European Super League: Wie wäre das eigentlich?

am

Der europäische Vereinsfußball steht vor weitgreifenden Veränderungen. Wie der Spiegel unter Berufung auf Daten der Whistleblower-Vereinigung Football Leaks und im Kollektiv mit einem weitreichenden europäischen Rechercheverbund gestern aufdeckte, sind europäische Topvereine seit Monaten damit beschäftigt, einen eigenen und von FIFA und UEFA unabhängigen Vereinswettbewerb ins Leben zu rufen.

Auf die Enthüllungen folgten hastige Dementi, die beteiligten Vereine sprachen sogar von Rufschädigung und gezielter Fehlinformation. Die Daten allerdings sprechen eine eigene Sprache: Über Drohszenarien haben die europäischen Topclubs bereits dafür gesorgt, in den nächsten Jahren in der UEFA-Champions League noch mehr Geld zu verdienen. So entfernen sie sich noch weiter von der nationalen Konkurrenz, Wettbewerbe wie die Bundesliga verlieren mehr und mehr an Reiz. Dokumente beweisen, dass beim FC Bayern ein kompletter Ausstieg aus der Bundesliga geprüft wurde. Die Bayern agierten beim Erstellen der Super League-Szenarien federführend.

Alle Informationen zur möglichen Gründung einer European Super League gibt’s im aktuellen Spiegel, alles Wissenswerte hat auch die ARD in einem Videoclip aufbereitet.

Ein Schuss ins eigene Bein

Fußball lebt von Emotionen. Wenn Bayern München etwa auf Real Madrid trifft, dann sind Emotionen in besonderem Maße vorhanden. Das liegt jedoch nicht zwangsläufig nur an den beiden Vereinen – es liegt an den Umständen, die ein solches Spiel begleiten. Wenn nämlich Bayern gegen Real spielt, dann geht es meist um sehr viel. Ein Halbfinale der UEFA-Champions League etwa birgt eine riesige Relevanz – da spielen zwei der besten Mannschaften der Welt um die europäische Vorherrschaft. Mit der European Super League wollen Vereine wie der FCB, wie Real Madrid, Manchester United oder Juventus Turin, einen Wettbewerb erschaffen, der solche Spiele im Wochentakt bietet. Sie versprechen sich riesige Mehreinnahmen, sehen in der Super League den ultimativen Zuschauerfang. Doch wie realistisch ist dieses Szenario wirklich? Haben die verantwortlichen Handelnden nicht eher endgültig die Bodenhaftung verloren?

Wenn Bayern nämlich in einem Ligasystem, das in den Plänen zur Super League einer KO-Runde vorgeschaltet sein soll, an einem Samstag gegen Barcelona und sieben Tage später gegen Manchester United antritt, dann werden solche Aufeinandertreffen alltäglich. Wer ein Spiel verpasst, muss nicht traurig sein: Der nächste Spieltag mit einer Top-Begegnung wartet bereits. Gleichzeitig wird der Gang ins Stadion für viele Fans noch schwieriger, vermutlich sogar unmöglich. Die Preise werden steigen, die Distanzen zu Auswärtsspielen vervielfachen sich. Eventpublikum wird die Stadien weiterhin füllen, die Atmosphäre aber empfindlich leiden. Sind die Zuschauer dann wirklich noch in der Masse bereit, monatlich hohe Beträge zu zahlen, um einen künstlich erschaffenen Fußballwettbewerb im Pay TV zu verfolgen? Würde die Super League nicht eher zu einer zweiten Nations League, dem Wettbewerb, aus dem die Deutsche Nationalmannschaft gerade absteigt, es aber niemanden interessiert?

Endlich die erhoffte Spannungsreform

Bayern München, Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester City. Paris St. Germain, Manchester United, Juventus Turin. An den europäischen Spitzenteams geht Jahr für Jahr kein Weg vorbei, wenn in nationalen Ligen die Meisterschaft vergeben wird. Mit jeder Spielzeit wird der Abstand zum Rest der Ligen größer, weil die UEFA Geld in Hülle und Fülle vergibt. Es geht an die Spitzenvereine, nicht an die große Masse der Clubs. In der Bundesliga herrscht seit über einem halben Jahrzehnt gähnende Langeweile, was die Frage nach der Meisterschaft betrifft. Das hat zu einem empfindlichen Qualitätsabfall geführt – viele Spiele an einem Bundesliga-Nachmittag sind nur noch schwer zu ertragen. Man stelle sich nun vor, die Topclubs würden ihre Pläne in die Tat umsetzen. Woche für Woche European Super League, in der Spitzenvereine gegeneinander antreten. Es wäre für alle ein Genuss, die Fußball auf höchstem Niveau sehen wollen. Für alle anderen Fußballfans in Deutschland hätte man plötzlich eine Bundesliga mit extremem Spannungsgehalt. Nahezu jedes Team könnte sich Hoffnungen auf die Meisterschaft machen, die Überflieger hätten sich verabschiedet. Zwar würde der Wert der Bundesliga erst einmal sinken, doch das könnte sich langfristig ändern. Denn ein Bundesligatitel wäre weiterhin extrem erstrebenswert, dafür sorgt schon die Tradition des deutschen Fußballs. Und wenn plötzlich auch Mannschaften wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Nürnberg wieder deutscher Meister werden könnten, hätte das auch positiven Einfluss auf die Qualität der Liga – schließlich müssten alle mit der Schale liebäugelnden Vereine dafür sorgen, sich möglichst stark aufzustellen – es ginge immerhin um die Meisterschaft.

Foto:  FrodeCJ/Pixabay (Es handelt sich um ein Foto des Spiels FC Barcelona – Atletico Madrid in der Champions League-Saison 2015/2016)

Was denkst Du? Lass es uns wissen!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.