Deutschland und der Islam

Wie ist das Verhältnis zwischen Deutschland und dem Islam? Diese viel diskutierte Frage kocht seit Jahren immer wieder hoch. Angestoßen wurde sie etwa vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, als der 2010 öffentlich erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland. Erstmalig geäußert hat diese Ansicht Wolfgang Schäuble bereits 2006 während der Eröffnung der ersten Islamkonferenz. Eigentlich sollte man also meinen, die von führenden Politikern geäußerte Einschätzung sei heute, im Jahr 2018, allgemein akzeptiert. Doch das ist sie offenbar nicht, wie konservative Politiker der CSU gerade eindrucksvoll veranschaulichen.

Horst Seehofer und Alexander Dobrindt haben kurz nach der Arbeitsaufnahme der neuen GroKo, in der Seehofer Innenminister ist, das Fass wieder einmal aufgemacht. Der Islam gehört nicht zu Deutschland, sagen sie. Damit stoßen die beiden Politiker Millionen Muslimen im Land vor den Kopf, bremsen laufende Integrationsprozesse. Doch warum tun sie das? Lassen sich ihre Äußerungen rechtfertigen?

Seehofer und Dobrindt wollen ihr Profil schärfen

Gehört der Islam zu Deutschland? Genau genommen geht es in der aktuellen Debatte gar nicht um diese Frage. Es geht viel eher um politisches Taktieren, um die grundsätzliche Art, wie wir uns in Deutschland alltägliche Politik vorstellen. Der Großen Koalition der vergangenen Jahre wurde oft vorgeworfen, sie sei langweilig und ein Motor für die Politikverdrossenheit im Land. Nun sorgen Seehofer, Dobrindt und auch der CDU-Minister Jens Spahn mit sehr konservativen und sehr umstrittenen Äußerungen dafür, dass im ganzen Land wieder hitzig über Politik diskutiert wird. Das geschieht auf dem Rücken von allen deutschen Muslimen, die in den vergangenen Jahrzehnten große Mühen in ihre eigene Integration gesteckt haben. Doch eine Diskussion ist immer zweiseitig, und das ist das Positive an Seehofers und Dobrindts geäußerten Einschätzungen. Nun kann sich einerseits die Sozialdemokratie, andererseits die liberale Mehrheit des Landes entschieden gegen die Islam-Ablehnung stellen. Und wenn Seehofer und Dobrindt eine sachliche Debatte heraufbefördert haben, in der Argumente ausgetauscht werden, in der sich Menschen dazu genötigt sehen, eine politische Meinung zu äußern und sich hinter Schwächere zu stellen, dann hat die öffentliche Profilierung, das Anbiedern der CSUler an die Wähler der AfD für uns alle einen positiven Effekt.

Sucht euch einen neuen Spielplatz!

Konservativismus. Rechtsruck. Tradition. Horst Seehofer und Alexander Dobrindt dürfen sich gerne auf all das berufen, sie dürfen gerne eine politische Richtung vertreten, sie dürfen ihr Profil schärfen und auf Stimmenfang am rechten Rand gehen. Doch es muss endlich Schluss damit sein, dieses politische Profilierungsgehabe auf dem Rücken Schwächerer auszutragen. Seit Jahrzehnten wird in Deutschland gefordert, jeder Einwanderer müsse sich aufopferungsvoll in unserem Land integrieren. Das tut die große Mehrzahl der hier lebenden Migranten auch. Gleichzeitig ist einer der obersten deutschen Werte die Religionsfreiheit. Wir sind kein vom Christentum abhängiger Staat, die Mehrheit der Deutschen glaubt gar nicht mehr an Gott. Und was tun die CSU-Politiker? Sie missachten die Religionsfreiheit, sie treten alle Integrationserfolge der in Deutschland lebenden muslimischen Migranten mit Füßen. Sie behaupten im Jahr 2018, die Religion von einem nicht zu verachtenden Teil der deutschen Bevölkerung sei kein Teil Deutschlands. So absurd diese Diskussion ist, so wütend kann sie machen. Wähler wirbt man nicht von der AfD ab, indem man den dort verbreiteten, nationalen Schwachsinn kopiert. Macht euren Job und spart euch das Sprücheklopfen, vielleicht bekommt ihr dann bei der nächsten Wahl auch wieder mehr Stimmen.

Bild: lapping/Pixabay

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