Die Scheinheiligkeit des DFB

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Im Fußball geht es in letzter Zeit Schlag auf Schlag: Ablösesummen schießen in die Höhe, der Videobeweis wurde eingeführt, Stehplätze werden abgeschafft und Tickets immer teurer. Internationale Wettbewerbe werden aufgebläht, das Pay-TV-Konzept breitet sich immer weiter aus. Es geht nur um ein Ziel: Aus einem Sport das perfekte Produkt schaffen, den Goldesel Fußball möglichst effizient zu melken. Nächster Teilschritt dabei ist die Reformation des DFB-Pokals, zu der heute Details bekannt gegeben wurden.

Melkt die Kuh, bevor die Milch versiegt!

Der Fußball ist ein Produkt. Diese Erkenntnis ist nicht neu, sie ist auch nicht überraschend. Ein derart beliebtes Spiel wird natürlich zum Event, wenn die Aufmerksamkeit wächst. Und dass diese Aufmerksamkeit kontinuierlich wächst, dafür sorgen alle beteiligten Verbände und Vereine mit ganzem Herzblut. Beinahe rund um die Uhr kann inzwischen dank auseinanderdividierter Anstoßzeiten und neu erfundenen Wettbewerben Fußball im TV verfolgt werden – vorzugsweise im Pay-TV. Die Champions League beispielsweise ist bald ein reines Pay TV-Produkt – eine frei empfangbare Übertragung ist für die in Frage kommenden Fernsehanstalten schlicht zu teuer geworden.

Gleichzeitig gibt es bei WM, Champions League und anderen Wettbewerben immer mehr Spiele – mehr Spiele, mehr Zuschauer, mehr Einnahmen. Eine einfache Gleichung, die bislang aufgeht. Dass mehr Teilnehmer zwangsweise auch zu uninteressanteren Paarungen führt, die dann vielleicht kein allzu großes Interesse mehr hervorrufen – bislang eine unbestätigte These. Der Fußball kann scheinbar bis zum letzten Tropfen in die Saftpresse gepackt werden – bis auf den letzten Tropfen wird weiterhin gierig aufgesaugt, was unten rauskommt.

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Das letzte Mal ein Topspiel im DFB-Pokal für den FCS? 2012 war der Ludwigspark gegen Borussia Dortmund ausverkauft. Bildrechte: YouTube-Nutzer FCSTicker (Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=YW9egPKVccg&t=29s)

 

Neuestes Objekt des Reformwillens der Entscheider ist der DFB-Pokal. Die DFL hat dafür ein neues Konzept vorgestellt: Eine Multiplikation der Teilnehmeranzahl (natürlich) soll für Profis und Amateure nur Vorteile mit sich bringen. Klingt doch super, oder?

Was hier beobachtet werden kann, ist ein ausgezeichnetes Marketing-Konzept. Bunt verpackt, klingt die Veränderung sehr positiv und für alle von Vorteil – vor allem für die „Kleinen“. Die bekommen dann ja schließlich mehr Geld. Aus fünf Millionen werden 16 Millionen, die verteilt werden können. Die Details: 182 Mannschaften sollen teilnehmen, nur die Spitzenklubs auf den europäischen Startplätzen der Bundesliga sind von einer dem Pokal vorgelagerten Qualifikationsrunde ausgenommen. Sie sollen sich länger im Ausland präsentieren können, statt eine erste DFB-Pokalrunde im August spielen zu müssen.  Im Ausland liegt schließlich jede Menge wirtschaftliches Potential für die Liga.

Außerdem müssten sich dann in Zukunft deutlich weniger Topklubs mit Spielen gegen Amateurvereine herumschlagen. Die Bundesligavereine außerhalb der Europacup-Plätze sowie die Klubs der 2. Liga würden in der Qualifikationsrunde dafür sorgen, dass zahlreiche Amateurklubs die Segel streichen müssen, bevor sie überhaupt auf Bayern oder Dortmund treffen können. Längere Auslandsreisen für die Ligaspitze also – und gleichzeitig keine nervigen Auftritte auf kleinen Sportplätzen der Region mehr. Nur Vorteile!

Das ist die Zukunft des Fußballs in Deutschland: Internationale Konkurrenzfähigkeit soll für einige wenige, börsenorientierte Unternehmen, die nur noch den Namen eines Fußballvereins im eigentlichen Sinne tragen, garantiert werden. Alle anderen schauen in die Röhre. Und die Fans? Sie tragen die scheinheilige Chose des DFB bisher zuverlässig mit: Die Stadien sind ausverkauft, die Pay TV-Sender schreiben schwarze Zahlen. Geäußerte Kritik führt zu Strafen für die Vereine. Man darf sich also auf weitere Pressemitteilungen von DFB, DFL, UEFA und FIFA freuen, in denen Regeländerungen mit Vorteilen für alle verkündet werden. So lange, bis die Milch der Kuh irgendwann versiegt. Bislang ist dieser Zeitpunkt aber nicht in Sichtweite.

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