Brauchen wir öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

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In der Schweiz wird am Sonntag über die Existenz des dortigen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks abgestimmt. Die Initiative „No-Billag“ möchte die für alle Bürger verpflichtende sogenannte Billag-Abgabe zur Finanzierung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) abschaffen. Stattdessen solle die SRG finanziert werden, indem nur die tatsächlichen Nutzer des Angebots bezahlen. Zwangsgebühren! Pay-TV für Arme! Die Argumente der Billag-Gegner sind laut und populär. Doch was passiert mit einer Gesellschaft ohne öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Kann der freie Markt wirklich für ausgewogene Information sorgen oder wird die Bevölkerung dann nur noch mit wirtschaftlich lukrativen Informationen gefüttert?

Eine Demokratie braucht unabhängigen Rundfunk

Private Medien sind nicht unabhängig. Sie brauchen Reichweite, um Werbeeinnahmen zu generieren. Deshalb stürzen sie sich auf populistische Meinungen, Aussagen und Themen. Nur, wer die Masse erreicht, kann sich über Wasser halten. Und wie erreicht man die Masse? Meistens schafft man das, indem man am lautesten schreit. Der deutsche Sender Sat.1 hat dafür vor wenigen Tagen ein perfektes Beispiel geliefert. Er teilte aufmerksamkeitswirksam einen Kommentar von Nachrichtenchef Claus Strunz, der Kanzlerin Merkel als hart und unnachgiebig gegenüber Deutschen, dafür aber freundlich und hilfsbereit gegenüber Ausländern bezeichnet. Diese völlig hanebüchene, weil auf Gefühlen und emotionalen Einschätzungen ohne faktischen Hintergrund beruhende Meinung wurde in den sozialen Medien zuhauf geteilt und vielerorts als Wiedergabe von Fakten wahrgenommen. Wenn Information aufgrund der Abschaffung öffentlich-rechtlichen Rundfunks bald einzig und allein auf diese Weise funktioniert, ist das ein weiterer Schritt der Radikalisierung unserer Gesellschaft. Unsere Demokratie braucht öffentlich-rechtlichen Journalismus, der auf Normen und Werten statt auf finanziellen Antrieben beruht, heute mehr denn je.

Die Wut der Kritiker öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nachvollziehbar

17,50 Euro pro Monat, und trotzdem wird von ARD und ZDF mehr Geld gefordert. Und wofür? Das zeigt ein Blick ins Programmheft. Sport über die Maßen, Telenovelas, Volksmusik. Zwischendurch immer mal wieder Information. Doch der Unterhaltungs-Anteil überwiegt eindeutig. Für Unterhaltung zahlen heutzutage viele Menschen monatliche Gebühren bei Unternehmen wie Netflix, Amazon oder Sky. Die dort gebotene Qualität übersteigt öffentlich-rechtliche Unterhaltung in den Augen vieler deutlich. Wofür also 17,50€ bezahlen? Damit sich die zahlreichen Mitarbeiter der öffentlich finanzierten Rundfunkanstalten nicht um ihren Job sorgen müssen? Natürlich braucht eine Gesellschaft ausgewogene Information. Doch wer immer mehr Geld fordert und dafür qualitativ in der Masse minderwertige Unterhaltung oder stundenlange Sportübertragungen anbietet, der beraubt sich selbst seiner Argumente. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, über eine Freistellung der GEZ auch in Deutschland ernsthaft zu diskutieren. Wer die Öffentlich-Rechtlichen finanzieren will, darf ihre Angebote nutzen. Alle anderen werden ausgesperrt. Dann merken die Produzenten schnell, wie sie Geld wirklich effektiv einsetzen können. Und die ÖRR-Verweigerer merken womöglich schnell, wie wertvoll ausgewogene Information eigentlich wirklich ist. Es könnte einen Versuch wert sein.

Foto:  geralt/Pixabay

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