Kostenloser ÖPNV?

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Gestern tauchte in den Medien das Gerücht auf, die Bundesregierung erwäge einen kostenlosen ÖPNV in ganz Deutschland. Als Grund dafür wird der Umweltschutz genannt – könnten Busse und Bahnen kostenlos genutzt werden, würde automatisch weniger Auto gefahren, so die Hoffnung. Diesem Gedankengang folgen andere Parteien seit vielen Jahren – die Piraten etwa, die Linke oder die Grünen haben alle schon einmal einen kostenlosen ÖPNV vorgeschlagen. Nun zieht also die Bundesregierung nach – aus gutem Grund?

Kostenloser ÖPNV könnte unserer Gesellschaft vieles erleichtern

Die Deutschen fahren viel zu viel Auto. Dieses Problem hat im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass wir unseren CO2-Ausstoß nochmals erhöht haben – und das, obwohl seit Jahren bekannt ist, wie gefährdend die Abgasverschmutzung unserer Luft für die Umwelt und für unseren Körper ist. Das Problem bisher ist auch, dass die Alternativen fehlen. E-Autos sind für Menschen, die täglich größere Strecken zurücklegen müssen, keine Option. Viel zu gering ist die Reichweite der verbauten Akkus bislang. Das Hybrid-Modell hat sich (noch) nicht durchgesetzt, entsprechende Modelle sind bislang rar und teuer. Zumindest daran könnte sich in naher Zukunft aber etwas ändern. Trotzdem sind Hybrid-Autos noch kein Allheilmittel. Viel wichtiger wäre es, dass mehr Gesellschaftsgruppen auf unnötige Autofahrten verzichten würden. Und wäre die Nutzung des ÖPNV kostenlos, brächte das gerade für Gelegenheitsnutzer riesige Vorteile mit sich. Die wöchentliche Bummelfahrt ins Stadtzentrum könnte bequem mit dem Bus erledigt werden. Arbeitnehmer könnten die Straßenbahn zum Arbeitsplatz nehmen und unterwegs schon einmal Mails checken oder sich anderweitig auf die anstehenden Aufgaben vorbereiten. Dank schneller Busspuren müsste man in den Stoßzeiten im Vergleich zur Autofahrt noch nicht einmal große Zeitverluste beklagen. Kostenloser ÖPNV wäre vielleicht ein geradezu revolutionärer Vorstoß in Sachen Mobilität unserer Gesellschaft – vorausgesetzt, die Nahverkehrsnetze würden in Zukunft trotzdem weiter ausgebaut werden.

Kostenloser ÖPNV ist aktuell nur Traumtänzerei

Die Hamburger Verkehrswerke waren die ersten und sie werden nicht die einzigen bleiben: Mahnende Stimmen, die auf die nicht zu stemmende Finanzierung eines kostenlosen ÖPNVs hinweisen. In Hamburg spricht man von Kosten in Höhe von 830 Millionen Euro pro Jahr – diese Summe wurde insgesamt auch in die Elbphilharmonie investiert. Die Hamburger greifen ein sehr plakatives Beispiel auf, bringen es aber eigentlich auf den Punkt: Wer den ÖPNV komplett auf Staatskosten finanzieren will, muss automatisch eine Qualitätsabnahme in Kauf nehmen. Dann muss der Rotstift angesetzt werden, um Sparpotentiale zu erkennen. Und das Resultat? Wir hätten dann zwar kostenlose Busse und Bahnen, die den Steuerzahler sehr viel Geld kosten, die Anbindung aber wäre viel zu schlecht, um der Masse an Berufstätigen eine zuverlässige Transportmöglichkeit zu gewährleisten. Wer also kein nachhaltiges Finanzierungs-Konzept im Kopf hat, sollte bei der Idee kostenlosen ÖPNVs vorerst nicht in Jubel ausbrechen. 

Foto:  hpgruesen/Pixabay

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