Letzte Ausfahrt Fusion

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Die Fusion der großen deutschen Warenhaus-Ketten Karstadt und Kaufhof ist besiegelt. Entstehen soll die Deutsche Warenhaus Holding – Details des Deals und Pläne für die Zukunft sind noch nicht bekannt. Klar ist lediglich, dass beide Unternehmen mit der Fusion nach dem letzten Strohhalm greifen, sich langfristig zukunftsfähig aufzustellen. Karstadt, vor allem aber Kaufhof litten in den vergangenen Jahren unter dem gewaltigen Konkurrenzdruck des Online- und Nischenhandels.
Eine Chance, das Warenhaus zu retten

Karstadt und Kaufhof sind in Deutschland unheimlich präsent. Seit Jahrzehnten prägen sie das Stadtbild überall dort, wo eines der 175 Warenhäuser beider Unternehmen existiert. Große Gebäude, strahlende Leuchtlettern, gläserne Einkaufstüren. Rolltreppen, Vitrinen, Überfluss. Das Kaufhaus übte jahrelang eine große Anziehung auf seine Kunden und Gäste aus. Im obersten Stockwerk das Restaurant, in dem bei Tagesausflügen in die Innenstadt beinahe obligatorisch gespeist wurde. Und heute? Das Warenhaus ist angestaubt. Im Restaurant liegt der Altersdurchschnitt bei etwa 65, die Tische sind nur spärlich besetzt. Der Konsum in Deutschland ist hoch, doch davon profitiert vor allem der Online-Handel. Kleider werden geliefert, gefallen sie nicht, nimmt sie der Paketbote am nächsten Tag kostenfrei wieder mit. Dieser Komfort schadet Karstadt und Kaufhof. Deshalb muss mit der Fusion eine Revolution des Warenhauses einhergehen. Die Vorteile des Vor-Ort-Shoppings müssen hervorgehoben, ja geradezu zelebriert werden. Dann hat die Deutsche Warenhaus Holding eine Chance. Andernfalls verlängert sie nur den Sterbeprozess einer wahren Institution. Das Ende des klassischen Warenhauses wäre ein weiterer Riesenschritt hin zu verwaisten Innenstädten und unansehnlichen Fußgängerzonen.

Rettung nicht in Sicht

Fröhlich sind sie nicht, die Gesichter der Mitarbeiter in einer beliebigen deutschen Kaufhof-Filiale. Fragen nach der anstehenden Fusion werden nicht beantwortet, es wird an die Geschäftsführung verwiesen. Niemand möchte sich äußern, keiner freut sich auf die Zukunft. 5.000 Arbeitsplätze sind gefährdet, noch ist völlig unklar, wie viele Filialen der beiden deutschen Platzhirsche auf dem Kaufhaus-Markt bestehen bleiben. Zahlreiche Städte verfügen sowohl über eine Karstadt- als auch eine Kaufhof-Filiale. Doppelstandorte in Zeiten wirtschaftlicher Überlebenskämpfe? Sehr unwahrscheinlich. Also: Mitarbeiter verlieren ihren Job, es wird weiter gespart. Karstadt-Verkäufer leiden schon unter dem sogenannten „Zukunftstarifvertrag“, bis 2021 müssen sie auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Ein Warenhaus, das zukunftsfähig ist, benötigt kräftige Investitionen. Kunden muss ein Mehrwert geboten werden, der die Vorteile des Online-Handels in den Schatten stellt. Solche Investitionen sind finanziell wohl nicht umsetzbar. Die Fusion von Karstadt und Kaufhof ist nur der erste Schritt hinein in eine Zukunft, in der das Warenhaus ein Relikt des vergangenen Jahrhunderts ist.

Foto:  FelixMittermeier/Pixabay

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