Löw – Die Zukunft des Nationaltrainers

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Joachim Löw ist Weltmeister. 2014 coachte er die Deutsche Nationalmannschaft zum Titelgewinn, in den Medien wird er seither zum Jahrhundertrainer stilisiert. Nun ist er mit seiner Mannschaft desaströs am Unternehmen Titelverteidigung gescheitert. Nun diskutiert man in Deutschland die Schuldfrage. Und natürlich wird auch die Zukunft des bis 2022 gebundenen Nationaltrainers diskutiert. Ist er das Problem oder kann er die Lösung sein?

Joachim Löw ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball

Joachim Löw ist seit inzwischen 12 Jahren Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft. In seine Amtszeit fallen sechs Turniere. Fünfmal erreichte er mindestens das Halbfinale, zweimal davon spielte Deutschland im Finale um den Titel. Einmal hieß es: Raus in der Vorrunde. Die Statistik spricht für Joachim Löw. Und auch die Leistungen der Mannschaft lassen eigentlich keinen anderen Schluss als diesen zu: Solange Joachim Löw Trainer der deutschen Nationalmannschaft sein möchte, hat er das Recht dazu. Löw hat den deutschen Fußball nicht weniger als revolutioniert. Er ist der erste Trainer in der Geschichte des DFB, der hochansehnlichen Fußball spielen ließ. Er machte Deutschland zu einer auf der gesamten Welt gefürchteten Offensivmaschine. Erinnern wir uns zurück: 2010 zerlegte Deutschland erst England und vernichtete dann eine hochdotierte argentinische Mannschaft. Erst gegen zu dieser Zeit unschlagbare Spanier mussten Löw und seine Mannen die Sachen packen. Der Fußball von Löw und seinem Team begeisterte damals ganz Deutschland, er kam völlig unverhofft und wurde in den folgenden Jahren weiter verbessert. 2014 war es dann so weit: Eine Mannschaft auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit versetzte Deutschland in riesigen Freudentaumel. Damals hießen die deutschen Helden Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose oder Per Mertesacker. Lukas Podolski war wichtiger Teil der Mannschaft und unersetzlich für das einzigartige Mannschaftsklima während der zehrenden WM-Wochen. Klose, Mertesacker, vor allem Schweinsteiger und Podolski: All ihre Kader-Nominierungen wurden vor dem Turnier hitzig diskutiert und harsch kritisiert. Es gehe nicht mehr nach dem Leistungsprinzip, motzten die deutschen Amateur-Trainer. Löw machte alles richtig, er sicherte sich durch seine Treue zu verdienten Leistungsträgern einen Platz im Geschichtsbuch des deutschen Fußballs. Und Löw hat das Zeug dazu, den deutschen Fußball in ein neues Kapitel zu führen. Hoffentlich hat er noch nicht genug von der ewigen Kritik im eigenen Land.

Löws Zeit ist endgültig vorbei

Wir schreiben das Jahr 2014: In wenigen Wochen wird ganz Deutschland in Jubel ausbrechen, wird die Nationalmannschaft den WM-Titel holen. Doch bis dahin sind noch viele Spiele zu absolvieren. Das Turnier beginnt, die Nationalmannschaft überzeugt nicht. Mario Götze spielt im Sturmzentrum, enttäuscht dort gnadenlos. Philipp Lahm wird im zentralen Mittelfeld aufgestellt, auf einer Position, die er definitiv spielen kann. Doch seine Paradedisziplin, die rechte Verteidigung, wird gleichzeitig von Shkodran Mustafi bekleidet. Der ist völlig überfordert. Auf der Bank sitzen Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Lukas Podolski. Erst gegen Ende der Gruppenphase überdenkt Löw seine Aufstellung, bringt Klose, Mertesacker und Schweinsteiger. Lahm rückt nach rechts. Dann das Spiel gegen Algerien, wir schreiben das Achtelfinale: Deutschland spielt schlecht, wird einzig und allein vom alles überragenden Manuel Neuer im Spiel gehalten. Das Erreichen der nächsten Runde ist äußerst glücklich. Am Ende wird Deutschland Weltmeister, zeigt gegen Brasilien den vielleicht besten Fußball, den ein deutsches Nationalteam jemals gespielt hat. Doch der Weltmeistertitel, er wird am Ende vor allem von den Spielern erkämpft. Von Lahm, Schweinsteiger und Mertesacker, die mit unbändigem Willen nach der verdienten Veredelung der eigenen Karriere strebten. Nicht von Löw, dessen Coaching beinahe zum frühen Aus geführt hätte. Nochmal zwei Jahre zuvor, Deutschland spielt eine ordentliche EM. Dann kommt das Halbfinale gegen Italien und Löw vercoacht sich völlig. Seine Taktik ist so daneben, dass lange über ein sofortiges Ende seiner Ära diskutiert wird. Diese Ära wird am Ende mit einem gewonnenen Weltmeistertitel äußerst erfolgreich in die Geschichte eingehen. Doch es ist Zeit für einen Neuanfang mit neuem Trainer. Löws aufgesetzte Lässigkeit, seine zur Arroganz neigende Eitelkeit, seine selten gelingenden taktischen Experimente, die oft erscheinen, als wolle er die großen Trainer der letzten Jahrzehnte durch Nachahmung beeindrucken. All das gehört zu den Gründen für das Scheitern einer Mannschaft, die sich träge über die russischen Spielfelder schleppte. Die keine Torchancen kreierte und gleichzeitig defensiv anfällig war. Schuld sind hier nicht einzelne Spieler. Schuld ist das Kollektiv, und für dieses Kollektiv verantwortlich ist Joachim Löw.

Foto: Katherine Yin/FlickrCC-Lizenz)

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. JAVIER LÓPEZ MUÑOZ sagt:

    ICH WUENSCHE ALLES GUTE,FUER EUCH UND FCSAARBRUECKEN

  2. azzuronegro1903 sagt:

    er sollte zurücktreten ,zu viele taktische Fehler in den WM,s 2006,2010,2014+2018 und EM,s 2008 ,2012 !!
    falsche Positionseinteilung bei Aufstellungen Bsp. Lahm,Mustafi und Schweinsteiger 2014 und 2012 und jetzt hartnäckiges festhalten an im Vorfeld verletzten oder nicht in Form gewesenen Spielern (Gündogan,Neuer,Özil,Müller)
    teilweise arrogantes und überhebliches Auftreten .
    Glaube aber nicht das er zurücktritt,er wäre ja doof auf so viel Geld zu verzichten(Vertrag bis 2022)
    Typisch DFB Mafia ,2 Monate vor WM Beginn wird der Vertrag um „4“Jahre verlängert ?????
    Kann man nur mit dem Kopf schütteln !
    Und dann wundert man sich das immer mehr Leute sich mit „diesem“ Fussball nicht mehr identifizieren möchten.

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