheinland-Pfalz, die bis in die Europa League vorgestoßen waren.

Solche Szenarien aktuell für den FCS zu entwerfen, wäre vermessen. Dafür ist die Regionalliga als sportliche Heimat zu trist. Doch es geht nur im Paket: Solange der FCS nicht in seiner Heimat antreten kann, ist zwangsläufig eine undurchdringliche Grenze für sportlichen Erfolg gesetzt. Die Existenz dieser Grenze müssen Sie sich als politisch Verantwortliche ankreiden lassen.

Es ist Zeit für eine kreative Lösung: Lassen Sie uns gemeinsam anpacken, was angepackt werden muss. Die Fans des FCS werden sicherlich zahlreich zur Stelle sein, sollte etwa nach Vorbild von Union Berlin in Eigenarbeit etwas auf die Beine gestellt werden. Dafür braucht es aber Ihren Aufruf: Die Stadt Saarbrücken ist schließlich Eigentümerin des Stadions. Oder der Weg wird über Zwischenschritte beschritten: Beschließen Sie schnellstmöglich die Wiederaufnahmen des Baubetriebs, um die neue Haupttribüne in Angriff zu nehmen. Steht diese Haupttribüne mit Funktionsräumen, könnte im Ludwigspark endlich wieder Fußball gespielt werden, die beiden Hintertortribünen könnten dann später oder im laufenden Spielbetrieb in Angriff genommen werden. Vielleicht könnte man so sogar den ursprünglichen Zeitplan einhalten. Es ist Kreativität, Handlungsschnelligkeit und Entscheidungsfreude gefragt. Die aktuelle Situation ist so nämlich nicht hinnehmbar.

 

Mit freundlichen Grüßen und Hoffnung auf baldige Fußballspiele im Ludwigsparkstadion,

Lukas Waschbüsch

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. romanburg@aol.com sagt:

    Hallo Lukas, du hast auch uns aus der Seele gesprochen. Du hast recht, die Stadt hatte in der Ausschreibung  schon so knapp kalkuliert, dass kein seriöser Anbieter die Kostenvorgaben auch nur annähernd einhalten konnte. Dies bestätigte mir mein Nachbar, der mit seiner Firma an der Bewerbung um die Vergabe des Neubaus Ludwigsparks beteiligt war. Du hast ja Vorschläge gemacht. Bin mal gespannt, was draußen wird. Bleib dran! LG Roman Burg

    1. Lukas sagt:

      Freut mich! Zumindest ein bisschen öffentlicher Druck auf die Verantwortlichen würde der Sache schon sehr helfen – Frau Britz ist da ja nur als Repräsentantin an erster Stelle. Gefragt ist der Stadtrat in seiner gesamten Besetzung.

      1. Reinhard sagt:

        Hallo Herr Waschüsch, ganz sicher braucht der FCS ein Stadion, wo dieser viertklassige Verein seine Heimspiele austrägt. Aber doch ganz sicher keins, das 28 Millionen kostet. 3.000 Heimspielbesucher u. alle 5 Jahre mal ein halbwegs attraktiver Bundesligist rechtfertigen eine solche Investition ganz sicher nicht. Da ich fest davon überzeugt bin, dass dieser Verein maximal bei ganz viel Glück mal 3. Liga spielt wird, reicht ein einfaches Stadion aus. Außerdem wird in Kürze ein attraktives Stadion in Elversberg (15 km von Saarbrücken entfernt) fertig gestellt. Im Notfall kann dort gespielt werden. Oder gibt es irgendwo in Deutschland auf einer Entfernung von 15 km zwei Stadien mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern? Demnächst kommt noch jemand u. verlangt den Ausbau des Homburger Stadions.
        Ein neues Stadion ja, aber von den Kosten u. der Kapazität dem Verein angepasst.

      2. Lukas sagt:

        Zunächst mal: Ein Beispiel für zwei Stadien mit über 20.000 Zuschauern in 15 km Umkreis: Frankfurt. München, Berlin, Köln, Hamburg. Gibt es in Deutschland en masse. Außerdem passen in Elversberg 10.000 Leute ins Stadion, in Saarbrücken sollen es 16.000 werden. Ein Stadion für 20.000 Zuschauer existiert also selbst bei Baudurchführung im ganzen Saarland nicht.
        3000 Heimspielzuschauer, die sie nennen, sind auch situationsgeschuldet. In Saarbrücken wären es mehr. Ihre Überzeugung, dass es sportlich nicht mehr nach oben geht, ist legitim, aber kein stichhaltiges , faktenbasiertes Argument. Um die Grundlagen für sportlichen Erfolg zu schaffen, braucht der Verein eine Heimat.
        Außerdem ist ein Stadion der Landeshauptstadt Saarbrücken nicht nur für den 1. FC Saarbrücken da. Die Saarland Hurricanes spielen sehr erfolgreich und vor immer mehr Zuschauern – aktuell im einsturzgefährdeten Neunkircher Ellenfeldstadion. Auch sie benötigen eine Alternative für die Zukunft. Wenn das Saarland weiterhin nichts in sich selbst investiert, wird es auf der Landkarte noch weiter an den Rand gedrängt und die Frage nach der Existenzgrundlage stellt sich immer mehr.

  2. Jürgen krämer sagt:

    Super!,!!,!

  3. Michael sagt:

    Hallo Lukas

    du sprichst mir aus der Seele ,wir versuchen schon seit geraumer Zeit etwas Druck auf die Politik mit div.Briefen,E-mails an Stadtrat ,Innenministerium auszuüben.
    Aktuell planen wir eine Banneraktion zum Pokalspiel (TV Übertragung)
    aber ich glaube vom Verein ,der Fanbetreuung und uns Fans müsst mehr kommen. Was ich nicht verstehe ;
    Wir fahren mit ca.3000 Fans nach Mannheim ,wieso sollten wir das nicht auch für eine Demo vom Rathaus zum Ludwigspark ,oder anders rum schaffen,und wie und wer könnte das organisieren ?

    semperfidelis blauschwarz
    Michael

    1. Lukas sagt:

      Genau das ist der Punkt: Wer Veränderung will, muss so viel Druck wie möglich ausdrücken. Daumen hoch für eure Aktionen!
      So eine Demo muss natürlich angemeldet werden. Solltet ihr das angehen, werde ich euch über den Blog sehr gerne unterstützen und die Demo bewerben und verbreiten, damit wir möglichst alle 3000 Mannheim-Fahrer dazubekommen!
      Viele Grüße,
      Lukas

  4. Pascal Schank sagt:

    Danke Lukas! Du sprichst mir und mit Sicherheit weit mehr als 3000 Saarbrücker Fans aus der Seele. Es wird Zeit das der Druck auf die Verantwortlichen erhöht wird und die ein oder andere Demo stattfindet! Ich komme regelmäßig aus Frankfurt um meinen FCS sehen zu können. Es ist mehr als traurig zu sehen was für ein politikum aus dem angedachten Stadionbau wird/wurde. Ich bete jeden Tag dafür das es endlich mit unserem Stadion weitergeht und geb die Hoffnung nicht auf! Gruß Pascal

  5. Thomas Thiel sagt:

    Im Grunde genommen müsste Saarbrücken als LHS eigentlich ein ‚grösseres‘ Stadion bekommen. Da jedoch leider nur ein Fussballstadion geplant ist, sollte man die Kosten wirklich im Auge behalten. Es ist zwar schade für die 3-10 Tausend FCS Fans, aber die restlichen 950 Tausend Saarländer, welche kein interesse am 1. FCS haben, müssen über die Landesfinanzierung das ganze mitzahlen, wobei wir wirklich dringendere Themen im Lande haben als eine Fussballstätte (ohne Parkmöglichkeiten) für einen 4. klassigen Verein.

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