50+1: Elf Freunde wollt ihr sein?

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In Deutschlands Fußballlandschaft wird mal wieder diskutiert. Zur Debatte steht die 50+1-Regel, die den deutschen Fußball vor dem Einfluss alleinherrschender Investoren schützen soll. In anderen europäischen Ligen gibt es ein Pendant zur 50+1-Regel nicht. Das führt unter anderem dazu, dass deutsche Fußballvereine im internationalen Vergleich finanziell nicht in der obersten Liga mitspielen können. Doch die Regel ist auch der Grund, warum deutsche Fußballvereine trotz enormer Kommerzialisierungs-Fortschritte in den vergangenen Jahren immer noch unvergleichlich lebendig und bunt daherkommen. Was würde passieren, wenn der DFB die 50+1-Regel nun kippt?

50+1 ist die letzte Bastion der deutschen Fußballkultur

Martin Kind, Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, gehört zu den bekanntesten Kritikern der 50+1-Regel. Er ist Gesicht einer Kampagne, die immer lauter wird: Die Regel muss fallen oder modifiziert werden, um heimischen Investoren die Möglichkeit zu gewährleisten, ihre Herzensvereine endlich an die Spitze des europäischen Fußballs zu führen. Was klingt wie im Märchen, stammt auch aus einem Märchen. Dem Märchen der gönnerhaften Spender, die ihr Geld selbstlos in die Geschicke eines Fußballklubs stecken. Martin Kind etwa behauptet von sich selbst, in den vergangenen Jahren fast 50 Millionen Euro in Hannover 96 gesteckt zu haben. Dabei rechnet er sich die Zahlen extrem schön. Eigentlich lag sein realer Einsatz nur bei etwa 20 Millionen Euro. Eine Millionen pro Jahr – das ist viel Geld. Bei einem Geschäftsmann vom Kaliber Martin Kinds allerdings, der ein Netto-Jahreseinkommen von schätzungsweise 10 Millionen Euro aufweist, relativiert sich diese Zahl erheblich. Weg vom Märchen, hin zur Realität: In England gibt es keine 50+1-Regel. 13 Vereine der obersten Fußballliga sind dort in der Hand ausländischer Investoren. Die Tickets für einzelne Spiele sind kaum mehr zu bezahlen, liegen im Durchschnitt fast bei 100 Pfund. Wie soll ein Familienvater seine Kinder noch mit ins Stadion nehmen, wenn dazu beinahe ein halber Monatslohn draufgeht? Die Stadien füllen sich also mit Reichen und Touristen, die zum Urlaubsvergnügen die horrenden Preise in Kauf nehmen. Das führt dazu, dass die Stimmung in englischen Stadien mittlerweile oft der in einem Freizeitpark gleicht. Heutige Spiele von Manchester United lassen den Traditionsfan daran zweifeln, ob das überhaupt noch derselbe Verein ist wie der, der vor 15 Jahren sagenhafte Erfolge im Old Trafford feierte. Der Reiz des Stadionbesuchs verschwindet immer mehr, er wird nur noch von der Anziehungskraft der künstlich gepushten Fußball-Stars am Leben gehalten. Und will man wirklich ein halbes Vermögen ausgeben, um live zu erleben, wie etwa ein Neymar sich nach jedem Zweikampf dreimal auf dem Boden rollt?

50+1 verhindert eine deutsche Konkurrenzfähigkeit im internationalen Vergleich

Warum sind kleine Jungs und Mädchen begeistert vom Fußballsport? Wegen Pyrotechnik im Fanblock? Wegen Gewaltausschreitungen nach dem Spiel? Sicher nicht. Die junge Generation sieht Fußball im TV, sie ist begeistert von den Künsten eines Messi. Sie ist beeindruckt von den Toren eines Ronaldo und erstaunt von der Übersicht eines Paul Pogba. Diese Fußballstars wollen sie live im Stadion erleben. Und wo können sie das tun? In England, in Frankreich, in Spanien. In Deutschland sind Transfers von echten Hochkarätern nicht realistisch. Dazu fehlt den Vereinen das Geld. Sie sind abgehängt worden vom wirtschaftlich denkenden Ausland. Während sich junge Fußballfans also Trikots von Barcelona, Paris oder Arsenal London zu Weihnachten wünschen, erreichen deutsche Vereine in Europa keine Erfolge mehr. Der Teufelskreis dreht sich weiter. Es ist überfällig, die 50+1-Regel zu lockern und Investoren mehr Möglichkeiten zu geben, den deutschen Fußball nach vorne zu bringen.

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