Wie verändert sich Arbeit innerhalb unserer Gesellschaft?

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Im Tarifkonflikt zwischen der IG Metall und der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg ist zu einem relativ schnellen Kompromiss gekommen. Das Ergebnis kann sich für beide Seiten sehen lassen: Sowohl Gewerkschafter als auch Arbeitgeber haben wichtige Punkte durchgesetzt. Ins Rollen kamen die Verhandlungen vor allem durch sehr wirkungsvolle 24-Stunden-Streiks der IG Metall, die bewiesen, wie kraftvoll Gewerkschaften auch heute noch sein können. Einer der wichtigsten Stichpunkte im ausgehandelten Vertrag: Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit in Zukunft für maximal 24 Monate auf 28 Wochenstunden absenken. Weil gleichzeitig die Arbeitgeber verschiedene Eingeständnisse von den Gewerkschaften erlangten, sollte gewiss nicht von einer Revolution des Arbeitsalltags in Deutschland gesprochen werden. Doch es könnte ein zukunftsträchtiger Schritt gewesen sein, den die IG Metall in Baden-Württemberg da erkämpfte.

Endlich nähert sich die Arbeit der gesellschaftlichen Entwicklung an!

Worum geht es uns in unserem Leben eigentlich? Das Hauptziel der meisten Menschen lässt sich wohl ziemlich einfach auf einen Nenner bringen: Wir wollen erreichen, dass wir selbst und unsere Nächsten eine möglichst gute Zeit und eine noch bessere Zukunft haben. Dafür arbeiten wir. Wir sind Teil einer Gesellschaft und erfüllen unsere Pflichten, um Anspruch auf unsere Rechte und damit auf ein schönes Leben zu haben. Doch wo ist die zeitliche Grenze? Wann arbeiten wir nur noch der Arbeit willen und nehmen uns durch die Eingebundenheit in den Job selbst die Chance auf ein selbstbestimmtes, schönes Leben? Geht es immer nur um mehr Geld oder geht es nicht viel eher darum, das vorhandene Geld in die erhoffte schöne Zeit zu investieren? Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir fordern mehr Zeit ein für Familie und Freunde. Das Leben bietet mehr als nur fünf Tage voller Arbeit, die dann im Wochenende enden, das erschöpft auf der Couch liegend die nötige Erholung bringen soll. Mit einer 28 Stunden-Woche bewegen wir uns weg vom Zwang, Geld zu häufen. Und wir nehmen uns Zeit dafür, unser Leben sinnvoll zu nutzen. Deshalb ist dieser Schritt einer in die absolut richtige Richtung!

Gesellschaftliche Veränderung lässt sich nicht herbeiverhandeln

Nun haben Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie also die Möglichkeit, für zwei Jahre ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verringern. Und dann? Bezahlt wird immer noch nach Stundenlohn. Wie finanziert der Familienvater denn die neu gewonnene Freiheit, wenn er zuvor sieben Arbeitsstunden mehr pro Woche und damit ein erheblich höheres Monatseinkommen hatte? Alleinerziehende können nun also mit weniger Arbeitsstunden dafür sorgen, dass Zeit für den Nachwuchs bleibt. Der Spross kann dann aber vielleicht nicht mehr wöchentlich zum Gitarrenunterricht gehen, weil das Geld fehlt. Gesellschaftlicher Umschwung ist wichtig und wünschenswert, aber er wird nicht durch einen einfachen Tarifvertrag der IG Metall in Baden-Württemberg umgesetzt. Dafür bedarf es mehr – von mehr Branchen, von mehr Gewerkschaften und ganz einfach auch von mehr Betroffenen. Fachkräftemangel, Digitalisierung, Automatisierung. Die Arbeitswelt steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Unabdingbar ist für die Zukunft ein hohes Maß an Flexibilität. Es geht nicht um festgelegte Stundenwochen. Diese zeitweise abzusenken, ist nicht mal ein erster Schritt, sondern ein Denken in falschen Schubladen. Das wird sich vielleicht schon bald zeigen, wenn die anstehenden Veränderungen wirklich spürbar werden.

Foto: Tama66/Pixabay

 

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