Der Fall Hajo Seppelt: Was ist uns Pressefreiheit wert?

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Russland hat dem deutschen Sportjournalisten Hajo Seppelt das Visum und damit die Einreisemöglichkeit zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer verweigert. Grund ist die Arbeit Seppelts in den vergangenen Jahren, als der ARD-Reporter mit Reportagefilmen das staatlich organisierte Doping-Netzwerk der Russen enttarnte. In Russland gilt Seppelt seither als Persona non grata. Offen ist nun, wie FIFA, DFB und Deutschland auf die politische Entscheidung reagieren.

Jetzt müssen unsere Werte im Vordergrund stehen

Die Hoffnung darauf ist leider allzu gering. Doch eigentlich ist spätestens jetzt ein Zeichen gefragt. Während ganz Deutschland sich am laufenden Band über die Festnahmen von Journalisten in der Türkei aufregt, darf ein deutscher Journalist einzig und alleine aufgrund seiner Arbeit im Sommer nicht nach Russland reisen. Er darf nicht über die Fußball-Weltmeisterschaft berichten, weil er dem Gastgeberland ein Dorn im Auge ist. Damit verstößt Russland eindeutig gegen FIFA-Statuten. Wie die FIFA reagieren sollte? Mit empfindlichen Strafen. Wie der DFB reagieren sollte? Diese Frage ist dann schon schwieriger zu beantworten. Sie trifft nämlich ins Mark: Eigentlich kann die Konsequenz nur Folgende sein: Deutschland muss die die WM in Russland boykottieren. Fußball steht für Werte, er soll die Gesellschaft besser machen. Damit prahlt zumindest der DFB. Dann darf er sich nicht in einem Land präsentieren, dass die Pressefreiheit sogar am Beispiel eines deutschen Journalisten mit Füßen tritt. Die Devise müsste lauten: Entweder wir dürfen alle einreisen – oder es kommt niemand. Kein Seppelt, also auch kein Kroos. Kein Gomez, kein Neuer und kein Löw. Deutschland tritt bei Weltmeisterschaften nur dann an, wenn es sich mit den vom Gastgeberland vertretenen Werten identifizieren kann. Doch das dürfte ein frommer Traum bleiben.

Pragmatismus ist gefragt, auch wenn er schmerzt

Es kann niemandem gefallen, dass deutsche Journalisten nicht zu einem monumental bedeutsamen Sportereignis reisen dürfen, weil ihre Arbeit dem austragenden Land nicht passt. Doch für heftige Empörung seitens der Verbände und der deutschen Politik ist es eigentlich viel zu spät. Wie in Russland mit Andersdenkenden und Regimekritikern umgegangen wird, ist nicht erst seit der Visums-Verweigerung für Seppelt, sondern schon seit vielen Jahren bekannt. Trotzdem wurde die WM an Russland vergeben, trotzdem macht man auch beim DFB seit Monaten fleißig Werbung für das Turnier. Nun öffentlich Druck ausüben zu wollen, um Seppelt doch noch nach Russland zu bekommen, ist scheinheilig. Denn der Journalist selbst würde sich mit einer Reise nach Russland wohl ohnehin nur persönlich gefährden. Niemand wird dieses Turnier boykottieren, niemand wird Russland ernsthaft wehtun wollen. Dafür ist die Personalie Hajo Seppelt nicht wichtig genug.

Foto:  DasWortgewand/Pixabay

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