Auswärts: Jetzt wird gezündet

Es ist nicht das beste Spiel dieser Saison. Der Boden ist feucht, der Himmel grau. Die Saarbrücker Ultras, gemeinhin als die „Virage Est“ bekannt, haben sich in der dem Spielfeld nächstgelegenen Ecke platziert.

„Virage Est“, also die Ostkurve, ist ein Name, der im alten Ludwigsparkstadion entstand. Die namensgebende Ostkurve ist mittlerweile nur noch ein Hang, von Fankultur ist dort nichts mehr zu spüren. Das ist ein echter Tiefschlag für das Selbstverständnis, für die fußballerische Identität der unterstützenden Fans.

Natürlich werden Fahnen geschwenkt. Manche Fans in anderen Teilen des Blocks murren deshalb, beschweren sich über eingeschränkte Sicht. Keiner wendet sich direkt an die Schwenkenden. Eine der größten Fahnen im Block, die der „Clique Canaille“, flattert direkt über den vier Saarbrückern im Wind.

Die Mannschaft hat heute nicht ihren besten Tag. Die Angriffe werden nicht sauber genug zu Ende gespielt, immer wieder verhindern Fehlpässe das sonst so dominante Spiel, kommt Koblenz zu gefährlichen Konterchancen. Doch die Qualität des FCS setzt sich durch, mit 1:0 geht der Favorit in Führung. Yes! Gemeinsames Ausrasten im Fanblock. Arme fliegen in die Luft, aus Gesang wird unkontrolliertes Geschrei. Fans fallen sich in die Arme, klatschen ungelenk ab. Es hat sich gelohnt.

„Ganz egal, wo uns’re Fahnen wehen, jedes Spiel woll’n wir euch siegen sehen!“

Endlich ist es richtig laut. Auch der Saarbrücker Capo hat ein Lächeln auf den Lippen, wie er da vorne den Takt angibt. Die Mannschaft spürt das, will einen nachlegen. Es liegt in der Luft, dieser Zusammenhalt: Die blau-schwarze Gemeinde kann sich hier und heute in Koblenz gegenseitig stärker machen, der anderen Seite etwas zurückgeben.

„Die zünden wirklich. Oh man.“
Es gefällt den vier Saarbrücker Fans nicht, was sie da in der Halbzeitpause sehen. Klar, Pyrotechnik kann cool aussehen, sie gehört für manche auch einfach dazu. Das alles wird eigentlich auch von der breiten Masse akzeptiert. Aber gerade momentan, wo der FCS doch so dringend darauf angewiesen ist, dass der Ludwigspark entweder doch schneller wiederaufgebaut wird oder sich ein anderes Stadion zum Ausweichen findet, sind Negativschlagzeilen Wasser auf die Mühlen aller Kritiker.

Doch im Pulk der Ultras wird diese Sorge offenbar nicht geteilt. Die Halbzeit ist zu Ende, die Mannschaften kommen zurück auf den Platz. Und hinter großen Bannern verborgen leuchten die Fackeln auf, es qualmt und der Block hüpft. Die Hitze ist aus sechs Metern Abstand für die vier Fans nicht mehr wirklich zu spüren, doch sie ist in der Flamme zu sehen. Die leuchtenden Farben spiegeln sich in den Augen der springenden Ultras, die Gesichter bis zur Nasenspitze vermummt. Eine Menge Ordner haben sich vor dem Block postiert, der Stadionsprecher macht eine Durchsage. Hört doch bitte auf! Doch es scheint, als sei das alles Teil des Procederes. Es schreitet niemand ein, die Empörung hält sich in Grenzen. Genauso wie die so oft beschworene Verletzungsgefahr.

Am wenigsten Verständnis zeigen wohl die Leidensgenossen der Ultras hier im Koblenzer Gästeblock. Es herrscht breites Unverständnis. Was das wieder kostet. Und dann auch noch die Stadionsache. Das sind doch alles Idioten.

Das Spiel endet 1:1, Saarbrücken zeigt eine schwache zweite Halbzeit. Am Ende kann man froh sein, den einen Punkt noch mitgenommen zu haben. Die Spieler kommen zum Zaun, die vier Saarbrücker stehen gemeinsam mit vielen anderen Fans parat. Abklatschen nach der gemeinsamen Schlacht, erklärt einer von ihnen. Das war hier in Saarbrücken lange Jahre nicht so. Doch die neue Mannschaft hat Herz, sie spielt leidenschaftlich, sie lebt den Verein. Das gefällt den Fans. Und so wird auch ein Unentschieden beim Abstiegskandidaten vergeben. Die Gesichter der Spieler verraten ohnehin, dass vor allem sie selbst unzufrieden sind.

So geht es schließlich zurück zum Auto. Richtig gut war das heute nicht. Und dann auch noch die Pyro. Aber gelohnt hat es sich trotzdem. Einfach nur für dieses Gefühl, eine solche Fahrt an einem verregneten Donnerstag auf sich zu nehmen. Dann ein beschissenes Spiel zu sehen. Aber eben in der Gemeinschaft. Als Einheit. Fans und Mannschaft, gemeinsam für das große Ziel. Das soll am Ende der Saison der Aufstieg sein. Den kann man den Mitgereisten auch nur wünschen.

Was denkst Du? Lass es uns wissen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.