Mein Freund, der AfD-Wähler

am

Die AfD ist im politischen Alltag der Bundesrepublik Deutschland angekommen. In kaum einem Landesparlament ist sie nicht vertreten, im Bundestag sind die Rechtspopulisten sogar stärkste Oppositions-Partei. Gleichzeitig entfernt sie sich scheinbar immer weiter von der bürgerlichen Mitte und setzt auf Personal, das Provokation als wichtigstes politisches Stilmittel instrumentalisiert. Wer sich im Alltag mit dem Thema beschäftigt, trifft schnell auf Menschen, die ihre Stimme der AfD gegeben haben oder diese Option in Zukunft umsetzen möchten. Menschen, die früher einmal SPD, CDU, die Grünen oder die Linke gewählt haben. Oft sind sie Freunde, Bekannte, Verwandte. Wie soll man mit diesen Menschen umgehen?

Verständnis ist fehl am Platz

Die Nazis sind doch eh nur ein Vogelschiss in der tausendjährigen Geschichte des großartigen Deutschlands. Das Holocaust-Denkmal in Berlin ist ein Denkmal der Schande. Flüchtlinge sollte man wenn nötig an der Grenze erschießen. Sind das Äußerungen, über die ein vernünftig denkender Mensch wirklich diskutieren muss? Gibt es irgendeine politische Grundlage, Menschen zu unterstützen, die mit solchen Parolen auf Wählerfang gehen? Nein, gibt es nicht. Und es gibt auch absolut keine Diskussionsgrundlage, die eine Debatte mit AfD-Wählern rechtfertigt. Ja, Menschen sind unzufrieden in diesem Land. Sie fühlen sich abgehängt, haben mit dem eigenen Schicksal zu kämpfen. Das Tempo, mit dem sich unsere Gesellschaft an der Oberfläche weiterentwickelt, kann nicht von jedem gehalten werden. Daran muss sich etwas ändern. Doch diese Situation rechtfertigt nicht, der AfD die eigene Stimme zu geben. Darauf muss jeder selbst kommen, wenn er die oben genannten Zitate liest. Wer nicht selbst darauf kommt, ist für sinnvolle Argumente ohnehin resistent.

Endlich raus aus der Ignoranz

Viele Aussagen von AfD-Politikern sind geradezu ekelhaft provokant. Sie zielen auf den rechten Rand der Gesellschaft und haben dort offenbar Erfolg. Eigentlich dürften sie bei jedem, der sich in der bürgerlichen Mitte unserer Gesellschaft verortet, Brechreiz hervorrufen. Das tun sie aber nicht. Immer mehr Menschen ignorieren Sätze wie den vom Vogelschiss, den Alexander Gauland vor einigen Monaten zum besten gab. Sie ignorieren diese Sätze aus einem Grund: Von den politischen Parteien fühlen sie sich nicht mehr vertreten. Politik ist vielfach nur noch eine Marketing-Maschinerie, allerorts wird mit markigen Sätzen versucht, die scheinbar blöde Bevölkerung zu erreichen. Das ist AfD-Niveau, und wer auf so etwas anspringt, wählt gleich das Original. Alle anderen sind nur noch enttäuschter von den politischen Eliten. Immer mehr Menschen fühlen sich nicht vertreten, sie sehen sich mit ihren alltäglichen Problemen nicht ernst genommen. Und die Partei, die sich vehement gegen die aktuellen Verhältnisse stellt, ist nun einmal die AfD. Da ist der Anreiz oft groß, die Rechtspopulisten zu wählen. Wer Menschen im engeren Umfeld kennt, die zu einem solchen Schritt tendieren, der sollte das Gespräch suchen. Was hilft, sind einzig und allein Argumente. Keine Überheblichkeit, kein von oben herab. Warum ist die AfD nicht wählbar? Warum wird gerade diese Partei nichts an den bestehenden Problemen ändern können? Welche Perspektive bietet sich statt der AfD? Wer Menschen mit ihren Sorgen ernst nimmt, kann sie auch erreichen. Wer sie nicht ernst nimmt, hat schon verloren.

Bild: m5tef/Pixabay

Was denkst Du? Lass es uns wissen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.