Shopping-Wahn, Wanderlust und Kuchen-Liebe

25.11.17:

Ein Adidas-Shop. In dieser Form gibt es ihn in jeder größeren deutschen Stadt, und auch in den USA ist die Marke aus Herzogenaurach großflächig vertreten. Die Konkurrenz ist hier allerdings größer. Nicht nur Nike, auch Under Armour, The Northface, Asics oder Sketchers sind hier längst echte Big Player mit vielen eigenen Zweigstellen. Und da ist er nun. Der stinknormale Adidas-Shop. Und in seiner Eingangstür? Zwei ernst dreinblickende Türsteher. Türsteher? Richtig gelesen.

Und die beiden haben ordentlich zu tun. Auf der Straße vor dem Shop lässt sich eine über 10 Meter lange Schlange aus Menschen bestaunen, die darauf warten, in das Geschäft gelassen zu werden. Alles nur, um dort dann für ein Vielfaches des Produktionswerts Sportartikel mit drei Streifen kaufen.

Ich weiß nicht, ob ich eher belustigt oder doch eher irritiert sein soll. Stattdessen suche ich nach einer plausiblen Erklärung. Vielleicht ist heute eine besondere Veranstaltung, etwa eine Autogrammstunde, im Adidas-Shop Santa Monicas. Der liegt mitten auf der 3rd Street, die parallel zur nur wenige Schritte entfernten Strandpromenade verläuft, und zu den schönsten Einkaufsmeilen in ganz LA gehört. Die Sonne strahlt über die Gebäude hinweg, sie lässt selbst die kleinen Souvenir-Tourifallen in der Straßenmitte mit ihren billigen Hüten und Shirts irgendwie aufblühen.

Doch ein Blick zum auf den Adidas-Store folgenden Laden zerstört alle meine Erklärungsversuche unmittelbar. Derselbe Anblick, diesmal handelt es sich um einen Urban Outfitters-Store. Und in der Ferne zwei weitere Geschäfte, die offensichtlich ebenfalls so geil sind, dass es sich lohnt, in der prallen Sonne auf unbestimmte Zeit darauf zu warten, hereingelassen zu werden. Die Amerikaner sind ein seltsames Volk. Oder ich bin einfach immun gegen die Reize des Shoppings. Den Rest des Tages verbringe ich jedenfalls am Strand. Nicht in einer Schlange vor dem Adidas Store.

26.11.17:

Ich hatte nur eine ungefähre Vorstellung von diesem Schild. Von diesen neun Schildern. Neun Schilder, jedes für sich überdimensional groß und aus der Nähe betrachtet irgendwie majestätisch. Neun Buchstaben, die ein Wort ergeben. Ein geflügeltes Wort. Ein Wort, das auf der ganzen Welt nachhallt, das die Augen größer werden lässt. Hollywood.

Heute sind keine Geier zu sehen im Griffith Park. Vermutlich halten sie sich fern von den Massen an Menschen, die die staubigen Wanderwege an diesem Sonntag bevölkern. Auch keine Schlangen oder Löwen kreuzen meinen Weg, den ich hier schweißgebadet Schritt für Schritt absolviere. Es ist ein steiler Anstieg, der von jedem abverlangt wird, der in die Nähe der neun magischen Lettern kommen möchte. Ganz verschiedene Startpunkte können ausgewählt werden, die Touren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Länge und ihres Schwierigkeitsgrads. Ich habe mich für moderate 6,5 Meilen entschieden, hinter mir liegen nämlich bereits rund 15 Meilen mit dem Fahrrad. Einem Klapprad. Ich hoffe, die Amerikaner hatten ihren Spaß beim Anblick dieses „huge german guy“ auf einem Fahrrad mit Reifen, die bezüglich ihres Durchmessers an zwei Bierdeckel erinnern.

28.11.17:

„Happyness. One slice at a time.“

Aromen. Sie schlagen Rad in meinem Mund. Irgendwie weihnachtlich, jedenfalls sehr würzig. Süß. Kalt. Cremig. Köstlich. Es ist nicht anders zu beschreiben, dieses Erlebnis meiner Geschmacksnerven. Während ich kaue, bleibt mein Blick an der Herbstdekoration in der Ecke rechts neben der Glasfassade des Pie Holes hängen. Bunte Kürbisse, getrocknete Maisreben. Dahinter ein Infoschild über die Besitzer des Cafés in purpurnem Blau.

Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben einen Pumpkin Pie probiert und nun, am letzten Nachmittag des Thanksgiving-Wochenendes, ist es endlich so weit. Wie so oft auf meiner Reise ist es eher der Zufall, der mir einen unverhofften Glücksmoment beschert. Der Arts District, in dessen Zentrum das Pie Hole derzeit erfolgreich daran arbeitet, echten Kultstatus zu erlangen, stand schon seit meiner Ankunft vor mehr als einer Woche auf der Liste der Orte, die ich unbedingt besuchen möchte. Doch schiere Größe des Los Angeles County und seine bunte Vielfalt haben einen Besuch bisher zeitlich einfach nicht möglich gemacht.

Die Pie-Karte an der ein paar Meter entfernten Theke bietet täglich neue Kreationen. Heute lassen neben Moe’s Pumpkin Pie auch der Crunchy Cereal Cheese-Pie, Mom’s Crunchy Apple-Pie und der Mexican Dark Chocolate-Pie das Wasser in den Mündern der Kunden zusammenlaufen. Na, Lust auf Kuchen?

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