Die ARD in der Kritik

In den vergangenen Tagen prasselte jede Menge Kritik auf die öffentlich-rechtlichen Journalisten der ARD ein. Sie seien parteipolitisch nicht neutral, hieß einer der Vorwürfe. Auslöser war die Wahl des neuen Spitzenduos der Grünen, Robert Habeck und Annalena Baerbock. Vor allem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kritisierte, ARD-Journalisten hegten unverhohlene Sympathien für die Grünen und seien dementsprechend wenig neutral.

Die Hetzkampagne kommt in Fahrt

Was die FAZ in den vergangenen Monaten angeschoben hat, ist eine Hetzkampagne der übelsten Sorte. Offensichtlich haben die Verantwortlichen eine allgemeine Stimmung in der Bevölkerung gegen die Gebühren für ARD und ZDF verspürt. Damit reiht sich die FAZ munter bei Rechtspopulisten wie der AfD ein – die fordern schließlich ebenfalls seit Jahren die Abschaffung der „Zwangsgebühren“. Konkreter Auslöser der FAZ-Kritik war ein Tweet der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel. Sie sah in der Grünen-Wahl ein wichtiges Signal für die politische Zukunft: Frische, unverbrauchte Gesichter werden gewählt, während die bislang öffentlich im Fokus stehenden Amtsvorgänger einen Schritt zurücktreten. Doch Hassels Tweet wie die FAZ als „Juchz-Meldung“ im „Cheerleader-Stil“ zu beschreiben, ist die eigentliche Manipulation. Während Hassel in Zeiten voranschreitender Politikverdrossenheit ihre eigene Meinung bezüglich dem gerade bei den GroKo-Verhandlungen zu beobachtenden Macht-Klammern der führenden Politiker dieses Landes geltend machte, haut die FAZ munter auf die Öffentlich-Rechtlichen drauf. Denn die sind schließlich ungleiche und marktzerstörende Konkurrenten im Medien-Business. Mit diesem Mitleids-Gesuch hatte das ARD-Bashing der FAZ vor Monaten begonnen.

Neutralität muss das höchste Gebot eines öffentlich-rechtlichen Senders sein

Es geht bei der ARD-Diskussion nicht nur um Tina Hassels Tweets bezüglich der grünen Vorsitzenden-Wahl. Beinahe zeitgleich nämlich stand die Frage im Raum, ob die Tagesschau einen gezeigten Ausschnitt einer Trump-Rede in Davos manipuliert hatte. Trump beschimpfte da die Presse – und wurde ausgebuht. Das war allerdings im verwendeten Videoausschnitt ursprünglich nur zu erahnen. Also drehte die ARD den Regler der Atmosphäre hoch und den Regler Trumps runter. Nun waren die Buh-Rufe deutlich erkennbar. Man kann jetzt argumentieren, die Tagesschau habe lediglich die Stimmung innerhalb des Saals wiedergeben wollen. Schließlich stehen die aufzeichnenden Mikrofone am Pult und nicht dort, wo gebuht wurde. Doch die Frage steht natürlich im Raum: Wie weit darf man als Tagesschau gehen? Wer entscheidet, ob es sich um Manipulation oder lediglich um neutrale „Stimmungswiedergabe“ handelt? Die Tagesschau wandelt jedenfalls auf sehr dünnem Eis. Und dann auch noch die Hassel-Tweets – da darf sich bei der ARD niemand über Kritik beschweren. Den Kritikern und „Lügenpresse“-Schreiern wurden in den vergangenen Tagen Argumente am laufenden Band geliefert. Statt sich zu rechtfertigen, sollte man bei den Öffentlich-Rechtlichen vielleicht wirklich mal ergebnisoffen über die eigene Neutralität nachdenken.

Bild: freeGraphicToday/Pixabay

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