Kein Zuschauermagnet mehr?

Im ersten Heimspiel der neuen Saison siegte der 1. FC Saarbrücken gestern mit 3:1 gegen Hessen Kassel. Letzten Endes lässt sich von einem nie gefährdeten Sieg sprechen: Der FCS legte eine beeindruckende erste Halbzeit hin, ließ dann zwar in den letzten 45 Minuten die Zügel deutlich schleifen, ermöglichte es den Gästen aus Kassel trotzdem nie, die herausgespielte 3:0-Führung nochmal ernsthaft in Frage zu stellen.Viel enttäuschender als der mannschaftliche Leistungsabfall war dabei für viele Anwesende die Zuschauerzahl. Obwohl der FCS-Fanbereich bestehend aus den Blöcken C und D ordentlich gefüllt schien, waren offiziell nur 3013 Besucher im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion anwesend. Nur wenige Tage zuvor waren Presseberichten zufolge noch mehr als 5000 Saarbrücker Fans nach Elversberg gepilgert, um die Mannschaft beim dortigen Gastspiel zu unterstützen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Spielort Völklingen den FCS viele Zuschauer kostet. Das Hermann-Neuberger-Stadion halten offenbar viele FCS-Fans für ungeeignet, sehen deshalb von einem Besuch ab. Das schadet aber vor allem der Mannschaft und dem Ansehen des FCS. Ein Verein, der trotz einer nicht zu verachtenden Euphorie rund um das neue Team, eines guten Saisonstarts und eines nicht unattraktiven Gegners bei strahlendem Sonnenschein an einem Sonntagnachmittag zum ersten Heimspiel der Saison nicht mehr als 3000 Zuschauer mobilisieren kann, ist im deutschen Fußball definitiv kein Zuschauermagnet mehr.

Die Völklingen-Boykottierer ignorieren eine schwerwiegende Tatsache: Das Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion ist als Ausweichlösung für den FCS alternativlos. Ein Umbau der Saarbrücker Alternativen am Sportfeld oder am Kieselhumes ist aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen. Ein Umzug nach Homburg würde zwar ein besseres Stadion, aber auch eine deutlich weitere Anreise und Woche für Woche hohen Polizeieinsatz aufgrund der Rivalität zum FC Homburg bedeuten und ist deshalb nicht realistisch. Das Neunkircher Ellenfeldstadion ist hochgradig baufällig und ebenfalls mit einer weiteren Anreise aus Saarbrücken verbunden als Völklingen. Und das Stadion in Elversberg bietet weiterhin keine VIP-Logen, dafür aber überteuerte Tribünenplätze, eine schlechte infrastrukturelle Situation und überzogene Mietvorstellungen, die an einen direkten sportlichen Konkurrenten gehen würden.

Der aktuelle Standort Völklingen ist also weitestgehend alternativlos. Gleichzeitig bietet er einige Vorteile: Bis zu einer gewissen Zuschauerzahl bieten die Parkplätze des Freibads direkt neben dem Stadion eine bequeme Anreise für alle Besucher. Der große Vorplatz der Hermann-Neuberger-Halle bietet einen angenehmen Treffpunkt für alle FCS-Fans. Außerdem sind die Fans in C- und D-Block sehr viel kompakter platziert als im weitläufigen Ludwigsparkstadion. Für eine ausreichende Anzahl an Getränke- und Essensständen ist auch gesorgt. Und die Anreise mit dem Zug ist vor allem aus Saarbrücken kommend ganz einfach zu bewältigen. Als Übergangslösung für die Regionalliga ist Völklingen also vollkommen akzeptabel.

Natürlich ist es trotzdem eine individuelle Entscheidung, ob jeder einzelne FCS-Fan nun nach Völklingen pilgert oder nicht. Wer aber nicht nach Völklingen fährt, dafür aber in Elversberg das Auswärtsspiel des FCS besucht, sorgt für eine skurril-ärgerliche Situation: Dank des FCS kann sich die SVE Jahr für Jahr über ein beinahe ausverkauftes Heimspiel freuen. Der FCS hingegen kommt bei Heimspielen gegen Elversberg noch nicht mal auf 5.000 Zuschauer – im April der vergangenen Saison, als es für beide Teams noch um die Chance auf den Aufstieg ging, waren 4.600 Besucher anwesend. Die Zuschauerzahl des Kassel-Spiels zeigt sogar: In Elversberg waren beinahe doppelt so viele Saarbrücker als gestern in Völklingen. Das enorme Interesse am Spiel in der Ursapharm-Arena zeigt vor allem eines: Die SVE gegen den FCS, das ist mittlerweile trotz des anhaltenden Widerstands aus dem Saarbrücker Umfeld tatsächlich ein Saar-Derby. Freuen dürfte das keinen einzigen FCS-Fan.

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