Altersprüfung bei minderjährigen Flüchtlingen?

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Nach einer Gewalttat im rheinland-pfälzischen Kandel, wo ein minderjähriger Flüchtling seine 15-jährige Freundin erstochen hat, kocht in den sozialen und den traditionellen Medien die Diskussion hoch, ob angeblich minderjährige Flüchtlinge obligatorisch medizinisch auf ihr tatsächliches Alter hin überprüft werden sollten. Zwei Seiten dieser Forderung:

Wer nichts zu verbergen hat, kann sich überprüfen lassen

Wer in Deutschland lebt, ist seit mehreren Jahren beinahe tagtäglich mit dem Themenspektrum „Asylpolitik“ konfrontiert. Nach der Willkommenskultur kam der Aufstieg der AfD, in den letzten Monaten schien sich die Diskussion etwas beruhigt zu haben. Doch eine dauerhafte und für die Mehrheit akzeptable Lösung findet sich nur, wenn Rechte von Flüchtlingen im Gleichschritt mit Pflichten durchgesetzt werden. Das vorliegende Recht also könnte in diesem Fall der Familiennachzug minderjähriger Geflüchteter sein – Kinder und Jugendliche brauchen gerade in einem fremden Land die Obhut ihrer Eltern. Doch da ist eben auch die andere Seite der Medaille: Für syrische Familien ist im Zuge eines geregelten Familiennachwuchses die einfachste Lösung der Flucht, den minderjährigen Sohn vorzuschicken. Das werden viele nicht nachvollziehen können, doch natürlich suchen Menschen in Zeiten besonders großer Not die erfolgversprechendste Lösung. Deshalb ist es umso wichtiger, Klarheit über das wirkliche Alter der Ankommenden zu haben. Wer seine Minderjährigkeit dokumentieren kann, darf bleiben und einen Antrag auf Familiennachzug stellen. Wer sie nicht dokumentieren kann, darf sich entweder medizinisch untersuchen lassen oder muss damit leben, als volljährig eingestuft zu werden. So einfach könnte es sein. Mit Unmenschlichkeit hätte das nichts zu tun.

Das Alter lässt sich medizinisch überhaupt nicht exakt bestimmen

Rechte, Pflichten. Familiennachzug, Fluchtursachen. Es sind Worte, die in den vergangenen Tagen wieder vermehrt zu hören waren. Warum? Weil sich unsere Gesellschaft mal wieder auf Polemik als kräftigstes Stilmittel geeinigt hat. Eine Beziehungstat in Rheinland-Pfalz und die AfD schreit „Zensur!“, weil kein Brennpunkt gesendet wird. Und die CSU steigt munter ein. Die bayrische Forderung: Ab sofort müssen sich ankommende Flüchtlinge, die proklamieren, minderjährig zu sein, medizinisch untersuchen lassen. Das hat zwar nichts mehr mit der Tat des definitiv minderjährigen Afghanen in Kandel zu tun, stößt bei vielen aber auf offene Ohren. Doch die Fakten werden außer Acht gelassen. Eine medizinische Untersuchung des Alters ist bisher in Deutschland überhaupt nicht standardisiert. Und sie führt nur zu einer Altersdiagnose, nicht zu einem exakten Nachweis des Geburtsjahrs. Ein bisschen mehr Sachlichkeit würde der Diskussion gut tun. Natürlich kann man über verstärkte Maßnahmen der Altersüberprüfung ankommender Flüchtlinge diskutieren. Man muss aber nicht wie die CSU gleich die Wörter „medizinisch“ und „obligatorisch“ gemeinsam in den Ring werfen. So wird die gesellschaftliche Streitkultur nur weiter radikalisiert.

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